Klosterjubiläum
„Das Wichtigste ist immer die Gemeinschaft selbst“
Foto: Marco Heinen
Nein, völlig stressfrei ist das Leben eines Mönches nicht. Zum Gespräch beim Kaffee erscheint Prior Bruder Johannes Tebbe etwas später. Jüngst war er in Wiesbaden bei der Salzburger Äbtekonferenz, bei der die höheren Ordensoberen der 51 benediktinischen Männerklöster im deutschsprachigen Raum zusammenkommen. Am Montag nach der Rückkehr gibt es da viel zu tun. Doch der Prior nimmt sich Zeit.
2019 fand die Äbtekonferenz zum zweiten Mal in Nütschau statt, da war das Jubiläum noch fern. Als der Prior nun in Wiesbaden einem Mitbruder von der 75-Jahrfeier erzählte, sagte der trocken, dass sein Kloster in Kürze 1000 Jahre des Bestehens feiere. Doch das soll nicht hindern, sowohl zurück wie auch nach vorn zu schauen. Zumal nach zwölfjähriger Amtszeit von Bruder Johannes als Prior im Januar eine Neuwahl ansteht. Auf die Frage nach den für ihn wichtigsten Momenten dieser Jahre verweist er spontan auf den Bau des neuen Jugendhauses. „Staunend stehe ich davor“, sagt er, dass der Neubau durch Spenden verschiedendster Art und Größe und durch die Unterstützung des Erzbistums finanziert und gebaut werden konnte. Aber auch die vom Bund bezuschussten Klima-Anpassungsmaßnahmen an anderen Gebäuden seien Investitionen in die Zukunft gewesen.
Mit 75 Jahren immer noch ziemlich beweglich
Dass Nütschau mit seinen 17 Mönchen – davon zehn, die nicht im Rentenalter sind – in jeder Hinsicht ein junges Kloster ist, sieht der Prior als Vorteil: „Wir haben nicht die Last großer alter Gemäuer.“ Zwar gebe es uralte Klöster, „die ganz lebendig geblieben“ seien. Doch es sind oft riesige Baukomplexe, die für 200 Mönche ausgelegt waren und doch nur noch ein gutes Dutzend von ihnen beherbergen. „Diese Dimension haben wir zum Glück nicht.“ Das lässt Freiraum, auch für inhaltliche Flexibilität. Ein „das-war-schon-immer-so“ ist den Benediktinern an der Trave eher fremd. Bruder Johannes: „Ich glaube, das macht das geringe Alter, dass wir beweglich geblieben sind.“
Dass viele Menschen das Kloster für das geistliche Zentrum des Erzbistums halten, würden die Mönche selbst so nie sagen. „Das wäre anmaßend“, meint der Prior, der gleichwohl um die besondere Stellung weiß. Schließlich ist Nütschau das einzige Mönchskloster im engeren Sinne im Norden. Daraus wachse Nütschau eine besondere Rolle zu, „für die Katholiken, aber auch für viele evangelische Christen oder Konfessionslose. Für Menschen, die hierher kommen, ist es oft eine Art geistliche Heimat.“
Die Verbundenheit des eigenständigen, unabhänigen Klosters zum Erzbistum, der Umstand, dass Nütschau für Tagungen des Erzbistums, für die katholischen Schulen und viele andere Gruppen ein Ort der Begegnung sei, passe zur Entstehungsgeschichte, weil der damals zuständige Osnabrücker Erzbischof Wilhelm Berning der wesentliche Impulsgeber der Gründung gewesen sei.
„Das Wichtigste in einem Kloster ist immer die Gemeinschaft selbst“, sagt Bruder Johannes, „das, was an Leben, an Arbeitskraft, vielleicht an Gebetskraft da ist; an Menschen, die sich viermal am Tag versammeln und das Gebetsleben aufrechterhalten, den Raum öffnen für die Leute zum Gebet.“ Deswegen gehe es auch um den Nachwuchs. Immer wieder kämen Jüngere, um das Klosterleben zu erproben. „Selbst wenn sie nicht bleiben, bekommen wir als Gemeinschaft dadurch neue Impulse.“ Ein neuer Mitbruder im Jubiläumsjahr, das wäre vielleicht ein Zeichen des Himmels. „Ich hoffe, dass dieses Jahr noch jemand eintritt“, sagt der Prior. Und wichtig ist ihm, „das wir unsere eigene Mitte in der Besinnung, im Gebet suchen, damit andere Menschen das erfahren können, daran anknüpfen können.“ Das Gespräch endet kurz darauf, als die Glocken zur Eucharistiefeier rufen.
Zur Person
Bruder Johannes Tebbe (53), geboren in Vechta, trat 2001 ins Kloster ein. 2011 wurde er zum Priester geweiht und am 27. Januar 2015 zum Prior gewählt.