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Vorstandsmitglieder der geistlichen Gemeinschaft „Charismatische Erneuerung“ Mit Kaffeekanne: Diakon Henry Kirsche.
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Foto: Andreas Hüser

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Das Wichtigste ist schon mal da – Kaffeemaschine, Kaffee, ein Team und (links im Bild) die ersten Unterstützer: Vorstandsmitglieder der geistlichen Gemeinschaft „Charismatische Erneuerung“ Mit Kaffeekanne: Diakon Henry Kirsche.

Seit Jahren gibt es den Wunsch, am Mariendom eine feste Anlaufstelle für Obdachlose zu schaffen. Dann ging es schnell. Jetzt gibt es Raum für eine neue „Wärmestube“: ein Klassenraum der leerstehenden Domschule St. Marien.

Es gibt gemütlichere Räume als diesen: ein leeres Klassenzimmer in der verlassenen Domschule, ganz nahe am Eingang. An der Wand hängt noch eine Tafel alter Schule, sonst gibt es nur noch einen Schließfachschrank, einen Tisch, ein paar Stühle. Warm ist es auch nicht. Aber alles das soll sich ändern. Aus dem Klassenzimmer wird eine „Wärmestube“ für Obdachlose in St. Georg werden; ein Ort, an dem Leib und Seele Wärme erfahren. „Es ist eine Fügung, dass wir hier jetzt zwei Räume bekommen haben“, sagt Henry Kirsche. 

Schon lange gibt es Bestrebungen, am Dom eine Station für Obdachlose aufzubauen. Viele von ihnen halten sich hinter dem Hauptbahnhof im Stadtteil St. Georg auf. Immer wieder sieht man sie, einige übernachten im Schlafsack vor einem Kirchengebäude. Bereits 2016 wurde der Verein „Obdachlosenhilfe um den St. Mariendom“ gegründet, der mehrere Projekte, etwa am Berliner Tor, auf die Beine gestellt hat. Am Dom selbst gibt es monatlich eine Kaffeetafel für Obdachlose. Die neue Wärmestube aber soll jeden Tag geöffnet sein. 

Diakon Kirsche kann dabei auf einen festen Stamm von Ehrenamtlichen zurückgreifen, die bereits beim Obdachlosenprojekt „Metanoite“ mitgemacht haben, das neben der „Alimaus“, einer Tagesstätte für bedürftige Menschen in Altona, angesiedelt war. „Ich habe einige angesprochen. Elf Leute haben sofort gesagt: Ich mache da mit!“ 

Schon jetzt werden die Wochentage für den Dienst verteilt. Das Konzept ist ähnlich wie beim Metanoite-Büro. Ab dem frühen Abend, wenn andere Aufenthaltsstätten schließen, können die Besucher die Zeit bis zur Nachtruhe überbrücken. Es gibt nicht nur Kaffee und Tee, sondern auch gemeinsame Aktivitäten: Gitarre spielen, Singen, Gedächtnistraining, Spiele, Andachten. Ein Stapel Mini-Bibeln ist jetzt schon als Inventar in der neuen Wärmestube gelandet. Henry Kirsche: „Kern der Arbeit ist, dass die Leute erfahren: Wir gehören zu einer Gemeinschaft. Hier wirst du angenommen, so wie du bist. Und so, wie du geworden ist. Und du kannst jeden Tag neu anfangen.“

Was ein solcher gemütlicher, geselliger und sicherer Ort wert ist, wissen auch die Helfer im Team. „Ich war selber einmal obdachlos. Jetzt mache ich schon viele Jahre mit. Wir haben einiges zusammen gemacht, Gruppenarbeit, Drogeninformation, Taizé-Andachten“, sagt Achim Kreikmann. „Und Bibelarbeit, mit anschließendem Fußballgucken“, fährt Manuel S. fort. „Ich verdanke dieser Arbeit viel.“ 

Auch die Pfarrei St. Ansgar, zu der die Schulgebäude gehören, unterstützt das Projekt. „Wir sind froh, dass es einen Anlaufpunkt für Obdachlose gibt und dem Verein dafür sehr dankbar“, sagt Pastoralreferent Heiner Ganser-Kerperin. Es sei eine vorübergehende Einrichtung. Wie und ab wann das Areal anders genutzt werde, stehe noch nicht fest.

Bevor es losgehen kann, ist aber noch viel zu tun. Damit aus dem leeren Klassenraum eine gemütliche Stube wird, müssen noch Möbel her: eine Wohnzimmereinrichtung mit Sofas, Tischen und Stühle, dazu Geschirr, Kaffeekannen, eine Geschirrspülmaschine. Hat jemand so etwas übrig? Spender können sich sofort melden. Für Kaffee, Tee und Milch braucht der Verein Geldspenden. Und was auch noch wichtig ist: Ehrenamtliche Helfer werden gesucht, die zu zweit an den Abenden als Ansprechpartner den Dienst vor Ort tun.  

Kontakt: Henry Kirsche, Tel.: 040 / 6510355 oder mobil 0175/8741828. 
Spendenkonto: Katholische Pfarrei St. Ansgar, Kennwort: Wärmestube am Dom, IBAN DE33 4006 0265 0024 4240 03, BIC GENODEM1DKM, Darlehnskasse Münster e. G.

Andreas Hüser