Glaubensinformation

Kopf, Herz und Hand

Image
 Zwei Männer sitzen an einem Tisch und sprechen in Mikrofone.
Nachweis

Foto: privat

Caption

Die beiden Christians beim Aufnehmen eines Podcast im Arbeitszimmer von Pater Modemann (li.). Wer den Folgen im Kopfhörer lauscht, sitzt gewissermaßen mit ihnen am Tisch.

Seit einem Jahr sprechen Jesuitenpater Christian Modemann und der TV-Produzent Christian Busemann im Podcast „Zeiten des Aufatmens“ über gesellschaftliche Themen – im Sinne ignatianischer Spiritualität, die auch Handlungshinweise gibt.

„Die Folge über das Thema ‘Vorsehung’ hat die meisten Hörer“, wundert sich Pater Christian Modemann. „Das zeigt, dass es nicht nur einen spirituellen, sondern auch einen theologischen Bedarf gibt“, fährt der Jesuit fort. Die Rede ist von dem Podcast „Zeiten des Aufatmens“, die Modemann zusammen mit dem Autor und TV-Produzenten Christian Busemann seit nunmehr einem Jahr veröffentlicht. Die Erscheinungsweise ist etwa monatlich. Zum Jubiläum gibt es eine besondere Folge, denn erstmals sprechen die beiden Christians nicht nur miteinander über ein Thema, sondern auch mit einem Gast: Daniel Haas, dessen Buch „Einsamsein“ gerade erschienen ist (siehe Neue Kirchenzeitung Nr. 4, Seite 54). Dementsprechend geht es in der neuen, gerade erschienenen Folge um das Thema Einsamkeit.

Die Konstellation ist nicht zufällig – oder spielte doch göttliche Vorsehung eine Rolle? Wie auch immer, die drei Herren verbindet die katholische Glaubensinformation: Modemann leitet sie, Busemann nahm an einem Kurs teil und trat vor zwei Jahren in die Katholische Kirche ein. Haas wiederum hat gerade einen Glaubenskurs wahrgenommen und will zu Ostern konvertieren. Die Idee, einen Podcast zu produzieren, habe Christian Busemann nach seiner Konversion gehabt, berichtet Pater Modemann. „Er meinte, ein Glaubenskurs sei ja sehr schön, aber man müsse damit stärker an die Öffentlichkeit gehen. Er kenne viele Menschen, die der Kirche fern stünden, sich aber für Glauben und Spiritualität interessierten. Es gebe viele Themen, die man ihnen durch einen Podcast anbieten könne.“

Die Hörer erwartet in dem Podcast freilich kein seminaristischer Glaubenskurs oder ein Vortrag. Vielmehr lauschen sie einem Gespräch, in dem Lebenserfahrungen und damit auch Glaubenserfahrungen ausgetauscht werden. Das ist ganz im Sinne der ignatianischen Spritualität, der sich naturgemäß der Jesuit verpflichtet sieht. „Diese will Kopf, Herz und Hand miteinander verbinden“, sagt Modemann. Es sollten auch praktische Hinweise und Übungen für den Alltag vermittelt werden.

Aktuelle Folge über Einsamkeit

So berichtet Daniel Haas darin von seiner Drogensucht, seinem wohlhabenden Elternhaus, in dem Einsamkeit geradezu kultiviert worden sei. Sowohl sein Vater als auch seine Mutter nahmen sich selbst das Leben. Es sei falsch anzunehmen, Vernetzung sei das Gegenteil von Einsamkeit, sagt der Autor an einer Stelle. „Entscheidend ist das Gefühl, zugehörig zu sein.“

Es ist eine Einsamkeit, die, so Modemann im Podcast, jeder fünfte Deutsche erlebe. Sie ist ständig da, gehört zur Lebenssituation und ist nicht selbst gewählt. Das unterscheidet sie von Phasen, in denen sich Menschen freiwillig zurückziehen wie es etwa Jesus tat, als er in der Wüste Juda fastete. Das unterscheidet sie auch von selbst gesuchter Einkehr. Christian Busemann erkennt Anzeichen solch aufgebürdeter Einsamkeit etwa darin, dass Menschen allein an einem Tisch im Restaurant sitzen.

„Ich frage mich, ob Menschen, die im Glauben stehen, Einsamkeit auch so erleben, wie die, die nicht im Glauben stehen“, bemerkt Modemann weiter im Podcast. Er finde in diesem Zusammenhang den Satz „Gott ist da“ nicht so leicht. „Aber Einsamkeit bringt uns in Kontakt mit Sehnsucht, bei der wir bei Gott Erfüllung erwarten dürfen.“ Der Satz müsse eigentlich „Gott wird da sein“ lauten. „Man braucht eine höhere Instanz, auf die man sich beziehen kann“, ergänzt Daniel Haas. Das könne eine Kirche und eine Gemeinde sein. Wichtig sei auch, etwas für andere zu tun, gibt Modemann einen Hinweis. „Man lebt nicht nur für sich allein.“

Erstmals Warteliste für Glaubenskurse

Das Thema Einsamkeit habe schon zu Beginn der Reihe auf der Liste für den Podcast gestanden, berichtet Modemann beim Gespräch mit der neuen Kirchenzeitung. „Aber wir wussten nicht, wie wir es angehen sollten.“ Als dann Daniel Haas das Buch veröffentlichte war sozusagen der Aufhänger gefunden. „Er eröffnete uns Horizonte, die wir sonst nicht ausgelotet hätten“, sagt Modemann. Aber das Thema „Einsamkeit“ sei so groß, dass man ihm mindestens noch eine weitere eine Folge widmen solle.

Die Themen des Podcasts ergeben sich laut Modemann ein bisschen zufällig. „Wenn ich häufiger auf ein Thema angesprochen werde, machen wir auch etwas darüber. Demnächst wollen wir deshalb beispielsweise ein Gespräch zur Bibel produzieren.“ Oft seien die Themen auch jahreszeitlich bedingt. So wurde etwa vor einem Jahr eine Folge zum Thema „Fasten“ eingespielt. Und Anfang Dezember sprachen Modemann und Buse-mann über das Schenken zu Weihnachten. Die Lieblingsfolge der beiden Christians erschien übrigens im Mai vergangenen Jahres, und zwar zu Franziskus.Busemann ist nämlich auf dem Franziskus-Weg nach Assisi gepilgert und hat darüber auch ein Buch geschrieben. Und Modemann gehört demselben Orden an wie der kurz zuvor verstorbene Papst Franziskus.

Der Podcast, der bis zu 400 Zuhörer findet, fällt in eine Zeit, in der Modemann deutlich mehr Teilnehmer an seinen Glaubenskursen verzeichnet. Allerdings von einem niedrigen Niveaus ausgehend. Zu Ostern wollen 16 von ihnen in die Katholische Kirche eintreten, eine neue Höchstzahl. Erstmals musste Modemann eine Warteliste für die Glaubenskurse erstellen. „Politische Unsicherheit und Befürchtungen aufgrund des Klimawandels spielen dabei sicherlich eine Rolle, führen dazu, dass Menschen Orientierung suchen“, sagt der Jesuitenpater. „Vielfach kommen aber auch junge Leute, die als Kinder nicht getauft wurden. Ihre Eltern hatten den Kontakt zur Kirche verloren und sagten ihnen, sie sollten sich später entscheiden.“ Diese Kinder hätten nun häufig das Gefühl, ihnen sei etwas vorenthalten worden, ergänzt Modemann.

Matthias Schatz

Zur Sache

Der Podcast „Zeiten des Aufatmens – Geistlich. Praktisch. Gut“ wird vom Erzbistum und den Jesuiten in Zentraleuropa unterstützt. Alle Folgen sind abrufbar unter https://zeitendesaufatmens.podigee.io/episodes und überall, wo es Podcasts gibt.