Gute Frage - Teil 1

Muss ich jedes Familiengeheimnis bewahren?

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Symbolbild mit Schriftzug Familiengeheimnisse
Mensch öffnet sich und teilt ein lange gehütetes Familiengeheimnis. Danach ist vielleicht nicht alles, aber doch vieles anders als zuvor. Solche Offenbarungen lassen sich weder planen noch erzwingen – sie geschehen, wenn die Zeit reif ist. Es ist wichtig, darauf vorbereitet zu sein.

Familiengeheimnisse prägen Generationen. Besonders die Erfahrungen von Krieg und Nachkriegszeit wirken bis heute nach. Viele Familien lebten in einem Schweigen, das Schutz bieten sollte, aber zugleich wie ein dunkler Schleier wirkte: traumatisierte Eltern, unausgesprochene Schuld, Scham und Fremdheit zwischen den Generationen. Oft entstand die Haltung, lieber zu schweigen – bis das Bedürfnis wächst, Unausgesprochenes doch zu benennen. 

Schweigen und Reden haben dabei gleichermaßen ihre Berechtigung. Es gibt ein Recht zu schweigen, das die Würde des Menschen schützt, und zugleich ein Recht zu wissen, weil Geheimnisse Lebensmöglichkeiten beeinflussen. Aber Schweigen hat auch seinen Preis: Verdeckte Botschaften wirken umso stärker, je verbissener sie  verborgen werden. Was nicht gesagt wird, kann sich körperlich, emotional oder in Loyalitätskonflikten zeigen. 

Absolute Transparenz jedoch ist keine Lösung. Der Mensch ist sich selbst und anderen nie völlig durchschaubar. Aufgabe von Zuhörenden ist es daher, Schweigen wahrzunehmen, zu respektieren und auszuhalten – und zugleich wach zu bleiben für den Moment, in dem ein Mensch sprechen kann und möchte.

Christoph Hutter, von der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Osnabrück (EFLE), beantwortet in dieser Serie Fragen, die in den Gesprächen der Beratungs-Stellen eine Rolle spielen.

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