Wo zwei oder drei …

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Pilger auf dem Weg von der Georgenkirche hinauf zum Ansveruskreuz.
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Foto: Ralf Adloff

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Auf dem Weg von der Georgenkirche hinauf zum Ansveruskreuz.

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind…“ – der letzte Satz des Evangeliums vom vergangenen Sonntag ließ sich auch gut weiterverwerten: Als Motto der 70. Wallfahrt zum Ansveruskreuz über dem Ratzeburger See.

Einhaus (ahü). Weit mehr als drei waren dabei. Nach langer Pause gab es wieder ein Jugendlager am Vortag. 40 Jugendliche und 15 Betreuer – angeführt von den Pfadfindern aus Bargteheide und Ahrensburg – verbrachten die Nacht in Zelten bei Lagerfeuer und nächtlichem Bad im See. 40 weitere Pilger machten sich mit Erzbischof Stefan Heße auf den Weg von „St. Georg auf dem Berge“ bis Einhaus. Mehr als 300 erlebten einen geistlichen Sonnentag auf der Wiese, wo im Jahr 1066 der Mönch Ansverus mit seinen Mitbrüdern ermordet worden war. 

Harmonie und Konflikt: Mit beidem müssen Christen umgehen. Das schöne Wort aus dem Matthäusevangelium gehört in eine Jesusrede, in der es den Umgang mit abtrünnigen Sündern, um Streit und Zurechtweisung geht. „Jesus ist der Konfliktlöser schlechthin“, sagte Erzbischof Stefan in der Predigt. In jedem Kreuz finde sich das Bild der Versöhnung wieder. „Der Gekreuzig­te verbindet Himmel und Erde, rechts und links. Er versucht, Himmel, Erde und die Menschen zusammenzuhalten.“ Das Ansveruskreuz besitzt noch ein weiteres Zeichen: den Kreis, der alle vier Segmente in sich schließt. Konflikte gehören zum Leben. Das wissen die Aktiven vom Eine Welt Kreis St. Answer. Seit Jahrzehnten unterstützen sie eine Anlaufstelle für arme Zuwanderer in der kolumbianischen Stadt ­Líbano. Mit Leid, Rücksichtslosigkeit und Ausgrenzung sind auch die behinderten Kinder im Möllner Don-Bosco-Haus konfrontiert. Leute vom Don-Bosco-Haus teilten wie immer das Ansverusbrot mit allen Wallfahrern und hatten am Schluss eine Bitte: Pferdepaten gesucht – für die Arbeit mit Therapiepferden. 

Mit Konflikten unter den Seinen hat schon Jesus gerechnet. Und recht behalten. „In welcher Gemeinde knirscht es nicht?“, fragte der Erzbischof. „In welchem Bistum knirscht es nicht?“ Wichtig sei der Umgang mit knirschenden Stellen. „Dass wir auch verschiedener Meinung sind, halte ich für den Normalfall.“ Erst einmal miteinander reden, dann andere hinzuziehen, zuletzt den Streit vor die Gemeinde tragen – das rät Jesus. In der Weltkirche geschieht so etwas gerade. In Rom behandeln Bischöfe aus aller Welt im Oktober das Thema „Synodalität“. Erzbischof Stefan rief alle Gläubigen auf, für die Synode zu beten. 

Am Ende des Gottesdienstes gab es einen Abschied. Pastor Gábor Kant geht in ein hochgelegenes Felsenkloster der Benediktiner in Tirol, (St. Georgenberg). Ungern lässt man einen Priester gehen, der „jedes italienische Restaurant in einen Ort kirchlichen Lebens verwandeln kann“. Erzbischof Stefan öffnete bei allem Respekt vor der Entscheidung ein Hintertürchen. Falls es im Bergkloster nicht klappt: „Wir haben noch Stellen!“ Gábor Kant aber lud erst einmal alle ein, dieses Kloster zu ersteigen. „Aber kommen Sie nicht alle auf einmal. Es gibt dort Gästezimmer, aber nicht sehr viele.“ 

Andreas Hüser