Zwei lachende Augen

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Peter Mies 1962 und 2023
Nachweis

privat (l.), Matthias Schatz (r.)

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Peter Mies 1962 anlässlich der Erstkommunion und 2023 vor der Haustür der Wohnung für die Dompfarrer. 

Dompfarrer Peter Mies tritt nach zehn Jahren auf eigenen Wunsch in die zweite Reihe zurück. Er blickt auf bewegte Jahre in Blankenese, als Vorsitzender des Kirchengemeindeverbands und die Entwicklung der Citypastoral.

Er gehe mit zwei lachenden Augen, hat Dompfarrer und Stadtdekan Monsignore Peter Mies im Monatsbrief seiner Pfarrei geschrieben. Das liegt auch daran, dass er nicht im eigentlichen Sinne geht. Er tritt nur „in die zweite Reihe zurück“, wie er im Gespräch in seinem Büro erklärt. „Ich werde jetzt 70, und da habe ich mir gesagt, das können jetzt mal Jüngere übernehmen und den Erzbischof um Entpflichtung von den beiden Ämtern gebeten.“ So hat er ein lachendes Auge, weil nun weniger berufliche Verantwortung auf seinen Schultern lastet, und ein weiteres lachendes Auge, weil er trotzdem der Pfarrei als Pastor verbunden bleibt. Neuer Dompfarrer wird dann Thorsten Weber, derzeit noch Pastor in der Pfarrei St. Maria im Hamburger Westen.

Mies bleibt damit auch der Gemeinde seiner Kindheit verbunden. Auf seinem Smartphone hat er unter anderem ein Foto gespeichert, das ihn 1962 anlässlich der Erstkommunion vor dem Eingang der Pfarrwohnung zeigt, in der er die vergangenen zehn Jahre gelebt hat. Seine Familie habe damals in Eilbek gewohnt, deshalb sei er auch auf die Domschule gegangen. 

Später studierte Peter Mies Theologie in St. Georgen, legte ein Freisemester in Innsbruck ein und wurde im Dezember 1980 in Osnabrück zum Priester geweiht. Anschließend wirkte er gut drei Jahre als Kaplan in Quakenbrück, wo er auch an einem Gymnasium Religionsunterricht erteilte. Danach wechselte er für mehr als fünf Jahre nach Kiel, wo er zum einen Jugendpastor für Schleswig-Holstein war, zum anderen Studentenpfarrer im Haus Michael. 

Zum 1. Januar 1990 trat Peter Mies dann die Stelle an, an der er am längsten, nämlich 23 Jahre, wirken sollte: Er wurde Pfarrer von Maria Grün in Blankenese. „Dort drehte sich viel um die Vorbereitung der Erstkommunion. Teilweise hatten wir mehr als hundert Kinder vorzubereiten.“ Es seien neben dem Pfarrer auch sehr viele Eltern dabei engagiert gewesen. Daraus hätten sich rund 50 Gesprächskreise entwickelt. 

Im Sommer 1996 wurde Mies zusätzlich Vorsitzender des Hamburger Kirchengemeindeverbandes. „Das war keine Kleinigkeit“, betont der noch 69-Jährige. Denn er habe den Verband, zu dem auch Schulen und Krankenhäuser zählten, an die neuen Strukturen anpassen müssen, die durch die Gründung des Erzbistums Hamburg 1995 entstanden waren. Unter anderem in Verhandlungen mit der Stadt setzte er sich nach eigenen Worten für den Erhalt der Schulen ein. „Die Schulen waren im Allgemeinen gut besucht, aber eben nicht alle.“ Darunter auch die Domschule, die er selbst besucht hat. „Für Schüler und Lehrer ist das angenehm, aber es ist ein Problem für den, der das finanziert, denn der Mittelzufluss richtet sich nach der Anzahl der Schüler“, sagt Mies. Gleichwohl findet er es „schade“, dass die Schule nun geschlossen wird, zumal er dort „eine wichtige, auch religiöse Prägung bekommen“ habe.

2013 schließlich wurde Peter Mies Dompfarrer und auch Mitglied des Domkapitels. „Mir war zunächst wichtig, dass man den Dom als das katholische Zentrum des Erzbistums wahrnimmt“, sagt Mies. Dazu dienten über Gottesdienste hinaus Konzerte sowie Lesungen und Ausstellungen. Weiterhin seien ihm die Kontakte zu den vielen fremdsprachigen Missionen sehr wichtig gewesen. 

Familiäres Blankenese, vielfältiges St. Georg

„So eine Innenstadtpfarrei funktioniert natürlich völlig anders als eine bürgerlich-familiäre wie die in Blankenese“, weiß Mies. Mehr als zwei Drittel der Menschen, die in der Dompfarrei engagiert seien, wohnten gar nicht auf deren Gebiet. Auch die Gottesdienstbesucher kämen aus vielen anderen Stadtteilen und Orten, überdies seien darunter viele Touristen. 

Entsprechend wirkte Mies bei der Gründung der Pfarrei St. Ans­gar, zu der noch die Gemeinden St. Sophien in Barmbek, der Kleine Michel in der Neustadt und St. Joseph an der Großen Freiheit in Altona gehören, auf ein Konzept für eine Citypastoral hin. Sie zeichnet sich unter anderem durch Internationalität aus. „Wir haben hier durch die vielen Nationen das Idealbild von Kirche“, sagt Mies, denn das Christentum charakterisiere, dass es nicht an eine Nation gebunden sei, dass das Volk Gottes alle Nationen umfasse. Außerdem sei Wert darauf gelegt worden, dass die Kirchen jederzeit für jeden offen seien. Hinzu komme der Einsatz gegen Armut. Auch dürfe man in einem Stadtteil wie St. Georg keine Berührungsängste mit den vielfältigen gesellschaftlichen Gruppen haben. Im Viertel kennt man ihn, stellt ihm in den Restaurants schon ungefragt ein Glas Chardonnay auf den Tisch.

Vor dem Amtswechsel im September, der mit einem Umzug ins St. Bernard-Haus verbunden ist, hat sich Mies noch eine zweimonatige Auszeit genommen. Er reist gerne in Großstädte und Metropolen und so wird er den Juli und August in Paris verbringen. 

Matthias Schatz