Elisa Klingebiel arbeitet beim Trägerverein des Erfurter Katholikentages

Begeistert vom Miteinander

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Elisa Klingebiel
Nachweis

Foto: Eckhard Pohl

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Elisa Klingebiel bei der Arbeit an ihrem Schreibtisch.

Elisa Klingebiel ist in der Geschäftsstelle des Katholikentages 2024 in Erfurt für das hauptamtliche Personal und für Fundraising zuständig. Bis heute schwärmt sie von ihrem FSJ-Einsatz beim Katholikentag in Leipzig.

Noch hat der Katholikentag in Erfurt nicht einmal begonnen – bis zum Start am 29. Mai sind es noch ein paar Tage. Doch Elisa Klingebiel ist bereits dabei, für die ersten hauptamtlichen Mitarbeiter des Groß-Events Arbeitszeugnisse zu schreiben, damit sie sich für die Zeit nach dem Katholikentreffen anderswo bewerben können. Klingebiel ist für das hauptamtliche Personal zuständig, das für den Trägerverein des Katholikentages arbeitet. Die gebürtige Eichsfelderin hat sich um die Stellenausschreibungen für den Katholikentag gekümmert, Bewerbungsgespräche geführt, Mitstreiter eingestellt und eingearbeitet, die nötigen Schulungen in die Wege geleitet. Jetzt sorgt sie dafür, dass alle ihr Gehalt und ihren Urlaub bekommen, die Arbeitszeit solide erfasst wird.

Zukunfts- und Nachsorge zugleich

Am Anfang sei es teils schwierig gewesen, Personal zu finden, sagt Klingebiel. „Doch jetzt sind wir 35 Personen im Alter von 18 bis 63 Jahren. Die Hälfte ist unter 30 alt. Wir sind also ein sehr junges Team.“ Die meisten seien bis zum 30. Juni angestellt, also bis einen Monat nach Ende des Katholikentages am 1. Juni. „Für sie kümmere ich mich auch um ihre Ausgliederung, betreibe sozusagen Zukunfts- und Nachsorge, wenn ich jetzt schon Zwischenzeugnisse schreibe“, sagt Klingebiel. Mancher Mitarbeiter habe gezielt eine befristete Anstellung gesucht.

Zum Team der Katholikentagsgeschäftsstelle gehören einige Kollegen, die aus den alten Bundesländern kommen, schon bei Katholiken- und Kirchentagen dabei waren und Erfahrung mitbringen, sagt die Personalerin. Genauso wichtig seien aber auch Mitstreiter aus Thüringen, die zum Beispiel mögliche Ansprechpartner kennen. 

Klingebiel selbst ist schon seit 15. September 2022 beim Trägerverein des Katholikentages angestellt. Die studierte Betriebswirtschafterin für Logistik und Spedition hatte beim Katholikentag 2016 in Leipzig ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert. „Ich war damals total begeistert“, sagt die heute 27-jährige Frau, die in Heilbad Heiligenstadt aufwuchs. Sie hatte über ihr Engagement bei der Kolpingjugend vom Angebot eines Freiwilligen Sozialen Jahres beim Katholikentag gehört. Vorher hatte sie mit der Familie an den Ökumenischen Kirchentagen in Berlin und München teilgenommen. Bei ihrem Einsatz in Leipzig erlebte sie als FSJ-lerin im Team von 45 Hauptamtlichen „sehr, sehr gute Gemeinschaft“, wie sie sich erinnert. „Wir waren auch auf persönlicher Ebene sehr gut verbunden“. „Ich hatte keine Angst, Fehler zu machen. Uns FSJ-lern wurde etwas zugetraut. Man konnte über alles sprechen. Ich habe viel gelernt“, sagt Klingebiel.

Dass die meisten Mitstreiter neu in das jeweilige Katholikentags-Team kommen, biete gute Voraussetzungen für eine konstruktive Arbeitskultur, ist Klingebiel überzeugt. „Vieles wird gemeinsam erarbeitet. Jeder kann eigene Ideen einbringen.“ Wenn es dann losgeht mit dem Katholikentag, die Fahnen wehen, alles vorbereitet ist, die Gäste anreisen, erlebe man mit Freude das Ergebnis der Arbeit, erinnert sich Klingebiel gern an Leipzig. So werde es auch in Erfurt sein, ist sie zuversichtlich.

Auf der Suche nach der Rolle der Kirche im eigenen Leben

Von ihren Eltern christlich erzogen, besuchte sie in Heiligenstadt das katholische Gymnasium. „Heute bin ich am sortieren, welche Rolle die Kirche in meinem Leben spielt und spielen soll.“ Sie empfinde im normalen Gemeindealltag die Gottesdienste als „sehr steif“ und schätze stattdessen eine Glaubens- und Gottesdienstpraxis, wie sie von den Taizé-Brüdern vorgelebt werde.

Elisa Klingebiel und Linus Müeller
Elisa Klingebiel und Linus Müller von der Geschäftsstelle des Katholikentages informieren bei der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken im November 2023 in Berlin über den Stand der Vorbereitungen des Treffens in Erfurt.
Foto: Presse Katholikentag

Klingebiel ist in der Geschäftsstelle des Katholikentages neben ihrer Aufgabe im Blick auf das Personal auch für das Fundraising, also das Erschließen von Einnahmequellen, zuständig und außerdem noch Assistentin der Geschäftsführung. „Es ist nicht einfach, Anzeigen zu verkaufen, um daraus Erträge zu erzielen“, sagt Klingebiel. So habe sie Unternehmen und andere Inserenten gesucht, die Anzeigen etwa im Programmheft, auf dem Katholikentagsstadtplan oder der Katholikentags-App schalten wollten, um mit den Einnahmen die Helfenden-T-Shirts finanzieren zu können. Manchen Firmen sei Kirche sehr fremd, andere hätten ausdrücklich betont: „Wir wollen mit Kirche nichts zu tun haben“, sagt Klingebiel. Dabei sei der Träger des Katholikentages ja ein Verein. Bei Organisationen wie dem VRK (Versicherer im Raum der Kirchen) oder der Genossenschaft oikocredit, mit denen man schon länger zusammenarbeite, habe sie Interessenten für Anzeigen gefunden. „Aktuell suchen wir noch Sachspenden wie Schokolade, Chips und Obst“, sagt Klingebiel.

Die junge Frau findet es gut, dass bei Katholikentagen vieles öffentlich stattfindet – in Erfurt zum Beispiel die Kirchenmeile auf dem Anger, die Veranstaltungen auf dem Dom- und dem Theaterplatz. „Da können wir auch Laufpublikum erreichen, das unsere Angebote interessant findet. Das ist eine echte Chance“, sagt Klingebiel.

Schließlich habe der Katholikentag unter seinem Motto „Zukunft hat der Mensch des Friedens“ echt etwas zu bieten: Viele Foren, auch zu politischen Themen, Gottesdienste, Nachhaltigkeit werde groß geschrieben, über 90 Prozent der Angebote seien barrierefrei zu erreichen, nennt die engagierte Mitarbeiterin einige Stichpunkte. Persönlich finde sie es sehr gut, dass sich der Katholikentag nicht zuletzt auch im Blick auf die Europa- und die Landtagswahl in Thüringen ausdrücklich „für ein demokratisches Miteinander und gegen Rechtsextremismus engagiert“. Für sich selbst finde sie es ein bisschen schade, dass sie aufgrund ihrer Aufgaben inhaltlich nicht so viel von den Veranstaltungen mitbekommen werde.

Unter den Teilnehmern werden auch etliche junge Menschen aus der Region sein. So seien schon einige als Mitwirkende dabei, etwa die Malteserjugend oder die Pfadfinder aus Heiligenstadt. „Für Jugendliche ist es schön, bei einem solchen Event dabei zu sein oder sich gar aktiv zu beteiligen. Wann haben sie sonst eine solche Möglichkeit?“

Eckhard Pohl