Gute Frage - Teil 3

Wann spüre ich Einsamkeit?

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Zettel mit handschriftlicher Notiz
Alleinsein ist kein Krankheitsbild, sondern ein universelles Lebensphänomen. Es gibt ein wohltuendes Alleinsein, wenn sich Menschen in die klösterliche Abgeschiedenheit zurückziehen oder einen Spaziergang in der Natur machen – Einsamkeit ist nicht gleich Isola-tion.

Aber auch Einsamkeit gehört zum Menschsein dazu. Das wusste schon Platon und auch biblische Texte verdeutlichen: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Wenn Menschen andere vermissen, fühlt sich das Alleinsein ganz anders an als der Waldspaziergang. Neurobiologisch verursacht Einsamkeit Schmerzen, während Nähe zu vertrauten Personen Stress und Schmerz lindert. Diese Einsamkeit erhöht Sterblichkeitsrisiken, sie schwächt die Immunabwehr, fördert Depressionen und andere Erkrankungen. 

Die moderne Individualisierung verstärkt diese Risiken: Gesellschaftliche Strukturen zerfallen, Solidarität wird fragmentiert, Identitätspolitik und Ich-Orientierung steigern die Freiheit, aber auch die Isolation. Chronische Einsamkeit entsteht, wenn soziale Bindungen fehlen oder verloren gehen. Sie führt zu Rückzug und Misstrauen – ein Teufelskreis, der psychische und körperliche Gesundheit stark belastet.

Aber nicht nur gesellschaftliche Entwicklungen machen Individuen einsam, sondern um sich greifende Einsamkeit schwächt auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Einsame Menschen vertrauen gesellschaftlichen Institutionen weniger und sie tendieren statistisch gesehen an die politischen Ränder.

Christoph Hutter, von der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Osnabrück (EFLE), beantwortet in dieser Serie Fragen, die in den Gesprächen der Beratungs-Stellen eine Rolle spielen.

Alle Fragen und Antworten lesen Sie hier.

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