Anstoß 03/2026
Leuchtendes Schweigen
Gemeindereferentin in Naumburg, Pastoralregion Burgenlandkreis (Naumburg-Weißenfels-Zeitz)
Knisternde Kälte, sternenklarer Himmel und das langsam wabernde Polarlicht strahlten eine tiefe Ruhe aus. Staunen und schweigen. Das Wort vom „leuchtenden Schweigen“ bekam für mich einen neuen Klang.
Schweigen, das kein Gegeneinander ist, sondern hörend, schauend, wartend Stille wird und Raum öffnet für die Begegnung mit etwas Größerem: in der Nordlichtnacht die Faszination des Universums; im Stillwerden, Schweigen und Warten irgendwann die Begegnung mit Gott tief in mir. Noch eine Assoziation stellte sich ein, ein Rat (nicht nur) an Menschen in Leitungsaufgaben: jeden Tag fünf Minuten, jeden Monat fünf Stunden, jedes Jahr fünf Tage Stille. „Edelstein-Erinnerung“ einer Weiterbildung. Still werden, Schweigen als wichtiger Aspekt, um begleiten zu können und sich leiten zu lassen. Das große Schweigen in den Jahresexerzitien ist, sobald die Zeit einmal reserviert ist, dabei für mich eher die leichtere Übung. Die täglichen stillen Momente sind eine Herausforderung. Doch wo es sie gibt, werden sie oft zu Funken eines „leuchtenden Schweigens“, das Wege aufzeigt.
Ein jährliches großes Schweigen ist für viele eher keine realistische Option im Lebensgefüge. Das Staunen vor den Wundern der Schöpfung schon, eine kleine tägliche Stille auch, vielleicht einmal der Versuch, eine Minute miteinander zu schweigen am Beginn eines gemeinsamen Tuns unter leuchtendem Segen.