80. Todestag des Märtyrers Max Josef Metzger

„Lasst alle Glocken läuten!“

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Max Josef Metzger
Nachweis

Foto: Christkönigsinstitut Meitingen

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Das Engagement für den Frieden und die Ökumene war Max Josef Metzger besonders wichtig. In Meitingen initiierte er erste ökumenische Treffen.

Den Märtyrer Max Josef Metzger kennen nicht mehr viele. Jetzt will ihn der Papst seligsprechen. Ein Komponist aus den USA vertonte seine Gedichte. An seinem 80. Todestag erinnert nicht nur die katholische Kirche an Metzger.

Cormac Brian O’Duffys Begeisterung reißt mit, selbst wenn man mit ihm nur über den Bildschirm ins weit entfernte South Carolina im Süden der USA verbunden ist. Für den Kirchenmusikdirektor in der Diözese Charlston sind die Texte und Gedichte des katholischen Märtyrers Max Josef Metzger eine Inspirationsquelle geworden. Er vertonte sie in einem Liederzyklus. Einige der Texte entstanden in den letzten Wochen kurz vor Metzgers Tod im Zuchthaus Brandenburg-Görden. Dort wurde der Priester am 17. April 1944 von den Nationalsozialisten durch das Fallbeil hingerichtet. Sein „Verbrechen“: der Wunsch nach Frieden und nach Einheit der Christen.

Max Josef Metzger
Max Josef Metzger kam 1887 in Schopfheim/Südbaden zur Welt. Von 1914 bis 1915 war er Feldgeistlicher im Ersten Weltkrieg an der Vogesen-Front. Ab 1933 wurde er von den Nationalsozialisten überwacht.

Frieden nur durch Einheit der Konfessionen

O’Duffy ist überzeugt von der „Wichtigkeit dieses Mannes Gottes“. Er sei eben nicht nur ein Märtyrer, der für seinen Glauben eintrat, sondern „er brachte die zwei großen Kirchen in Deutschland zusammen. Damit prägte er letztendlich auch die Demokratiebewegung nach 1945, auch wenn er selbst kein Politiker war.“ Der irisch-amerikanische Komponist ist tief beeindruckt vom Wirken Metzgers, vor allem von seinem Einsatz für die Ökumene. „Heute ist das kaum noch vorstellbar, wie tief entzweit katholische und evangelische Christen vor 100 Jahren noch waren. Metzger war überzeugt, dass es einen Frieden zwischen den Völkern nur durch einen Frieden zwischen den Konfessionen geben kann“, so Cormac O’Duffy.

Die Ideen für ein gemeinsames Europa, die der katholische Priester in seinem „Memorandum“ vertrat, seien nicht nur für die damalige Zeit spannend, sagt Sylvia de Pasquale, Gedenkstättenleiterin in Brandenburg-Görden. „Seine Vorstellungen, wie wir in Europa friedlich zusammenleben können, sind gerade jetzt wieder hochaktuell.“ Es sei tragisch, dass jemand wie er denunziert und verraten wurde, dass dieses „Potenzial, das in unserem Land da war, getötet wurde.“

Mit prophetischer Klarheit, für demokratische Strukturen

Haus von Dr. Max Josef Metzger
Gedenktafel für Max Josef Metzger an der Fassade der Kirche Sankt Joseph in Berlin.
Foto: kna/Markus Nowak

Der erste Weltkrieg machte aus Max Josef Metzger, der als Divisionspfarrer diente, einen überzeugten Pazifisten. Er forderte Abrüstung und gründete mehrere pazifistische Organisationen, darunter den Friedensbund Deutscher Katholiken. Er setzte sich für die Einheit der Christen ein und gründete 1938 dafür die Bruderschaft Una Sancta. Metzger stellte sich von Anfang an dem Nationalsozialismus entgegen. 1939 schreibt er einen prophetischen Brief an Papst Pius XII. und macht ihn auf die Gefahr eines Weltkriegs aufmerksam. In dem von ihm 1943 verfassten „Memorandum“, auch als „Manifest für ein neues Deutschland“ bezeichnet, wird seine Haltung gegenüber dem Nazi-Regime deutlich. Darin formulierte er künftige demokratische Strukturen Deutschlands.

Verraten wurde er von der Gestapo-Agentin Dagmar Imgart, die sich in die Una-Sancta-Bewegung eingeschleust hatte. Als schwedische Staatsbürgerin durfte sie auch während des Krieges nach Schweden reisen. Metzger vertraute ihr sein an den lutherischen Erzbischof Erling Eidem in Upsala gerichtetes „Memorandum“ an. Daraufhin wurde er am 29. Juni 1943 verhaftet und in einem Schauprozess durch Roland Freisler am 14. Oktober 1943 zum Tode verurteilt.

„Tod! Wo ist dein’ Macht geblieben?

Höllenfürst, wie bist du klein!

Alles Dunkel muss zerstieben

Vor der Ostersonne Schein.“

Dieses Gedicht schrieb Max Josef Metzger an Ostern 1944, kurz vor seinem Tod. Es heißt, er habe den Priester, der ihm das letzte Abendmahl spendete, mehr getröstet als der ihn. „Noch nie habe ich einen Menschen mit so frohleuchtenden Augen in den Tod gehen sehen wie diesen katholischen Priester…“, soll der Henker zum Gefängnisseelsorger Peter Buchholz später gesagt haben.

Pfarrer Matthias Patzelt von der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit in Brandenburg an der Havel schrieb im letzten Gemeindebrief an die Gläubigen, auch ihm sei die Bedeutung Metzgers nicht „in ihrem Ausmaß bekannt“ gewesen, bevor ihn der Komponist Cormac O’Duffy angerufen hatte. Metzger sei „ein früher Wegbereiter der Ökumene, deren Friedenspotenzial er sah. Er gründete die überkonfessionelle Una Sancta-Bewegung zu einer Zeit, als seine eigene Kirche der Ökumene noch äußerst skeptisch gegenüberstand.“

2019 feierte das Christkönigsinstitut Meitingen sein 100. Jubiläum. Der damalige Freiburger Diözesanpriester Max Josef Metzger hatte es als „Missionsgesellschaft vom Weißen Kreuz“ 1919 in Graz/Steiermark gegründet. Dort nannte er sich Bruder Paulus, nach seinem Vorbild, dem Apostel. 1928 verlegte Metzger den Sitz nach Meitingen bei Augsburg. An Pfingsten 1939 fand im Christkönigsinstitut das erste ökumenische Treffen von Priestern statt, das als großer Erfolge galt.

Ein Oratorium als Geschenk zum 80. Todestag – aufgeführt am Hinrichtungsort

Cormac Brian O’Duffy
Der Komponist Cormac Brian O’Duffy.
Foto: Privat

Cormac O’Duffy schenkte der Gemeinschaft das Oratorium, das er zu den Gedichten des Priesters geschrieben hatte. Zu Metzgers 80. Todestag, so O’Duffys Wunsch, sollte es an seinem Hinrichtungsort aufgeführt werden. Der Kirchenmusiker rief also nicht nur den katholischen Pfarrer in Brandenburg an der Havel an, sondern schrieb auch vor rund einem Jahr an die Gedenkstätte Zuchthaus Brandenburg-Görden.

Durch O’Duffys Engagement gibt es dort an Metzgers Todestag, am 17. April, eine Andacht. Zudem widmet die Gedenkstätte den 79. Jahrestag der Befreiung des Zuchthauses Max Josef Metzger. Im Anschluss sind Teile des Oratoriums von O’Duffy bei einem Konzert mit dem Extra Chor Brandenburg zu hören. Der Chor und der Musizierkreis Blankenburg, beide unter der Leitung von Karsten Drewing, wurden von der Gedenkstätte für die Veranstaltung gewonnen.

„Ich kannte Metzger überhaupt nicht“, gesteht Chorleiter Drewing, selbst evangelisch. „Ich habe mich da rangetastet, langsam fange ich an, Metzger zu verstehen“, erzählt er weiter. Und auch, dass er Cormac O’Duffys Begeisterung manchmal bremsen musste, dass er seine Partitur ausdünnte, weil weder Geld noch Raum für ein großes Orchester da sind. Inzwischen freut sich auch Karsten Drewing, dass katholische und evangelische Christen vereint mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten das Metzger-Andenken begehen.

Cormac Brian O’Duffy hat zusätzlich zur Musik zusammen mit Leonard Swidler, Professor unter anderem für Interreligiösen Dialog an der Temple University Philadelphia, in den USA gerade auch ein Buch über Metzger herausgegeben: „The priest and the Fuhrer“ (Der Priester und der Führer).

Mitten in den Vorbereitungen zum Andenken an den 80. Todestag Metzgers wird bekannt, dass der Vatikan nach jahrelanger Prüfung die Hinrichtung als Märtyrertod anerkennt. Der katholische Priester und Friedensaktivist Max Josef Metzger könnte demnächst in Freiburg seliggesprochen werden. „Für mich ist diese Anerkennung des Martyriums durch „Rom“ – in der Person von Papst Franziskus – der eigentliche, letztgültige „Freispruch“ für Vater Paulus, nach und neben den verschiedenen Bemühungen der weltlichen Gerichte“, schreibt Annemarie Bäumler vom Christkönigsinstitut Meitingen nach der Bekanntgabe.

„Ich habe mein Leben Gott angeboten für den Frieden der Welt und für die Einheit der Kirche" waren Metzgers letzte Worte vor der Hinrichtung am 17. April 1944 um 15.27 Uhr. Es waren seine beiden großen Lebensziele, für die er sich einsetzte und starb. Cormac O’Duffy möchte das Gedenken an ihn bekannt machen. Deshalb stieß er einen Aufruf an alle katholischen und evangelischen Kirchen an, im Anschluss an die Andacht um 16 Uhr die Glocken zu läuten. Über den Bildschirm ermuntert er die Deutschen: „Lasst alle Glocken läuten!“

Termine

17. April, 15.15 Uhr: Andacht durch den Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg in der Hinrichtungsstätte Brandenburg-Görden. Die Gedenkfeier wird live übertragen. Der Link lautet:
https://www.youtube.com/watch?v=ClJ4ssScVUE
Auch in der Zeit nach der Veranstaltung wird die Aufzeichnung unter diesem Link abrufbar sein
Feierstunde am Max-Josef-Metzger Platz in Berlin-Wedding am 20. April um 15 Uhr durch den Ökumenischen Rat Berlin-Brandenburg (gegenüber der St. Joseph-Kirche an der Müllerstraße 161, in dieser Gemeinde wirkte Metzger als Priester in den Jahren 1939 bis 1943)
Gedenkkonzert am 20. April um 18 Uhr: in der Evangelischen Dorfkirche Berlin-Blankenburg wird das Metzger-Oratorium aufgeführt
79. Jahrestag der Befreiung des Zuchthauses Brandenburg-Görden: 21. April, 12-14 Uhr – nur mit Anmeldung (E-Mail: anmeldung-brb@stiftung-bg.de)

 

Ruth Weinhold-Heße