Bistumspartnerschaft

Am Anfang war der Becher

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Kinder mit fröhlichen Gesichtern sitzen mit Bechern an einem Tisch.
Nachweis

Foto: Melanie Giering

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Beim „Milchbecherprojekt“ freuen sich die Kinder auch über das Zusammensein.

Seit der Gründung 1996 ist die Partnerschaft zwischen dem Erzbistum und der Diözese Puerto Iguazú stetig ausgebaut worden. Zum Jubiläum machte sich eine Delegation aus Hamburg vor Ort ein Bild. Und mit Gertrud Theobald blickt eine Förderin der ersten Stunde zurück.

„Großartig“ und „wunderbar“ – so beschreibt Gertrud Theobald die Entwicklung der Partnerschaft zwischen den Bistümern Hamburg und Puerto Iguazú im Norden Argentiniens. Sie besteht seit nunmehr fast 30 Jahren und Theobald war von Anfang an dabei. Dass die Verbindung eine derartige Entwicklung genommen hat, „hätte sich anfangs niemand vorstellen können“, sagt sie. In den vergangen beiden Jahren seien jeweils rund 100 000 Euro an Spenden in einen Partnerschaftsfonds für die argentinische Diözese geflossen. Begonnen hatte alles mit dem Besuch des Diakons Gerardo Vetter aus dem Bistum Puerto Iguazú 1996 in Hamburg. In einer Aussendungsfeier am 12. Dezember 1996 wurde er in seine Heimat verabschiedet. Das Datum gilt daher als Gründungstag der Partnerschaft. Seine Tätigkeit sollte „Anknüpfungspunkt für eine dauerhafte Bistums-Freundschaft“ sein, wie es damals in der Neuen Kirchenzeitung hieß.

Von der Vielfalt und dem Erfolg der Förderung hat sich anlässlich des Jubiläums nun eine von Erzbischof Stefan Heße geführte Delegation aus Hamburg ein Bild vor Ort gemacht. Am ersten Tag besuchte sie eines der „Milchbecherprojekte“, mit denen die Partnerschaft begann. Dort erhalten Kinder aus sozial benachteiligten Familien nach der Schule Milch und eine Mahlzeit. Zugleich werde ein „Ort für Begegnung und Gemeinschaft“ geschaffen, wie die stellvertretende Bistumssprecherin Melanie Giering in einem Online-Tagebuch berichtet.

Hilfreiche Schulpartnerschaften

Erzbischof Heße übergibt das Bild des heiligen Ansgar. Foto: Melanie Giering

Nach etwa zehn Jahren wurde Bildung ein weiterer Schwerpunkt der Partnerschaft. „Die Projektpartner sind sich einig: Sie ist der Schlüssel, um aus der Armut herauszukommen“, sagt Theobald. Begonnen wurde mit einer Schulpartnerschaft zwischen der Katholischen Schule Harburg und dem Instituto San Miguel, damals eine Vor- und Grundschule in Eldorado. Nicht nur Schulbücher wurden mit Spenden aus Hamburg angeschafft, es wurden damit unter anderem auch Sanitäranlagen gebaut, die Aula erweitert und Räume für eine Bibliothek und den Informatikunterricht geschaffen. Zudem wurden Brunnen gebohrt und eine Photovoltaikanlage installiert. „Das ist dort eine andere Welt als bei uns. Deshalb sagen viele, Besuche seien unverzichtbar“, berichtet Gertrud Theobald. Die Brunnen seien wichtig, weil sonst die Versorgung mit sauberem Wasser unzuverlässig sei. Und mit der Photovoltaikanlage begegne man den regelmäßigen Stromausfällen. Umgekehrt inspirierten die Besuche von Delegationen aus Puerto Iguazú in Hamburg und Norddeutschland die Argentinier. So hätten sie beispielsweise Nachmittagsangebote an den Schulen übernommen oder dort eine Werkstatt eingerichtet.

Derzeit wird eine zweite Schulpartnerschaft zwischen dem Niels-Stensen-Gymnasium in Schwerin und der weiterführenden Schule San Nicolás de Flüe in Puerto Esperanza entwickelt, die die Hamburger Delegation ebenfalls besuchte. Die Schule wird seit 2022 aufgebaut, der Unterricht findet in einer alten Halle mit marodem Dach statt. Als jetzt im Rahmen des Besuchs verkündet wurde, dass der Fonds zusammen mit der Georg Kraus Stiftung für die Dachsanierung 20 000 Euro bereitstellt, brandete Beifall auf. Übrigens beteiligt sich auch die Schule mit 5000 Euro an den Kosten, erwirtschaftet etwa durch den Verkauf von zubereitetem Essen. Überdies werden Stipendien an die Jugendlichen vergeben, damit sie eine weiterführende Schule besuchen können. Die Zuwendungen belaufen sich auf 20 bis 50 Euro pro Monat und Kind.

Förderung von Existenzgründern

Sowohl in puncto Bildung als auch in puncto Existenzförderung ist in den vergangenen zehn Jahren der Bereich Landwirtschaft hinzugekommen. Deshalb besuchte die Hamburger Delegation auch die katholische Landwirtschaftshochschule in Capiovi. Lehrer und Studenten engagieren sich ehrenamtlich, um ihr Wissen an die indigenen Guarani zu vermitteln. Der Partnerschaftsfonds stellt Gelder für Saatgut und Gerätschaften bereit. Erlöse des Adventsbasars der Gemeinde St. Michael in Bargteheide, die sich seit 2003 in der Partnerschaft engagiert, fließen in einmalige Anschubfinanzierungen von 750 Euro für Absolventen der Hochschule, die einen Betrieb aufbauen. Inzwischen bieten rund 30 dieser Betriebe „eine Perspektive für ein menschenwürdiges Leben“, sagt Christian Fischbach, Referent für Spenden beim Erzbistum. Gleichzeitig sei dies ein Beitrag zur Vermeidung von Landflucht.

 Einer der Stipendiaten erntet Tomaten in seinem Betrieb. Foto: Melanie Giering

Einen letzten großen Bereich der Partnerschaft bildet die Caritas. „Dort gehen wir mehr und mehr von Einzelhilfen zu strukturellen Hilfen über“, so Theobald. Wurde also früher oft einer Familie beim Aufbau einer neuen Behausung geholfen, etwa weil ihre alte abgebrannt war, werden nun vor allem Projekte gefördert, die vielen Menschen zugute kommen. Dazu zählt das Gesundheitszentrum Ihyporá, das Großspenden möglich gemacht haben. „Das mittlerweile auch staatlich anerkannte Zentrum ist nun eine große Hilfe für schwangere Frauen, für ältere Menschen sowie bei Erstbehandlungen von Verletzungen und  Erkrankungen“, berichtet Melanie Giering in ihrem digitalen Tagebuch. Spendengeldern ermöglichen zudem erstmals eine regelmäßige ärztliche Betreuung der Bewohner des Altenheims San Ramón am Rande der Stadt Iguazú.

Geistlicher Höhepunkt des Besuches war die Messe zu Maria Himmelfahrt im Wallfahrtszentrum von Puerto Iguazú. Dabei überreichte Erzbischof Stefan Heße der Partnerdiözese ein Bildnis des heiligen Ansgar. Das Gemälde schuf die Künstlerin Ute Zander in Anlehnung an die Votivtafel des spätmittelalterlichen Malers Hans Bornemann, die in der evangelische Hauptkirche St. Petri hängt. Eine Kopie davon befindet sich im St. Marien-Dom. Ein Modell der jetzigen Kathedrale legte Zander auf ihrem Gemälde statt des ursprünglichen Doms auf Bornemanns Votivtafel in die Hände Ansgars. „Ich bin sehr dankbar für unsere Bistumspartnerschaft und für das, was in 30 Jahren daraus gewachsen ist. Aus den vielen Begegnungen hier nehme ich lebendige Impulse mit nach Hamburg und in unser gesamtes Erzbistum“, sagte Heße. 

Matthias Schatz