Lingener Podcast kommt gut an
Auf der Suche nach Frieden
Fotos: LWH
Auch zu Gast beim Podcast "Friedensreiter": der frühere Bundespräsident Christian Wulff (M.) im Gespräch mit den Gastgebern Marcel Speker-Underbrink (l.) und Jochen Reidegeld.
„Friedensreiter“ heißt der Podcast, den der Direktor des Lingener Ludwig-Windthorst-Hauses, Marcel Speker-Underbrink, und der stellvertretende Direktor des Hamburger Instituts für Theologie und Frieden, Jochen Reidegeld, als Gemeinschaftsprojekt verantworten und organisieren. Mit dem Namen des Formats erinnern die beiden ganz bewusst an jene Männer, die gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) zu Pferd zwischen Münster und Osnabrück pendelten und den Abschluss des Westfälischen Friedens in ganz Europa verbreiteten. „Das macht doch deutlich, dass in einer damals kaum lösbaren Situation mit viel Ausdauer und gutem Willen Frieden möglich war“, sagt Speker-Underbrink. Und sieht darin Vorbild und Ansporn für heute.
Friedensethische Perspektive ist wichtig
Das ist nur ein Motiv, warum Speker-Underbrink und Reidegeld vor knapp zwei Jahren den Podcast ins Leben gerufen haben. Beide hatten sich gefragt, mit welchen neuen Formaten sie „Leute vielleicht anders abholen“ können, denn der klassische Vortrag in einem Saal mit gegebenenfalls langem Anfahrtsweg spricht nicht mehr alle Menschen gleich an. Die Themen für die Beiträge auf YouTube oder Spotify standen für die beiden Gastgeber aus ganz persönlichem Interesse und beim Blick auf oft wenig ermutigende Schlagzeilen schnell fest: Außen- und Sicherheitspolitik, die Suche nach Frieden, die Frage nach gesellschaftlichem Zusammenhalt. Und der Fokus liegt dabei auf einer christlich-friedensethischen Perspektive. „Das ist unser Ansatz, da haben wir einen anderen Zugang als sonstige Formate“, sagt der LWH-Direktor.
31 Folgen gibt es bislang im Internet zu hören und zu sehen. Schon der erste Beitrag mit Carlo Masala, Politikwissenschaftler, Hochschullehrer in München und Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, über eine verantwortliche Außenpolitik überraschte die Initiatoren mit fast 18 000 Zugriffen. „Das hatten wir vorher nicht erwartet“, sagt Speker-Underbrink. Auch bei den Beiträgen mit Georg Gänswein, Privatsekretär bei Papst Benedikt XVI. und jetzt Apostolischer Nuntius im Baltikum, dem früheren Bundespräsidenten Christian Wulff oder Pater Nikodemus Schnabel, Ostkirchenexperte und Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem saßen viele Zuhörer und Zuschauer vor Tablet und PC.
Andere renommierte Gäste, die von ihren Wirkungsstätten aus zugeschaltet werden, waren zum Beispiel die US-Korrespondentin der "Zeit", Juliane Schäuble, oder der frühere ZDF-Journalist Klaus Prömpers. Speker-Underbrink und Reidegeld nutzen bei der Suche nach ihren Gesprächspartnerinnen und -partnern persönliche Netzwerke – oder fragen einfach mal an. Nur selten kriegen sie dann eine Absage. „Das klappt meistens sehr gut“, erklärt der LWH-Direktor.
"Wir müssen lernen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten"
So unterschiedlich wie die Gäste sind die Themen. Und die findet das Moderatoren-Duo entweder beim Blick in die Nachrichten, bei dem eigenen Empfinden über relevante Themen oder auch zu grundsätzlichen Fragen. Da geht es mal um die sicherheitspolitische Lage seit dem Ukrainekrieg und die Konsequenzen für Deutschland oder um die ersten 100 Tage der US-Regierung, ein anderes Mal um den vielfach übersehenen Krieg und die humanitäre Katastrophe im Sudan oder ganz aktuell im Mai um die Frage, „ob wir zu faul sind für Wohlstand und Zusammenhalt“, wie sich der Gast Oliver Stetter vom Institut der deutschen Wirtschaft fragte.
Nicht immer sitzen Speker-Underbrink und Reidegeld mit einem Gast vor dem Mikro und der Kamera. Zwischendurch unterhalten sich die zwei auch „entre nous“, also ganz locker und aufgeräumt unter sich, über für sie wichtige Themen. Wie bei den anderen Beiträgen kommt es ihnen dabei nicht darauf an, immer einer Meinung zu sein. Sie wissen genau, dass manche Gäste und manche Themen durchaus polarisieren – dass es am Ende einer Sendung auch mal keinen Konsens gibt. „Aber das darf sein“, sagt Speker-Underbrink ausdrücklich. Er hat den Eindruck, dass „wir als Gesellschaft zunehmend die Diskursfähigkeit verlieren“ – also die Fähigkeit, vernünftig und konstruktiv miteinander zu reden und auch zu streiten. „Wir müssen lernen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, und das darf dann nicht in den persönlichen Anfeindungen enden.“ Auch das gehört bei der Suche nach Frieden dazu.
Der Podcast „Friedensreiter“ kann über viele Plattformen von YouTube über Spotify bis zu Apple Podcasts abgerufen werden, hier gibt es alle links: https://www.linktr.ee/friedensreiter
In der Regel kommen die Folgen etwa alle drei Wochen am Donnerstagmorgen heraus – die zwei nächsten Beiträge sind eingeplant am 18. Juni mit Peter Tauber (bis 2021 Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und selbst Gastgeber des Podcasts "Sicherheitsrat") und am 2. Juli mit General außer Dienst Alfons Mais (bis 2025 Inspekteur des Heeres der Bundeswehr).