Auf die Nase kommt es an

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Der Siemerling-Sozialpreis des Dreikönigsvereins wird in diesem Jahr an Gabriel Fibinger für seine ehrenamtlichen Arbeit mit Rettungshunden vergeben. Dieser Ehrung gehen über 20 Jahre unermüdliches Engagement voraus. 

Gabriel Fibinger mit Hund von der Rettungshundestaffel „Vier Tore e.V.“
Ein Team, das Menschen rettet: Gabriel Fibinger erhält den Siemerling-Sozialpreis. 
Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

 

„Die beiden setzten gerade in diesen bedrohlichen Zeit Zeichen einer weltumspannenden Solidarität im Katastropheneinsatz“, sagt Rainer Prachtl, Vorsitzender des Dreikönigsstiftung, über das Ehepaar Beate und Gabriel Fibinger. Für seine Verdienste im Aufbau des Rettungshundewesens in Mecklenburg-Vorpommern bekommt Gabriel Fibinger am 12. Mai den Siemerling-Sozialpreis verliehen. „Weltumspannend“ ist der Einsatz, weil die Hunde der Staffel auch schon bei Katastrophen in Nepal und auf den Philippinen im Einsatz waren. Gabriel Fibinger, Vorsitzender des Vereins „BRH Rettungshundestaffel Vier Tore e.V.“, betont jedoch: Die Arbeit war nur dank der gesamten Rettungshundestaffel möglich.

Begonnen hat diese große Arbeit ganz klein. Anfang der 2000er zogen er und seine Frau mit den Kindern aufs Land.

„Ich hatte gar keine Ahnung von Hunden“

Und zum Leben auf dem Land gehört ein Hund, beschloss die Familie. „Ich hatte gar keine Ahnung von Hunden“, erinnert sich Gabriel Fibinger, „also bin ich einfach los und habe einen Schäferhund geholt.“ 

Nach bestandener Begleithundeprüfung sollte die Ausbildung weitergehen. Eine Training zum „Schutzhund“, der auf die Abwehr von Angreifern abgerichtet ist, kam nicht in Frage, da es ein menschenfreundliches Tier werden sollte. Die Ausbildung zum Rettungshund schien wie ein guter Weg dahin. Dieser startete beim Deutschen Roten Kreuz in Greifswald und führte 2002 zur Gründung einer DRK Staffel in Neubrandenburg. 

Um seine neu gewonnene Leidenschaft für die Arbeit mit Hunden ganz in den Fokus zu stellen, gründete der Mecklenburger 2004 die Rettungshunde­staffel „Vier Tore“, die Mitglied des Bundesverbandes Rettungshunde (BRH) ist. „Ich bin da ganz blauäugig reingegangen“, sagt Gabriel Fibinger im Rückblick. „Anfangs habe ich noch viele Fehler gemacht, aber das ist in Ordnung, so lange man daraus lernt und sich weiterentwickelt.“ Die Staffel entwickelte sich weiter und der erste Spendenaufruf übertraf alle Erwartungen, da die Menschen vor Ort die Arbeit der Rettungshunde zu schätzen wussten und wissen. Das ist wichtig, da die RHS „Vier Tore“ als gemeinnütziger Verein wie alle Staffeln des BRH unentgeltlich arbeitet und sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert.

Heute umfasst die Staffel 28 Mitglieder, 16 fertig ausgebildete Rettungshunde und zehn Hunde in Ausbildung. Ein eigener Hund ist nicht nötig, nur ein eigenes Auto, um zum Einsatz zu gelangen. Das ist besonders in dem großflächigen Einsatzgebiet relevant, das die Stadt Neubrandenburg sowie den Großkreis Mecklenburgische Seenplatte umfasst. Angefordert wird die Staffel bei Personensuchen – dazu gehören verschwundene Pflegeheimbewohner wie auch Verunglückte auf der Seenplatte. 

Zudem werden die Rettungsspezialisten überregional angefragt, häufig aufgrund ihrer Erfahrungen mit Gewässern und bei Trümmereinsätzen, auch wegen ihres besonderen Ausbildungszentrums in Malchin. Dieses wurde dank Gabriel Fibinger 2010 von dem BRH auf dem Gelände eines ruinösen Betonwerks begründet und dient heute Rettungsstaffeln aus ganz Europa zur Fortbildung.

Neben der Vermisstensuche leisten die Hundeteams auch humanitäre Hilfe nach Katastrophen – etwa auf den Philippinen nach dem verheerenden Taifun „Haiyan“ (2013) sowie nach dem schweren Erdbeben in Nepal (2015), wofür eine gesonderte Ausbildung nötig ist. All das macht Gabriel Fibinger wie alle Mitglieder der Rettungshunde­staffel ehrenamtlich. „Das geht nur mit viel Herzblut und allen zusammen“, sagt er. „Erst die Gemeinschaft macht uns groß.“

Kontakte und weitere Informationen im Internet unter www.rhs-viertore.de oder facebook.com/BRH-Rettungshundestaffel-Vier-Tore-e.V.

Text: Victoria-Louise von Langenn-Steinkeller