Allein ist man schneller, gemeinsam kommt man weiter

Bischof Wilmer verabschiedet sich

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Bischof Wilmer sitzt allein an einem Tisch, vor sich ein Mikrofon
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Foto: Adrienne-Janine Marske

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Zum Abschied ließ sich Bischof Wilmer noch einmal von Journalisten befragen.

Der scheidende Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hat sich dieser Tage in einem Pressegespräch von seinen journalistischen Weggefährten der vergangenen acht Jahre verabschiedet. In kleiner Runde gab es noch einmal die Gelegenheit, einen Blick zurückzuwerfen, aber auch die Zukunft des Bistums Hildesheim zu thematisieren. Am 6. Juni feiert er noch einmal ein Pontifikalamt.

Eine gelassene Feierlichkeit liegt in der Luft des großen Saals im Bischöflichen Generalvikariat gegenüber vom Hildesheimer Mariendom. Routiniert findet jeder der 16 Medienvertreter seinen Platz am Konferenztisch, es werden Kameras und Stative aufgebaut, die Beleuchtung und das Mikrofon platziert, Smartphones bereit zur Aufnahme gehalten.

Es ist im Grunde ein ganz normaler Pressetermin – und doch weht ein spürbarer Funke Wehmut mit, als Bischof Wilmer jeden einzelnen Journalisten begrüßt und persönliche Worte für jeden einzelnen findet. Trotz aller auch kritischen Themen der vergangenen Jahre ist eine wertschätzende und offene Gesprächskultur gewachsen, das ist deutlich zu spüren – auf beiden Seiten, vor und hinter dem Mikrofon sowie entlang des Abschiedsbuffets mit Fingerfood. „Ich habe immer viel ausgewogenen, konstruktiven und fachkundigen Journalismus von Ihnen und Ihren Redaktionen wahrgenommen“, sagt Bischof Wilmer zu den Anwesenden und setzt nach: „Unabhängige Medien stärken unsere Gesellschaft und unsere Demokratie und von daher sind Sie, die Medien, unverzichtbar. Vielen Dank für Ihren Dienst, vielen Dank auch für Ihr Fiebern um Wahrheit, um Aufrichtigkeit, um auch den Dingen auf der Spur zu sein.“ 

Doch vor dem Abschied ein Blick zu den Anfängen in Hildesheim: Pilgernd sei er schon vor seiner Bischofsweihe mit jungen Menschen unterwegs gewesen. Und er habe es fortgesetzt, im Bistum mit den Menschen an verschiedenen Orten ins Gespräch zu kommen. „Insgesamt war es mir wichtig zu verstehen, was Menschen hier im Norden bewegt – und zwar nicht nur innerhalb der katholischen Kirche und innerhalb unserer guten Ökumene, vor allem mit den Lutheranern, die hier sehr stark sind, aber auch mit den Reformierten, mit den Menschen jüdischen und auch muslimischen Glaubens. Und was ich persönlich auch sehr mag, ist die Begegnung mit der säkularen Welt. Wir gehören alle zusammen, alle.“ Als Vertreter der katholischen Kirche habe er seinen Dienst als Dienst an allen, die in diesem Gebiet leben, verstanden.

„Begegnung und Kommunikation sind immer wesentlich für mich gewesen und werden es weiterhin bleiben – ebenso das Wissen, dass man vielleicht alleine schneller ist, aber gemeinsam kommt man weiter“, so der Bischof. Das Bistum Hildesheim sei ein Wir-Bistum, ein Wir-schaffen-das-Bistum. 

"Wir sind nicht verschuldet."

Daher leitet Bischof Wilmer auch rasch eine Antwort auf die Frage eines Journalisten ab, was er all jenen im Bistum sage, die befürchten, dass vieles nun liegen bleibe nach seinem Weggehen nach Münster. Mit Blick auf das Bistum und auf die Menschen sei er sehr zuversichtlich. Er sei kein Einzelkämpfer gewesen und habe von Anfang an mehrere Teams mit hochkompetenten Frauen und Männern gehabt. „Wir sind gut aufgestellt, auch wenn die Ressourcen bescheiden sind. Wir sind nicht verschuldet. Wir hatten in den letzten Jahren keine Angst, neue Schritte zu wagen, auch mutig voranzugehen und Dinge auszuprobieren.“ Darum gehe er davon aus, dass das in der Vakanz so weitergehen und Hildesheim einen Bischof erhalten werde, der dies fortsetze. Er könne einen neuen Bischof nicht backen, schmunzelt Bischof Wilmer, aber er werde den Prozess verfolgen.

Auf die Frage, welche Botschaft er dem neuen Bischof mit auf den Weg geben würde, wollte sich Bischof Wilmer nicht festlegen: „Da hätte ich jetzt Hemmungen. Ich glaube einfach, ein Nachfolger kann sich wirklich auf das Bistum freuen. Und ich wünsche ihm, dass er ein offener Mann ist, der den Leuten mit Sympathie und einer schönen Portion Humor begegnet.“

Für seinen Abschiedsgottesdienst am Samstag, 6. Juni, um 10 Uhr im Hildesheimer Dom wünsche er sich, dass alle kommen, die kommen möchten – unabhängig davon, ob sie in der Kirche sind oder muslimisch, jüdisch oder gar nichts mit dem Glauben zu tun haben. Es seien alle eingeladen und alle sollen im Anschluss verköstigt werden, betont der scheidende Bischof und fügt lächelnd an: „Mir soll hinterher niemand sagen, dass er verschmachtet nach Hause gegangen sei.“ 

Und obwohl Bischof Wilmer bis zu seiner Ernennung zum Bischof von Münster am 21. Juni nur noch reduzierte kirchenrechtliche Befugnisse im Bistum Hildesheim hat, bleibt es ihm, auf das leibliche Wohl der Menschen im Bistum zu achten – nicht nur am Tag des Abschiedsgottesdienstes. Es ist ihm auch wichtig, dass die Medienvertreter den Großen Saal nicht verlassen, ohne sich am Abschiedsbuffet zu stärken.

Adrienne-Janine Marske

Bischof Heiner Wilmer feiert seinen Abschied am Samstag, 6. Juni, 10 Uhr, mit einem Pontifikalamt im Hildesheimer Mariendom. Im Anschluss an den Abschiedsgottesdienst können sich die Besucher persönlich vom Bischof verabschieden. Im Domhof gibt es die Gelegenheit für Begegnungen bei Imbiss und Getränken.  Wichtiger Hinweis für die Anfahrt: Der Domhof wird an diesem Tag für Autos komplett gesperrt. Anreisende werden gebeten, außerhalb des Domhofs zu parken.

Der Gottesdienst wird auch als Internet-Livestream übertragen: https://www.youtube.com/bistumhildesheim