Syrische Geflüchtete
Christen haben weiter Angst
Foto: Matthias Schatz
Monsignore Issa Sadei Matti Toma bei der Predigt in St. Franziskus.
Es sind rund 150 Gläubige, die an diesem Sonntagmittag in der Kirche St. Franziskus in Hamburg-Barmbek den Gottesdienst der syrisch-katholischen Gemeinde feiern. Natürlich sprechen sie untereinander über die Situation der Christen in Syrien, wo – neben dem Irak und anderen Staaten des nahen Ostens – viele Gläubige herkommen. Diesmal vielleicht mehr, denn Bundeskanzler Friedrich Merz will den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa weiterhin zu Gesprächen empfangen. Das sorgt durchweg für Empörung – so jedenfalls der Eindruck von Stellungnahmen einiger Gottesdienstteilnehmer, die freilich aus Angst um ihre Angehörigen in Syrien nicht namentlich genannt und auch nicht fotografiert werden möchten.
„Machthaber Al-Sharaa ist eine Zeitbombe“
„Al-Sharaa ist eine Zeitbombe“, mahnt eine Frau mittleren Alters, die schon vor der Flüchtlingswelle 2015 nach Deutschland gekommen war. Sie traue dem neuen Machthaber nicht. Der ehemalige IS-Kämpfer und seine Leute hätten ihre Denkweise nicht geändert, sagt ein älterer Mann auf Arabisch, für den seine Tochter übersetzt. „Es gibt viel bessere Leute für die Führung des Landes.“ Er und andere Gottesdienstteilnehmer haben von Freunden und Verwandten von Bombenanschlägen auf christliche Kirchen gehört. Auch seien Parolen gegen Christen auf Häuserwände geschrieben worden. Unter dem Assad-Regime seien die Christen sicherer gewesen, ist oft zu hören.
Al-Sharaa und seine Anhänger „zeigen jetzt ein freundliches Gesicht, weil sie Geld brauchen“, sagt ein weiterer Mann, der vor kurzem vier Wochen in seiner Heimatstadt Hama nördlich von Damaskus verbrachte, aber schon seit 13 Jahren in Deutschland lebt. Er sieht die Lage für die Christen gleichwohl differenzierter. Es komme auf die Region an. In Städten wie Damaskus oder auch Hama hätten Christen die „volle Freiheit“. Die Regierung schütze sie auch. „Trotzdem haben viele Christen viel Angst, sie trauen dem Frieden nicht.“ Denn die Regierung habe nicht das ganze Land unter Kontrolle. Wenn in kleineren Orten vornehmlich Christen lebten, sei es ungefährlich. Anders sei es in Orten, in denen Einwohner mehrerer Religionsgemeinschaften gemischt lebten. Allgemein seien die Christen in Syrien aber beliebt, weil sie zu allen Gruppen Abstand hielten und friedlich seien.
Zum Thema Rückführung heißt es unisono, dass es für Sunniten mittlerweile ungefährlich sei und sie zurückkehren könnten. Kaum einer, der hier arbeite, werde aber zurückkehren. „Die Gehälter in Syrien sind viel zu gering, aber die Preise enorm, ähnlich wie in Deutschland“, ergänzt der Mann aus Hama.