Zweckverband für Kitas Unikathe im Bistum Mainz

„Das große Ganze im Blick“

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Katholischen Kindertagesstätten im Bistum Mainz
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Julia Steinbrecht/KNA

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Katholische Kitas: Im Bistum Mainz befinden sich die meisten in der Trägerschaft von Kirchengemeinden. Das soll sich ändern.

Unruhige Zeiten bei den katholischen Kindertagesstätten im Bistum Mainz: Für einige steht ein Trägerwechsel zum Zweckverband Unikathe an, manche haben ihn bereits hinter sich. Doch nicht alle Kitas werden übernommen. Von Anja Weiffen

Schlagzeilen haben katholische Kitas in den vergangenen Wochen und Monaten gemacht. Meist ging es um einen Trägerwechsel und, damit verbunden, Sorgen um das katholische Profil der Einrichtung. 


Vor einem Jahr wurde vom Bistum der Zweckverband Unikathe gegründet. Seine Aufgabe ist es, die Verwaltung der katholischen Kitas im Bistum neu zu organisieren. Bis dahin befanden sich die meisten der mehr als 200 Kitas in der Trägerschaft von Pfarreien. Das soll sich ändern, wie Generalvikar Udo Markus Bentz in einem Interview in dieser Zeitung im Januar 2021 angekündigt hatte. Die meisten katholischen Kitas sollen sukzessive in den neuen Zweckverband überführt werden. Aber auch Abgaben an andere Träger seien notwendig.
Hintergrund dieser Veränderung ist der Pastorale Weg und die damit verbundene Reduktion der bisherigen 134 pastoralen Einheiten auf künftig 46 Pfarreien. Als Ziel der Maßnahmen bei den Kitas nannte der Generalvikar ganz klar Einsparungen. Zudem sollen Kitas in den Zweckverband überführt werden, um deren Verwaltung besser zu organisieren, um einen besseren Überblick über Finanzen und Gebäudebestand zu bekommen und nicht zuletzt, um Haupt- und Ehrenamtliche in den Pfarreien von den Aufgaben der Trägerschaft zu entlasten.  
Unikathe ist ein katholischer Zweckverband, denn die Mitglieder von Unikathe sind die jeweiligen Kirchengemeinden der Kitas, die übernommen werden. „Zudem sind die pastoralen Teams in den Gemeinden angehalten, den Kontakt zu den Kitas aufrechtzuerhalten“, erläutert Jonas Ansorge, der seit einem Jahr für die Kommunikation bei Unikathe zuständig ist.


Unterschriften und Brandbrief als Protest


Doch nicht alle Kitas werden von Unikathe übernommen. Eine der ersten Kitas, die diese Nachricht erhielt, war im Oktober die Einrichtung St. Gordianus in Bad-Kreuznach-Planig. Hier sammelten die Elternvertreter mehrere hundert Unterschriften, um gegen die Abgabe aus katholischer Trägerschaft zu protestieren. „Unser Hauptziel ist, dass die katholische Kirche die Trägerschaft behält, um ihren Auftrag zu erfüllen, nämlich den der frühchristlichen Erziehung“, so wurde Lars Heckmann vom Elternbeirat des Kindergartens in einem SWR-Beitrag im vergangenen Herbst zitiert. Aktuell stehen in Mainz vier Kindertagesstätten im Fokus, die nicht in den Zweckverband übergehen. Besorgte Gemeindemitglieder in St. Pankratius in Mainz-Hechtsheim meldeten sich in einem Brandbrief zur gleichnamigen Kita zu Wort. Gerichtet sind die Zeilen an Bischof Peter Kohlgraf, Weihbischof und Generalvikar Udo Markus Bentz sowie an die Bevollmächtigte des Generalvikars, Stephanie Rieth. Vor allem die Frage nach den Entscheidungskriterien brennt den Unterzeichnern auf den Nägeln. „Mit großer Bestürzung haben wir davon erfahren, dass sich das Bistum ohne hinreichende Angabe von Gründen dazu entschieden hat, die etablierte Kindertagestätte St. Pankratius nicht in den neuen Zweckverband Unikathe übernehmen zu wollen“, heißt es gleich im ersten Satz.
Jonas Ansorge sagt dazu: „Die Nicht-Übernahme einer Kita ist ein hochemotionales Thema, das ist uns bewusst.“ Aber Unikathe unterliege der Wirtschaftlichkeit auf Zukunft hin. „Wir müssen mit unserem Budget haushalten. Die gesamten Kosten für die Kitas werden durch die Errichtung des Zweckverbands transparenter.“ Auch bei den Gebäuden gebe es unterschiedliche Situationen: Manche Gebäude gehören dem Bistum, manche werden angemietet, wieder andere sind im Eigentum der Kommunen.
Es seien jeweils Einzelentscheidungen aus einem Konglomerat an Gründen, die dazu führten, dass eine Kita nicht von Unikathe übernommen wird, erläutert Ansorge. „Wir können nicht alle Kitas in jetziger pfarrlicher Trägerschaft mit einem Fingerschnipp übernehmen.“ Dieser Prozess werde sich mindestens bis 2026 hinziehen. Auch eine Zahl der Kitas, die nicht aufgenommen werden, könne er nicht nennen. Jede Kita werde individuell geprüft, so der Unikathe-Sprecher. „Wir müssen zudem das große Ganze im Blick haben: Wie stellt sich die Versorgungslage mit katholischen Kitas im Pastoralraum dar? Wie im Sozialraum und in der Region?“


Konkurrenzsituationen vor Ort verhindern


Eine jeweilige Entscheidungsgrundlage werde mit detaillierter Analyse von Unikathe und dem Dezernat Caritas und Soziale Arbeit erarbeitet, betont Ansorge. Die zuständigen Gremien im Bistum müssten ihr aber zustimmen und sind eng in den Prozess mit eingebunden. Kommuniziert würde eine Entscheidung dann innerhalb weniger Tage an Träger, Trägervertreter, Kita-Leitung, Mitarbeitervertretung, Mitarbeitende und Eltern, so der Plan. Zuletzt gehe die Information an die Presse. Partizipativ könne dieser Prozess im Interesse der Beteiligten vor Ort leider nicht sein, da ist der Sprecher klar: „Ungewollte Konkurrenzsituationen vor Ort wollen wir verhindern. Immer sei man aber zum Gespräch bereit, um die Entscheidung vor Ort zu erläutern. Zudem unterstütze man eine Kita bei der Suche nach einem neuen Träger.

Anja Weiffen