TV-Moderatorin Yvonne Willicks zu Gast in Emsbürener Kirche
Der Glaube als großes Geschenk
Foto: Melanie Grande
Fernsehmoderatorin Yvonne Willicks ist im Oktober im emsländischen Emsbüren zu Gast und spricht dort über ihren Glauben.
„Der Haushaltscheck“, „Meisterküche“ und „Servicezeit“: Mit diesen Sendungen im Westdeutschen Rundfunk (WDR) lockt Yvonne Willicks zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Bildschirm. Und auch ihre Bücher über effiziente Haushaltsführung, Küchentipps und Mogelpackungen haben viele Fans. Mit einem Augenzwinkern nennt sich die Verbraucherjournalistin selbst auch schon mal die „gut gelaunte Putz-Uschi“. Aber dass sie zugleich ein Buch über ihren ganz persönlichen Weg mit dem katholischen Glauben geschrieben hat, mag vielleicht nicht so bekannt sein. Weil sie früher nicht so viel darüber gesprochen hat – was die 54-Jährige nun aber gern, in aller Öffentlichkeit und dabei nicht frömmelnd, sondern in aller Weite überzeugend und durchaus inspirierend macht. Am 12. Oktober ist sie mit einer Lesung in Emsbüren im südlichen Emsland zu Gast und will davon berichten, warum sie ihren Glauben als großes Geschenk empfindet.
Ich danke Gott dafür jeden Tag, denn ich darf glauben. Ich bin nicht allein, ich werde getragen und behütet.
Eins stellt sie im Gespräch wie auch im Buch von Beginn an klar. Der Glaube an einen guten Gott, an einen vergebenden Christus, an einen mutmachenden Heiligen Geist gehört(e) schon immer zu ihrem Leben, ist Teil ihrer Persönlichkeit und hat sie seit ihrer Kindheit positiv begleitet. Yvonne Willicks stammt aus Kamp-Lintfort am unteren Niederrhein. Dort wächst sie mit ihrer Schwester auf, legt das Abitur ab und beginnt danach an der Katholischen Fachhochschule in Aachen ein Studium der Sozialpädagogik. Später wechselt sie in ein anderes Arbeitsfeld, wird staatlich geprüfte Hauswirtschaftsmeisterin und in diesem Bereich Dozentin für Erwachsenenbildung. Seit 2005 ist sie im Fernsehen präsent – zunächst bei Privatsendern, ab 2010 beim WDR. In der Woche über arbeitet sie in Köln, am Wochenende fährt sie zu ihrer Familie nach Hamburg.

Ein froh machendes Miteinander in der Gemeinde
Vor allem die Kindheit in einem konfessionsverbindenden Elternhaus und ihre Jugendjahre in der heimatlichen Kirchengemeinde haben die Basis für ihren tief verwurzelten Glauben gelegt. Weil sie dort ein froh machendes, gemeinschaftsstiftendes Miteinander erlebt: als Kommunionkind, Messdienerin, Chorsängerin, Gruppenleiterin, Lektorin, in der Pfarrgemeinde.
Mit viel Wärme und Sympathie erzählt sie von einem Pfarrer und einer Ordensfrau, die sie in jener Zeit begleitet und mit ihrer Ausstrahlung begeistert haben, was sie auch im Rückblick noch immer als „großes Glück“ empfindet. „Da habe ich mich angenommen gefühlt. So habe ich, im Gegensatz zu sicher vielen anderen Menschen, positive Erfahrungen mit Personen aus der Gemeinde gemacht.“ Auch ihren Mann hat sie über die Kirche kennengelernt und später in Kamp-Lintfort geheiratet. Setzt sich dann als Mutter ebenfalls wieder ein, in der Erstkommunionvorbereitung und im Familiengottesdienst.
Ehrenamt ist ein wichtiges Stichwort für Yvonne Willicks und das gilt nicht nur für die Jugend- und Familienzeit in Kamp-Lintfort. Auch danach engagiert sie sich weiterhin auf mehreren Feldern wie im Vorstand des Bildungswerks des Berufsverbandes der Haushaltsführenden (früher Deutscher Hausfrauenbund). Und aktuell noch immer im Kolpingwerk. Ausgehend vom Vorbild ihres Schwiegervaters findet sie die konkrete, die praktische und die weltumspannende Arbeit des Verbandes im Sinne von Adolf Kolping wegweisend. „Er hat damals schon die Zeichen der Zeit erkannt und wollte, dass es den Menschen besser geht.“ Zugleich gehört sie seit 2021 dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken an, ist kürzlich in die zweite Amtsperiode wieder gewählt worden und vor allem für die Themen Bildung und Kommunikation zuständig. Was sie bei diesem Engagement antreibt, ist die Motivation, die Kirche von innen heraus mitgestalten und verändern zu können.
Kirche von heute darf nicht wie von gestern klingen.
Dass das nötig ist, verhehlt sie gar nicht. Willicks sieht so manche Baustelle in der katholischen Kirche: starre Strukturen, Reformstau, Machthierarchien, überkommene Formen. „Kirche von heute darf nicht wie von gestern klingen“, sagt sie und findet, dass „Kirche“ zu wenig von ihren Chancen nutze, die „Menschen von der Sache Jesu zu begeistern“. Über die großen Themen hinaus nennt sie auch ganz konkrete Aspekte aus der Gemeindearbeit: viel zu lange Gottesdienste, schlechte Mikrophonanlagen, unbekannte Lieder, Feiern ohne lebendige Erklärungen und eine Sprache, die oft an der Lebenswirklichkeit vorbeigeht.
Bei aller Kritik – ihr Gottvertrauen hat diese Liste nie erschüttert. Sie ist überzeugt, dass ihr Leben sehr viel ärmer wäre ohne ihren Glauben – fühlt sich getragen von dem Empfinden, dass „ich nie tiefer fallen kann als in Gottes Hand“. Sie spricht von den christlichen Werten, an denen sie sich im privaten wie im beruflichen Umfeld ausrichtet. Von der erlösenden und über den Tod hinausgehenden Hoffnung. Von der Gemeinschaft, die Christen und Glaubende aller Religionen verbindet. Von der Kraft einer brennenden Kerze und einer „durchbeteten Kirche“. „Auch in Momenten, wo vieles andere vielleicht haltlos geworden ist, kann ich daraus viel Stärke ziehen.“ Von daher will sie Mut machen zum Glauben, gerade jetzt und heute. Um sie herum erlebt sie, wie Menschen sich nach einem roten Faden, nach Glück und Orientierung sehnen. „Nur warum wird der Glaube dabei so oft ausgeklammert und nicht einfach mal ausprobiert?“
Yvonne Willicks, bekannt als Haushalts-Expertin im WDR, ist am Sonntag, 12. Oktober, um 17 Uhr zu Gast in der St.-Andreas-Kirche in Emsbüren im südlichen Emsland. Sie wird dort unter anderem über ihr Buch „Glaube ganz einfach“ sprechen. Darin erzählt sie von ihren guten Erfahrungen mit dem Glauben und möchte mit ganz persönlichen Erinnerungen und berührenden Momenten zeigen, wie dieser sich mitten im Alltag offenbart. Der Eintritt zu dem Abend ist frei. Um eine Spende für ein soziales Projekt wird am Ende gebeten.