Björn Hirsch ermutigt Engagierte, neue Projekte zu starten

Der Motivator

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Björn Hirsch
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Foto: Rudolf Karpe

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„Kirche auf die Straße bringen“ – damit das gelingt, hat Björn Hirsch schon einige Initiativen gestartet und Bücher zu dem Thema geschrieben.

Eine Start-Up-Mentalität – die ist dem Theologen Björn Hirsch aus der Region Fulda wichtig. Er möchte Engagierte in der Kirche zu Neugründungen von Projekten oder Initiativen ermutigen. Was ihn antreibt? Er ist davon überzeugt, dass die Menschen den christlichen Glauben heute brauchen.

An Neugründungen scheinen die meisten Katholiken derzeit nicht zu denken. Verkäufe und Entweihungen sind bei Sitzungen in Gemeinden eher Thema. Doch der promovierte Theologe Björn Hirsch wünscht sich genau das – eine Start-Up-Mentalität, eine Lust am Gründen, Mut und Neugier. Und er ist überzeugt, dass Neues gelingt. Der Familienvater aus Osthessen arbeitet in der Fachstelle Innovation im Bistum Fulda. Gegründet hat er schon einiges. Er hat die City-Pastoral in Fulda mit aufgebaut, die Tourismus-Pastoral in der Rhön sowie das „All for One Netzwerk“ geschaffen. Dies ist ein ökumenischer Zusammenschluss von 15 Gemeinden in Fulda. Daraus ist der Verein „Pojema“ entstanden. Christen verschiedener Konfessionen organisieren in ihm verschiedene Events, unter anderem das Pfingstfestival in Hilders.

Von Resignation und schlechter Stimmung angesichts ständiger negativer Zahlen aus der Kirchenstatistik lässt sich Hirsch nicht anstecken. Es ist nicht das Dennoch, das ihn antreibt, sondern das Weil – weil er fest davon überzeugt ist, dass „die Menschen den christlichen Glauben und die christliche Hoffnung weiterhin brauchen“. Sehr viele Menschen seien verunsichert. „Das sieht man auch an politischen Bewegungen. Parteien, die versuchen, Halt zu geben, bekommen Zuwachs. In dieser Zeit sind wir als Kirche besonders gefordert“, sagt er. „Uns kommt eine besondere Verantwortung zu, wenn es darum geht, das Zusammenleben der Menschen in Deutschland zu fördern und ihnen Hoffnung in unsicheren Zeiten zu geben.“ Dafür müsste die Kirche neue Zugangswege zu den Menschen finden und mit innovativen Angeboten begeistern.

„Es war immer mein Ansinnen, Formen von Kirche zu entwickeln, die für die Menschen ansprechend sind. Persönlich beobachte ich die viel beschworene religiöse Indifferenz kaum. Viele sind für geistliche Angebote offen. Der Esoterikmarkt macht hohe Umsätze“, sagt der Theologe. Sein Hauptfokus liegt auf „Erstbegegnungen“. „Ich versuche, Menschen zu erreichen, die wenig Kontakt zur Kirche haben. Die Rückmeldungen, die ich bekomme, sind nie negativ. Es ist immer Interesse da. Und es entwickeln sich mitunter tiefe Gespräche“, sagt er.

"Persönlich beobachte ich religiöse Indifferenz kaum."

Für Ehrenamtliche in den Gemeinden hat er eine ermutigende Botschaft: Auch mit kleinem Budget und wenigen Leuten lässt sich viel erreichen, ist seine Erfahrung. Oft gebe es Förderprogramme oder Menschen wären bereit, für ein konkretes Projekt zu spenden. Und wenn das Projekt anläuft, würden sich oft weitere Ehrenamtliche finden, die mithelfen. Als Beispiel nennt er ein begehbares Labyrinth mit Impulsen, das eine Gemeinde in der Fastenzeit auf einem Kirchplatz aufgebaut hat.

Ein weiteres seiner Projekte: das Churchbike. Hirsch hat es mit dem Zentrum für Angewandte Pastoralforschung in Bochum entwickelt, um Kirche im öffentlichen Raum präsenter zu machen. In Zusammenarbeit mit einem Fahrradhersteller ist das Churchbike marktreif und kann in sechs verschiedenen Varianten bestellt werden. Das Lastenfahrrad mit Kirchenlogo gibt es in verschiedenen Ausstattungen mit Liegestühlen, Kaffeebechern oder Eisbehältern. Eine Mitarbeiterschulung gehört auch dazu. Das ist ein weiteres Anliegen: Kirche soll mobiler werden, mit ihrer Botschaft auf die Straße, mit den Menschen ins Gespräch kommen.

Ein Highlight war für ihn eine Mutter, die nach einem Gespräch ihre Kinder zur Taufe angemeldet hat. „So etwas passiert nicht täglich. Aber es passiert, wenn wir uns mit den Menschen austauschen und Vertrauen aufbauen“, ist er überzeugt. Hirsch erklärt, dass es Initiativen, die Kirche auf die Straße bringen wollen, in einigen Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen schon gibt. Gleichzeitig möchte er mit seinem Churchbike und dem von ihm mitgegründeten RAUS-Netzwerk die Grundhaltung einer Kirche, die hinausgeht, fördern und Gemeinden bei der Umsetzung ihrer Projekte unterstützen.

"Es ist eins der Wunder, dass ich diese Menschen getroffen habe."

Die Zusammenarbeit mit anderen Konfessionen ist für ihn selbstverständlich. Er hat mit unterschiedlichen Gemeinden in Fulda positive Erfahrungen gemacht. „Jesus hat gesagt, sie sollen eins sein, und dieses Gebot, nehme ich sehr ernst. Ich glaube, dass wir als christliche Gemeinschaften wesentlich glaubwürdiger werden, wenn wir zusammenarbeiten. Die Menschen, die kaum Kontakt zu einer Kirche haben, unterscheiden auch erst nicht zwischen katholisch, evangelisch oder freikirchlich“, sagt er.

Hirsch ist klar, dass die Volkskirche nicht wiederkommen werde. Der gesellschaftliche Trend könne nicht umgekehrt werden. Sein Ziel ist ein anderes, als Mitglieder anzuwerben: „Ich möchte den Menschen, die auf der Suche sind, etwas anbieten, etwas, das ich selbst als etwas Gutes erfahren habe. Mission ist für mich das leidenschaftliche Werben für die Schönheit eines Lebenskonzeptes“, erklärt er.

Dass der Glaube ein wunderschönes Lebenskonzept ist, das hat Björn Hirsch als Student erfahren. Nach seiner Firmung hatte er kaum Kontakt zur Kirche. Als er sich fragte, was seinem Leben eine Richtung geben könnte, wollte er das Theologiestudium ausprobieren. An seinem Studienort im Erzbistum Paderborn traf er auf eine Gemeinschaft und einen Priester, die ihn gut aufnahmen und begleiteten. „Das ist eins der Wunder in meinem Leben, dass ich diese Menschen getroffen habe“, sagt er. Seither trägt der Glaube ihn im Leben. „Mit Herausforderungen kann ich anders umgehen. Ich habe eine Perspektive für die Ewigkeit, eine Hoffnung, dass sich Dinge zum Positiven wandeln“, sagt er.

Theresa Breinlich