Was uns diese Woche bewegt

Die gefesselten Gespenster

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Kennen Sie das Buch „Die gefesselten Gespenster“ von Werner Hörnemann? Nein? Dann müssen Sie es unbedingt lesen. Es war das Lieblingsbuch meines Vaters und wurde zum Familienklassiker, der mich, unsere gesamte Familie einschließlich der Enkel bis heute begeistert. Eine lustige und lehrreiche Geschichte um sieben Jungen, zwei Tiere, ein Auto und einen Spuk.

Hörnemann Gespenster
Der Roman ist 1952 erschienen und wurde im Kessel-Verlag neu aufgelegt.

Mein Vater übertrug seine Leidenschaft für das Buch schnell auf uns – auch durch sein wunderbares Talent, es interessant vorzulesen. In den 1980er Jahren kam ihm die Idee, den Roman auf Tonband aufzunehmen – teilweise mit verteilten Rollen, die wir Kinder einsprechen durften. Damit war er wohl, ohne es zu ahnen, der Erfinder des ersten Hörbuches. Die Aufnahme ist mittlerweile digitalisiert. Sogar eine kleine Fortsetzung, auf die wir Kinder drängten, dachte er sich aus.

Vor zwei Jahren starb mein Vater – und hinterließ uns mit dieser Aufnahme ein wunderbares Vermächtnis: seine Stimme. Zwar ist das Hören der „gefesselten Gespenster“ bereits seit vielen Jahren ein festes Ritual in unserem Sommerurlaub. Auf langen Autofahrten entführt uns die Aufnahme nach Südfrankreich zu den sechs Jungen, die einen Spuk fangen wollen und vielfältige Erfahrungen fürs Leben machen. Seit dem Tod meines Vaters ist sie noch mehr: eine lebendige Erinnerung an ihn.

Dass Tote durch Künstliche Intelligenz künstlich am Leben erhalten werden, war damals, als mein Vater die Aufnahme machte, unmöglich. Heute dagegen wächst die Zahl der Menschen, die ihr virtuelles Ich bereits vor ihrem Tod künstlich planen. Tools, die dies möglich machen, sind stark nachgefragt. Psychologen warnen davor, dass Trauernde durch diese sogenannten Trauerbots nicht richtig Abschied nehmen können. Endlichkeit ist hier nicht gefragt. Es ist eine Gradwanderung zwischen Erinnerung, Unsterblichkeit und nicht loslassen können.

Mein Vater plante mit der Aufnahme kein virtuelles Ich. Er wollte uns eine Freude machen, hatte Spaß daran. Als authentische Erinnerung, eingefangen in einer analogen Zeit der Vergangenheit, ist sie für uns sogar viel wertvoller als ein künstlich generierter digitaler Zwilling. Ein ehrliches Dokument seiner Stimme und seiner Begeisterung – und so behalten wir ihn in Erinnerung. 

Lesen Sie das Buch - eine echte Empfehlung!