Bürokratieversteher mit Herz

Ehrenamtliche helfen beim Beantworten von wichtiger Post

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ein Stapel Papiere
Nachweis

Foto: Alexander Grey/Unsplash.com

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So manchem wächst behördlicher Papierkram über den Kopf. Ehrenamtliche helfen in einem Freiwilligenprojekt in Bremen, das Chaos in den Griff zu bekommen. 

Vor fünf Jahren wurde bei der Bremer Caritas das Freiwilligenprojekt Organisationsassistenz ins Leben gerufen. 25 Freiwillige haben seitdem 111 Menschen geholfen, ihre behördlichen Angelegenheiten in den Griff zu bekommen.

„Sie haben viel gerettet“, sagt Gabriele Kleine Kuhlmann, Koordinatorin für das Projekt Organisationsassistenz. „Die eine oder andere begleitete Person hätte sonst eine rechtliche Betreuung benötigt. Ihre Hilfe ist wertvoll – vor allem, weil Sie Zeit mitbringen“, würdigte sie in einer Feierstunde das Engagement der Freiwilligen. 

Ehrenamtlicher Bremen
Bernhard Springfeld ist von Anfang an als Ehrenamtlicher dabei. Gabriele Kleine-Kuhlmann koordiniert das Projekt Organisationsassistenz. Foto: Simone Lause/Caritas Bremen

Das Projekt richtet sich an Menschen, denen es schwerfällt, ihre bürokratischen Angelegenheiten im Blick zu behalten, zeitnah zu erledigen und die Unterlagen so abzulegen, dass sie wiedergefunden werden. Es geht um das Beantworten von wichtiger Post, zum Beispiel von Behörden. Die Freiwilligen übersetzen Amtsdeutsch und unterstützen bei Antwortschreiben. Dabei richtet sich der Einsatz nach dem individuellen Bedarf: Manchmal reicht ein Termin alle zwei Wochen, manchmal ist ein wöchentliches Treffen sinnvoll. 

Ohne Eins-zu-Eins-Kontakt würde vieles nicht funktionieren

„Hinzu kommt der soziale Faktor“, erklärt Gabriele Kleine-Kuhlmann. „Wenn man eine Person erstmal etwas näher kennenlernt, sehen die Organisationsassistentinnen und -assistenten, welche weitere Fragen sich die Klienten stellen – von praktischen Alltagsfragen über Einsamkeit bis zur Altersvorsorge. Viele Themen würden ohne den Eins-zu-Eins-Kontakt sonst gar nicht bemerkt.“ 

Auffällig ist der mittlerweile große Anteil psychisch erkrankter Menschen. „Für sie gibt es keine regulär zuständige Anlaufstelle“, so Kleine-Kuhlmann weiter. „Auch für sie ist die Arbeit der Freiwilligen wertvoll.“ 

Von Anfang an mit dabei ist Bernhard Springfeld. Er hat in den vergangenen fünf Jahren insgesamt sieben Personen betreut und sagt: „Mir macht es Spaß, den Menschen Perspektiven aufzuzeigen und Probleme aus dem Weg zu räumen.“

Simone Lause

Aufgrund des hohen Bedarfs werden für das Projekt weitere Ehrenamtliche für die Stadtteile Huchting, Woltmershausen und Obervieland gesucht. Interessierte können sich melden bei Gabriele Kleine-Kuhlmann, E-Mail: organisationsassistenz@caritas-bremen.de oder Telefon 04 21/8 77 91 88. Für die Tätigkeit ist keine besondere Ausbildung nötig. Gefragt sind Empathie und Zuverlässigkeit sowie die Freude am Kontakt mit anderen Menschen. Gut ist auch, wenn man sich im Umgang mit bürokratischen Angelegenheiten sicher fühlt.