Sonderausstellung zum 100. Geburtstag des Osnabrücker Künstlers Willi Witte

Ein König, der tanzt

Image
Ausstellung Willi Witte
Nachweis

Foto: Astrid Fleute

Caption

Diese dynamischen Dreikönigsfiguren schuf Willi Witte für die evangelisch-lutherische St.-Bonifatius-Kirche Hameln.

Die Werke des Osnabrücker Künstlers Willi Witte zeugen von beeindruckender Materialvielfalt und tiefer Aussagekraft. Das Diözesanmuseum zeigt bis zum 8. November eine Ausstellung mit 80 Exponaten - ein Querschnitt seines Lebenswerkes.

Als Kind wollte er Forscher oder Künstler werden. In gewisser Weise wurde er beides: Willi Witte, Bildhauer, Künstler, Kunsterzieher aus Osnabrück. Seine Neugier, sein detailliertes Interesse, sein Forschungsdrang zeigen sich in seinen zahlreichen Werken, die heute auch weit über Norddeutschland hinaus zu sehen sind. Am 7. November wäre Willi Witte 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass gibt eine Sonderausstellung im Diözesanmuseum Osnabrück einen Einblick in die beeindruckende Bandbreite seines künstlerischen Schaffens. 

Einfach machen, das war sein Motto. Und es gibt kaum ein Material oder eine Handwerkstechnik, die Willi Witte nicht ausprobiert und verarbeitet hat. Damit war er so vielseitig wie nur wenige Künstler. Krippenfiguren und Skulpturen, Reliefs und Porträts, Grab- und Mahnmale, liturgische Gefäße, Kirchenportale und Sandsteinmonumente zeugen von dieser Vielfalt. Sie sind aus Holz, Gips, Bronze, Kupfer, Stein, Zinn, Aluminium, Eisen, Messing, Silber oder Stahl. Er experimentierte mit den verschiedensten Dingen. „Manchmal stank es ganz gewaltig im Atelier“, erinnert sich sein Sohn, Dominikus Witte, und schmunzelt. Er ist ebenfalls Künstler, schaute seinem Vater viel über die Schulter. Als Kurator hat er die Ausstellung geplant und organisiert. 

Willi Witte
Willi Witte beherrschte auch Aluminiumgüsse. An der Tanzschule Hull in Osnabrück gestaltete er die Eingangstür.

Etwa 80 Exponate hat Dominikus Witte hierfür zusammengetragen – aus Privatsammlungen, Kirchengemeinden, dem Diözesanmuseum oder aus dem Familienbesitz. Von kleinen Bierdeckelskizzen bis zur großen Madonnenstatue zeigen sie einen Querschnitt seines Lebenswerkes. Und sie dokumentieren die Entwicklung Willi Wittes vom Lehrling Ludwig Noldes, der später sein Schwiegervater wurde, bis zum selbständigen Künstler mit einem ganz eigenen Stil. Nach seiner Ausbildung zum Bildhauer bei Nolde studierte Witte Metallgestaltung in Köln und wurde in Münster zum Gold- und Silberschmied ausgebildet.

Willi Witte war ein geselliger Mensch. In seinem Atelier in Osnabrück-Haste waren Besucher stets willkommen. Er war im Stadtteil gut vernetzt, gründete als junger Mann einen Künstlerkeller im katholischen Jugendheim, gab später als Kunsterzieher Unterricht an Osnabrücker Schulen. Es war ihm ein Anliegen, jungen Menschen die Freude am kreativen Tun zu vermitteln. 

Wie stark er Kraft aus dem Glauben schöpfte, zeigen seine vielen Werke aus dem religiösen Bereich. Unter anderem galt Weihnachtskrippen sein großes Interesse. In die Figuren setzte Willi Witte viel Lebenserfahrung. In der Ausstellung zu sehen sind drei große Königsfiguren aus Lindenholz, die Witte für eine Hamelner Kirche anfertigte. Vor allem der tanzende König hat es Dominikus Witte und dem Ehrenvorsitzenden des Vereins der Krippenfreunde Osnabrück-Emsland, Gerhard Lohmeier, angetan: „Er bringt dem Jesuskind nicht Gold oder Silber, sondern die Freude, die im Tanz enthalten ist. Das wäre auch für heute ein gutes Prinzip.“ Da Willi Witte leidenschaftlicher Tänzer war, vermutet Lohmeier: „In der Figur hat er sich wohl selbst dargestellt.“

Astrid Fleute

Die Sonderausstellung 100 Jahre Willi Witte ist bis zum 8. November im Osnabrücker Diözesanmuseum zu besichtigen. Weitere Informationen gibt es hier.