Papenburger werben für Stammzellenspende

„Es ist wirklich ganz einfach“

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zwei Männer
Nachweis

Foto: Marien Hospital Papenburg Aschendorf

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 Wilfried Sinnigen (l.) und Florian Gerbsch aus Papenburg wollen durch ihre Registrierung helfen

Alle zwölf Minuten bekommt in Deutschland ein Mensch die Diagnose Blutkrebs. Eine Stammzellenspende könnte Leben retten. Zwei Männer aus dem Emsland haben das gemacht – und werben nun für die Registrierung bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei.

Fröhlich und voller Tatendrang flitzt der kleine Shahil durch das Vereinsheim des SV Bad Bentheim. So viel Energie hatte er nicht immer, 2023 erkrankte er im Alter von vier Jahren an Leukämie. Sein Schicksal bewegt bis heute viele Menschen in der Grafschaft Bentheim, auch der Sportverein macht sich stark für ihn. Die Familie setzt damals alle ihre Hoffnungen auf eine Stammzellenspende  – und tatsächlich findet die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) das „perfect match“ für den Jungen. Heute, fast genau zwei Jahre nach der Transplantation, geht es ihm gut. Weil irgendwo auf der Welt ein Mensch sich mit einem einfachen Wangenabstrich hat registrieren lassen und ihm dann später seine Zellen spendet. „Nur deshalb darf ich noch leben“, sagt er.

ein Junge
Shahil aus Bad Bentheim geht es dank einer Stammzellenspende wieder gut. 

Diese Erfolgsgeschichte der DKMS rührt auch Wilfried Sinnigen (36) und Florian Gerbsch (35) an.  Wie der oder die für Shahil noch unbekannte Spender oder Spenderin haben sich die zwei Papenburger registrieren lassen, haben ihre Stammzellen gespendet – und würden es sofort wieder machen. „Wenn man damit jemandem das Leben retten und eine zweite Chance geben kann – immer“, sagt Gerbsch. „Für uns Gesunde ist das relativ wenig Aufwand und für die erkrankten Empfänger bedeutet es alles.“

Sinnigen und Gerbsch arbeiten beide in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des katholischen Marien Hospitals Papenburg Aschendorf. Gerbsch ist gelernter Erzieher und hat psychiatrische Pflege studiert, sein Kollege ist Gesundheits- und Krankenpfleger und Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen. Die zwei teilen sich nicht nur ein Büro, sondern auch die Erfahrungen mit der DKMS. Und die waren gut. „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein – so einfach ist es tatsächlich“, sagt Sinnigen. Schon vor Jahren haben sich beide registrieren lassen: Gerbsch an der Marienhausschule im emsländischen Meppen, Sinnigen bei einer Aktion in Papenburg. „Ich würde mir wünschen, dass andere auch so handeln, wenn ich oder jemand aus meiner Familie schwer krank ist“, sagt Wilfried Sinnigen.

„Das war top organisiert“

Drei Jahre nach der Registrierung gibt es für ihn Post von der DKMS. Sinnigen kommt als Spender in Frage – wie er später erfährt für ein 13 Monate altes Mädchen in Deutschland. Er freut sich wie über einen „Sechser im Lotto“, dass er nun wirklich helfen kann, ein Leben zu retten. Sofort schickt er die erforderlichen Blutproben für die Feindifferenzierung zurück und dann geht alles ganz fix. Voruntersuchung, Besprechung, Aufklärung – „das war top organisiert“, sagt der Emsländer. Ähnlich äußert sich Florian Gerbsch, der zehn Jahre nach seiner Typisierung als Spender für eine junge Frau in Polen angefragt wird und ebenfalls gleich zusagt. Beide loben ausdrücklich die Begleitung und die Zusammenarbeit mit der DKMS. „Man wird immer wieder gefragt, ob man das wirklich möchte. Da wird kein Druck aufgebaut, man hat bis zum Schluss die freie Wahl“, sagt Gerbsch. Und vom Mailverkehr über Telefonate bis zum kostenlosen Bahnticket und Hotelaufenthalt „war alles super geregelt und von vorne bis hinten durchdacht. Da muss man sich um nichts kümmern, sondern eigentlich nur nach Köln fahren“, sagt Sinnigen.

In welchen Verfahren dort die Stammzellen gewonnen werden, richtet sich nach den jeweiligen Empfängerinnen und Empfängern. Bei Wilfried Sinnigen wurden die Zellen in Vollnarkose aus dem Beckenkamm entnommen, bei Florian Gerbsch in einer Art Dialyse aus seinem Blut gewonnen. Dass sich beide nach dem Eingriff bzw. der Blutwäsche ein paar Tage schonen sollten, verhehlen sie nicht. „Aber für das, was wir erreichen wollten, war alles gut auszuhalten.“ Sinnigen berichtet von leichten Schmerzen an der Hüfte und Abgeschlagenheit, Gerbsch ebenfalls von Müdigkeit und Gliederschmerzen. „Aber man bleibt danach für gut 24 Stunden unter Beobachtung.“

Auch nach der Spende geht diese Betreuung einige Zeit weiter. Sinnigen erhält bald nach der Entnahme die Nachricht, dass seine Stammzellen „funktionieren. Das war schon ein tolles Gefühl.“ Nach weiteren zwei Jahren gestattet die DKMS einen Datenaustausch und die Empfänger-Familie nimmt mit ihm Kontakt auf. In einem Brief der Mutter steht, dass es dem Mädchen gut geht und dass es dank seiner Spende überleben konnte. Sinnigen, selbst zweifacher Vater, bestärkt das auch im Nachhinein noch einmal. Der Kontakt zu seinem genetischen Zwilling bleibt im beiderseitigem Einverständnis bestehen. Es gibt Mails, Postkarten und Fotos – bald wollen sich alle persönlich treffen. „Diese Beziehung zwischen uns wird auf irgendeine Art und Weise immer bestehen.“

Gut aufgefangen von der DKMS

Bei Florian Gerbsch ist es zu seinem größten Bedauern keine Erfolgsgeschichte. Eine Kontaktaufnahme mit Empfängern in Osteuropa ist generell ausgeschlossen und leider hat die junge Frau trotz seiner Stammzellenspende nicht überlebt. Auch in dieser Tragik wird er gut aufgefangen von der DKMS, „man wird damit nicht alleingelassen.“ Natürlich hätte er sich ein anderes Ergebnis gewünscht. Aber er ist froh, dass er es versucht hat. Daher machen beide Papenburger, wo und wie immer sie auf das Thema treffen, viel Werbung für die Registrierung bei der DKMS. „Es ist tatsächlich so einfach, wie der Slogan klingt: Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein.“

Petra Diek-Münchow

-Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 22000 Menschen an den Folgen von Blutkrebs.

-Derzeit sind rund acht Millionen Menschen bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert – in Niedersachsen, Bremen und Hamburg zusammen gut 1,1 Millionen.

-Weltweit hat die DKMS seit 1991 mehr als 130 000 zweite Lebenschancen vermittelt. In Niedersachsen, Bremen und Hamburg haben bislang gut 14 000 Männer und Frauen Stammzellen gespendet.

-Registrieren lassen können sich alle gesunden Menschen zwischen 17 und 55 Jahren.

-Infos zu der Registrierung – Online oder vor Ort bei einer Aktion –  unter: https://www.dkms.de/