Impuls zur Sonntagslesung am 9. August 2026
Gib mir doch ein Zeichen!
Foto: imago images/Westend61
Warten auf ein Zeichen
Elija ist verzweifelt, aber Gott sagt nichts, ausgerechnet jetzt, da er ein Wort von ihm so dringend braucht. Der Prophet hat leidenschaftlich für Gott gekämpft. Er hat alle seine Kräfte eingesetzt, um den Israeliten zu beweisen, dass nur Jahwe ihr Gott ist und dass das Gebet zu ihrer neuen Gottheit Baal ein wirkungsloser Götzendienst ist.
Erfolg hat Elija keinen, denn Ahab, der König des Nordreichs Israel, unterstützt die neue Religion, den Baal-Kult, den seine Frau Isebel aus ihrer phönizischen Heimat mitgebracht hat. Schlimmer noch: Ahab trachtet Elija nach dem Leben. Als Elija davon erfährt, flieht er in die Wüste. Dort, am Gottesberg Horeb, hofft er auf ein machtvolles Zeichen Gottes. So leidenschaftlich, wie er selbst für Jahwe gekämpft hat, soll auch dieser nun zeigen, dass er der Einzige ist und dass er die Israeliten zu sich zurückbringt.
Doch Gott enttäuscht Elija. Er zeigt sich nicht in großer Geste. Zwar kommt ein Sturm auf, Elija sieht Feuer und Erdbeben, wenn er in die Landschaft blickt. Aber Gott ist nicht in den Naturgewalten. Es bleibt still. Machtvolle Zeichen scheinen nicht mehr Gottes Art der Kommunikation zu sein.
Antwort nicht garantiert
Schwester Kristina Wolf kann den Wunsch nach deutlichen Worten nachvollziehen. „Keine Antwort von Gott zu bekommen, ist für viele Menschen sehr schwer“, sagt sie. Die 58-jährige Missionsärztliche Schwester lebt in Frankfurt am Main. Dort hat sie 18 Jahre lang in einem Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität mitgearbeitet und Menschen begleitet, die nach Gott fragen.
Foto: Missionsärztliche Schwestern
Am Beginn ihrer eigenen Gottsuche stand, ähnlich wie bei Elija, die Hoffnung, dass Gott eine klare Vorstellung davon hat, was sie tun soll. „Als ich 18 war, habe ich mir gewünscht, dass Gott mir ziemlich deutlich sagt, was er von mir möchte“, erzählt sie.
Damals, während ihrer Ausbildung zur Krankenschwester, spürte sie, dass sie ihr Leben mit Gott leben wollte. Aber Gott äußerte sich nicht dazu. Zumindest nicht direkt. Sie erzählt, ein Kaplan habe ihr damals die Bibelstelle mit dem Propheten Elija nahegebracht, die sie seitdem nicht mehr vergessen habe.
Elija bekommt schließlich doch eine Antwort, aber auf völlig ungewohnte Weise, in einem kaum hörbaren, unspektakulären, säuselnden Wind. Der Kaplan sagte zu ihr: „Gott kommt nicht daher und spricht in großen Zeichen. Versuche, auf die leise Stimme zu hören.“
Aber wie geht das? Braucht man also Stille? „Das ist eine Möglichkeit“, sagt Schwester Kristina. „Stille heißt noch nicht, dass man Gottes Stimme hört, aber sie ist eine Hilfe.“ Selbst wenn man zehntägige oder dreißigtägige Exerzitien macht, sei das keine Garantie für eine Antwort. „Aber man kann lernen, von sich selbst abzusehen und seine Sinne zu öffnen“, sagt Schwester Kristina.
Gott mache sich eben auch außerhalb der Stille bemerkbar, sagt sie: „Vielleicht, weil mich auf einmal ein Wort eines anderen Menschen trifft. Oder weil ein Bibeltext mich berührt oder ein Moment in der Natur oder in einem Gottesdienst.“ Dann gebe es „eine Resonanz zwischen mir und dem, was mir von außen entgegenkommt“, sagt Schwester Kristina.
In der Zeit der Ausbildung spürte sie, dass die Gemeinschaft, die sie damals kennenlernte, noch „nicht die war, die mich angezogen hat“, erzählt sie. Später studierte sie Theologie, wurde Pastoralreferentin und fand die Gemeinschaft, in der sie heute lebt. „Bei dieser war sofort klar: Da ist ein ganz tiefes, inneres Ja in mir.“
Es waren viele Etappen über viele Jahre. Allmählich verschwand die Vorstellung, dass Gott Menschen einen Plan für das ganze Leben vorgibt, nach dem Motto: Du wirst Ordensfrau, du wirst Automechaniker, und du wirst Professorin, erzählt Schwester Kristina. Sie hat erfahren: Gott gibt einen Hinweis jeweils für den nächsten Schritt.
Welcher das ist, zeigt sich für Schwester Kristina darin, ob sich das, was man wählt, richtig anfühlt, „ob es stimmig ist, ob es auf lange Sicht zu mir und meinem Leben passt, nicht nur in diesem Moment“.
Besonders wichtig ist ihr, ob es „ein Mehr an Leben“ gibt. Sie erinnert an den Satz Jesu: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10) Dieser Satz ist für sie kein Versprechen, dass immer alles gut ist. „Ein Mehr an Leben oder Leben in Fülle bedeutet für mich, bis zu dem Brunnenpunkt des Schönen und des Schrecklichen durchzuschauen, an dem alles aus Gott hervorströmt.“ So hat es der Jesuit Al-fred Delp einmal ausgedrückt.
Auch Elija macht diese Erfahrung. Es ist eben nicht der Erfolg, der ihn zu Gott führt, sondern seine gescheiterte Mission.
Ist das die Art, auf die Gott sich im Leben meldet? Schwester Kristina sagt: „Ich wähle meinen Weg nach bestem Wissen und Gewissen, so, dass er sich richtig anfühlt, dass er stimmt. Und dann gehe ich.“
Zur Person
Kristina Wolf gehört zur Gemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern in Frankfurt am Main. Dort hat sie viele Jahre an einem Zentrum für christliche Meditation gearbeitet und Menschen bei ihrer Gottsuche begleitet.