Die Hamburger Komturei der Grabesritter feiert 50-jähriges Bestehen.
Im Dienst des Grabes Christi
Das Heilige Grab ist ihnen eine Verpflichtung. Ihr Dienst gilt Christen im Lande Jesu – Ritter der Gegenwart, vereint im Orden vom Heiligen Grab zu Jerusalem.

Ritter – es gibt sie noch. Sie tragen ein rotes Kreuz, dienen dem Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, legen in Gottesdiensten ihr Ordensversprechen ab, empfangen durch den Großprior die Ordensinsignien und die Laien-Kandidaten erhalten den Ritterschlag. Bei Prozessionen und in festlichen Gottesdiensten, etwa der Hamburger Ansgarvesper, hüllen sich die Männer in wadenlange, elfenbeinfarbene Mäntel und tragen Barette aus schwarzem Samt. Die Mäntel der Ordensdamen sind schwarz, ebenso wie ihre Schleier. Auf allen Mänteln befindet sich unter der linken Schulter das fünffache rote Jerusalemkreuz. Es stellt die Wunden Christi dar.
Die „Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem“ gehören zu den Ritterorden (Malteser, Johanniter, Deutscher Orden), die noch heute aktiv sind. Die Ritter vom Heiligen Grab allerdings haben noch nie mit dem Schwert gekämpft. „Wir Grabesritter kommen nicht aus der Zeit der Kreuzfahrerbewegung, sondern wurden durch Papst Pius IX. erst im Jahre 1868 gegründet. Wir sind ein Pilgerorden. Und unsere wichtigste Aufgabe ist es, uns um die christlichen Menschen im Heiligen Land, insbesondere das Lateinische Patriarchat von Jerusalem zu kümmern“, sagt Klaus Dörnen. Der Architekt leitet eine von 38 Ordenskomtureien in Deutschland.
Die Komturei St. Ansgar mit Sitz in Hamburg feiert am 30. April ihr 50-jähriges Bestehen nach. 1970 wurde sie gegründet. Eine neue Komturei kann entstehen, wenn an einem Ort zehn Mitglieder zusammenkommen. Das war Ende der 1960er Jahre im Norden der Fall. Dabei verzichtete die Osnabrücker Mutter-Komturei auf ihren Namen St. Ansgar und nennt sich jetzt nach dem Osnabrücker Bischof Wiho.
Die Komturei im Norden gedieh gut. Heute hat sie 24 Mitglieder: 13 Ritter, sechs Geistliche und fünf Damen. Dass Priester und Laien, Männer und Frauen in den Orden aufgenommen werden, hat lange Tradition. Schon im 19. Jahrhundert öffnete sich der Orden für weibliche Mitglieder – schon damals hatten sich vi5ele Frauen vorbildlich für den Orden eingesetzt und repräsentierten alle ritterlichen Tugenden. Die Frauen heißen bei den Grabesrittern aber nicht „Ritterinnen“, sondern Ordensdamen.
Zu ihnen gehört Ulrike Hagenbucher-Bisotti. Wie allen Grabesrittern liegt ihr der Kontakt zum Heiligen Land am Herzen. Viermal war sie in letzter Zeit in Israel und Palästina. „Allein das Hinfahren ist ein wesentlicher Teil der Unterstützung – mit den Menschen sprechen und beten und ihnen zeigen, dass sie gehört werden und nicht allein sind.“ Ulrike Hagenbucher-Bisotti kann von eindrucksvollen Begegnungen erzählen, manchmal nur zufälliger Art, wo Christen erstaunt feststellten: „Wir bekommen nicht nur Geld von weither – die Hilfe ist mit einem Gesicht verbunden.“
Seit dem 19. Jahrhundert sind Frauen dabei
Erwartet wird aber von allen Grabesrittern, dass sie die Projekte im Heiligen Land mit Geld unterstützen. „Beim jährlichen Fastenopfer und Adventsopfer kann jeder so viel spenden, wie er möchte. Aber es soll so viel sein, dass man es spürt“, sagt Klaus Dörnen. 13 Millionen Euro fließen etwa im Jahr 2022 (aus allen Ländern) nach Israel, Palästina und Jordanien. Gefördert werden christliche Schulen, Kindergärten, die Universität von Betlehem, Sozialstationen und Kliniken – die meisten dieser Einrichtungen werden nicht nur von Christen genutzt, sondern stehen auch Juden und Muslimen offen. „Ein wesentlicher Teil fließt in die Gesundheitsversorgung“, so der Leitende Komtur. „Weil die Christen vor Ort oft an der Armutsgrenze leben.“
Soziales Engagement und Förderung des christlichen Glaubens im Heiligen Land ist allerdings nicht alles. Auch die Vertiefung des eigenen Glaubens und der christlichen Lebensführung zuhause verbindet die Ordensleute miteinander. Sie treffen sich regelmäßig zu Komtureitreffen mit Gottesdiensten, Einkehrtagen, Vorträgen und Abendessen. Sich um eine Mitgliedschaft im Orden zu bewerben, ist nicht möglich. Es sind die Damen und Ritter selbst, die geeignete Kandidaten vorschlagen. „Wenn jemand einen anderen gut kennt und ihn sich als Mitglied gut vorstellen kann, dann kann er als Gast bei unseren Komturtreffen teilnehmen“, sagt Ulrike Hagenbucher-Bisotti. „Man sieht dann, ob das passt.“ Die feierliche Aufnahme, Investitur, ist ein großer Augenblick. Die Kandidaten knien vor dem Großprior nieder – in Deutschland ist das Kardinal Reinhard Marx –, der mit dem Investiturschwert die Schultern zum Ritterschlag berührt.
Ulrike Hagenbucher-Bisotti und Klaus Dörnen werden ihren Ordenstrachtmantel das nächste Mal am 30. April in der Hamburger St. Ansgar-Kirche (Kleiner Michel) tragen. Mit zwei Jahren Verschiebung feiert die Komturei St. Ansgar ihr 50-jähriges Bestehen in einer festlichen Messe mit zahlreichen Gästen. Dabei ist der Prior der Komturei St. Ansgar, Domkapitular Berthold Bonekamp. Hauptzelebrant wird Alterzbischof Werner Thissen sein.
Text u. Foto: Andreas Hüser