Junge Leute drehen Altar-Film

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Jugendliche aus mehreren Kirchengemeinden, auch aus der katholischen Pfarrei St. Laurentius in Wismar, möchten sich mit dem Martin-Georg-Altar beschäftigen. Ein Förderkreis hofft so auf Spenden für die weitere Restaurierung des wertvollen Kunstwerkes aus dem 16. Jahrhundert.

Restauratorin Annette Seiffert neben einer Maltafel des Wismarer Martin-Georg-Altars
Restauratorin Annette Seiffert neben einer Maltafel des Wismarer Martin-Georg-Altars.  Foto: Norbert Wiaterek

Der Förderkreis St. Georgen zu Wismar unterstützt die Restaurierung der Kunstschätze in Wismar. Ein Projekt ist der Martin-Georg-Altar, der in der Winterkirche von Heiligen Geist steht.

Der wahrscheinlich in Wismar angefertigte Altaraufsatz zählt aufgrund der filigranen Schnitzarbeiten zu den wertvollsten in Norddeutschland. Er stand einst im südlichen Seitenjoch der Wismarer Georgenkirche. Ein Pastor hatte ihn Anfang 1946 aus dem zerstörten Gotteshaus in die benachbarte Heiligen-Geist-Kirche umsetzen lassen und so vor Kriegsbomben geschützt. 1999 war der Schnitzaltar wegen fortgeschrittener Schäden konserviert und abgebaut worden. Seit Pfingsten 2014 steht der restaurierte Mittelschrein des Aufsatzes wieder im „Raum der Stille“ in Heiligen Geist.

Laut Diplom-Restauratorin Annette Seiffert, die seit Jahren an dem detailreichen Altar arbeitet, handelt es sich hier um ein künstlerisch besonders wertvolles Werk: „Die Schnitzereien sind absolute Spitzenklasse. Und es ist noch viel Originalfarbe aus dem Mittelalter erhalten.“ Die 15 Heiligenfiguren des Anfang des 16. Jahrhunderts entstandenen Altars sind mittlerweile restauriert, aber die Maltafeln auf der Rückseite der Seitenteile befinden sich noch in einem schlechten Zustand. „Hier herrscht dringender Handlungsbedarf, da bereits einige Schäden an den Tafeln irreparabel sind“, sagt Seiffert.

Maltafeln mit Szenen aus dem Leben Mariens

Die Maltafeln zeigen das Leben der Gottesmutter Maria. Einige Bilder sind aber nur noch fragmentarisch erhalten. „Die Schäden an den Tafelbildern sind durch Alterung und eine unsachgemäße Bearbeitung mit Bienenwachs und Öl Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden. Jetzt sollen alle fehlerhaften Ergänzungen entfernt werden. Die fehlerhaften Bildbereiche sollen ergänzt werden“, heißt es in der Projektbeschreibung.

Zur Deckung der fehlenden Sanierungskosten in Höhe von etwa 65 000 Euro geht der 1987 gegründete Förderkreis St. Georgen zu Wismar einen neuen Weg. Bei der Finanzierung dieses Projektes soll ein Crowdfunding erfolgen. Unter anderem wird dabei in unterschiedlichen Medien über die nötigen Arbeiten am Altar berichtet. „Jeder hat die Möglichkeit, sich mit dem Projekt und den handelnden Menschen zu identifizieren und eventuell einen entsprechenden kleinen Obolus zu leisten“, erklärt Karl-Wolfgang Eschenburg vom Förderkreis.

Unter dem Motto „Bilder bewegen mehr als 1 000 Worte“ entstand zudem die Idee, zum Altar und seiner Restaurierung einen kurzen Film mit Wismarer Jugendlichen zu drehen. Gemeinsam mit den Wismarer Kirchengemeinden und dem Filmbüro der Hansestadt soll nun die Umsetzung realisiert werden.

Eingeladen sind bis zu zehn Wismarer Jugendliche der katholischen und evangelischen Kirche, so dass dieser Film auch ein ökumenisches Projekt ist. Die jungen Leute sollten 14 bis 16 Jahre alt sein. „Wir glauben, dass ein solcher Weg in unterschiedlicher Hinsicht interessant sein kann. Die Jugendlichen können sich mit den Inhalten des christlichen Brauchtums und mit Symboliken auseinandersetzen und identifizieren, indem sie sich zeitgemäß mit ihrer medialen Sprache und Sichtweise ausdrücken. Sie erwerben dabei außerdem Kompetenzen beim Umgang mit dem Medium Film. Selbstverständlich sind auch Jugendliche eingeladen, die bisher keine Berührung mit dem Thema Glauben oder Kirche hatten“, so Tom Brüggert vom Förderkreis. Das erste Treffen ist am 31. August um 17.30 Uhr in der Heiligen-Geist-Kirche in Wismar.

Das Filmprojekt mit Workshops, praktischen Übungen und anschließender öffentlicher Präsentation wird unter anderem durch die katholische St. Laurentius-Gemeinde, die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in Wismar sowie die Hansestadt Wismar unterstützt. Um das Filmprojekt und die spätere Restaurierung der Maltafeln zu realisieren, wäre weiteres Geld willkommen. E-Mail: georgenkirche@web.de