Erinnerung an ehemalige Äbtissin des Klosters

Neuer "frauenORT" für Wietmarschen

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drei Menschen mit Schild
Nachweis

Foto: Petra Diek-Münchow

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Ein Schild für die Äbtissin: Maria Veldboer (v.l.), Andreas Eyinck und Luise Revermann haben sich für den „frauenORT“ in Wietmarschen starkgemacht. Am Äbtissinnenhaus wird die Tafel ab dem 17. Mai zu lesen sein. 

Klug, geschickt, mutig und im besten Sinne trotzig: All das war Anna von Vörden, als sie im 16. Jahrhundert das Kloster in Wietmarschen leitete. Davon erzählt nun ein neuer „frauenORT“ – der 51. im Land Niedersachsen und der erste in der Grafschaft Bentheim. Eröffnet wird er am 17. Mai.

Die katholische Frauengemeinschaft (kfd) in der Region Grafschaft Bentheim mit Sprecherin Maria Veldboer hat den neuen „frauenORT“ mit dem Heimatverein Wietmarschen und dessen Vorsitzender Luise Revermann auf den Weg gebracht. „Die Idee dazu hatten wir schon lange“, sagt Veldboer, „auch weil wir mit Anna von Vörden eine ganz starke Frau in unserem Ort hatten.“ Ihrer Ansicht nach sind deren Verdienste um das ehemalige Benediktinerinnenkloster nicht (mehr) genug bekannt. „Ihr haben wir es wohl zu verdanken, dass Wietmarschen seinen katholischen Glauben unter einem protestantischen Landesherrn bewahren konnte.“

Andreas Eiynck, Landeshistoriker und früherer Leiter des Lingener Emslandmuseums, hat auf Bitte der kfd die Geschichte der ehemaligen Äbtissin erforscht. Er vermutet, dass „keiner sich hier in aller Tiefe zuvor mit dieser Frau je beschäftigt hat – weil über Jahrhunderte Geschichte von Männern geschrieben ist.“ Daher fehlt seiner Ansicht nach oft die Würdigung und Wertschätzung für die Leistung von Frauen.

Mit viel diplomatischem Geschick 

Was er über Anna von Vörden in einer „erstaunlich guten Quellenlage“ herausgefunden hat, hat ihn sehr beeindruckt. Geboren 1480 als Tochter einer Adelsfamilie im Münsterland, ist sie um 1500 in das Kloster in Wietmarschen eingetreten, war zuerst Verwalterin und stand ab 1515 mehrere Jahrzehnte lang als Äbtissin dem Konvent vor. Und hat sich dabei immer mal wieder mit dem Landesherrn, dem Grafen von Bentheim, angelegt. „Mit viel diplomatischem Geschick, manchmal mit List und Tücke, und das in einer absoluten Männerwelt damals“, sagt Eiynck mit einem Schmunzeln.

eine Kirche
Die St.-Johannes-Kirche in Wietmarschen - hier startet der neue "Anna-von-Vörden-Weg" für den "frauenORT" - eine Würdigung für die ehemalige Äntissin des Klosters.

 

 

Zum Beispiel als es um den Bau einer Mühle für das Kloster ging oder um einen Grenzstreit. Und vor allem, als der Graf das Kloster in ein von ihm kontrolliertes evangelisches Damenstift umwandeln wollte. „Andere waren vielleicht eingeknickt, sie aber nicht“, sagt Eiynck. Auf viele Forderungen ging Anna von Vörden nicht ein, rief den Bischof von Münster als Schutzherrn an „und so musste der Graf am Ende klein beigeben“. Andreas Eiynck glaubt, dass dieser „frauenOrt“ bestens zu Wietmarschen passt: „weil das immer schon ein Frauenort war und ist, über Jahrhunderte durch so viele starke Frauen im Kloster und als Marienwallfahrtsort.“

Es lohnt sich, zu kämpfen

Maria Veldboer und Luise Revermann finden, dass die Äbtissin mit ihrer klugen Widerständigkeit „ein Vorbild für uns sein kann“. Das bestätigen mehrere junge Frauen aus Wietmarschen, die im Vorfeld zu der Eröffnung des „frauenORTES“ ihre Gedanken zu Anna von Vörden aufgeschrieben haben. Dass es sich lohnt, wie sie zu kämpfen. Dass Standhaftigkeit gefragt ist. Dass nicht die Suche nach Fehlern, sondern die nach Lösungen entscheidend ist. Dass Ideen, die nicht der Norm entsprechen, genau die Innovation sein können, die gerade gebraucht wird.

Für alle, die noch mehr über Anna von Vörden wissen möchten, bietet der neue „frauenORT“ nun reichlich Gelegenheit: mit Informationen auf einem zwei Kilometer langen Fuß- und Radweg (Start an der Kirche), mit ausliegenden Faltblättern, Info-Tafeln, Führungen und geplanten Veranstaltungen. Unterstützung für das Projekt gab es von der politischen und kirchlichen Gemeinde. Auch eine Straße wird nach der Äbtissin benannt.

„frauenORTE“ ist eine Initiative des Landesfrauenrates Niedersachsen. Sie will durch Rundgänge, Ausstellungen und Aktionen das Leben historischer Frauenpersönlichkeiten bekannter machen. Dazu zählen Politikerinnen, Künstlerinnen, Ordensfrauen – viele Frauen, die in ihrem Umfeld Pionierarbeit geleistet haben. Bisher gibt es 51 solcher „frauenORTE“ zwischen Ostfriesland, Lüchow und Göttingen. Internet: https://www.frauenorte-niedersachsen.de/

Petra Diek-Münchow

Der „frauenORT“ in Wietmarschen wird am Sonntag, 17. Mai, um 11 Uhr im Äbtissinnenhaus am Klostergarten 8 eröffnet. Grußworte sprechen dabei unter anderem Charlotte Freund, Leiterin der Abteilung Frauen und Gleichstellung im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, und Ingeborg Cramm, Vorständin im Landesfrauenrat Niedersachsen. Auf einem Spaziergang zur Wietmarscher Mühle wird unterwegs ein Straßenschild für den neuen Anna-von-Vörden-Weg enthüllt.

Zum künftigen Angebot des „frauenORTES“ gehört der „Anna-von-Vörden-Weg“, ein Fuß- und Radweg von der Stiftskirche zur Wietmarscher Mühle. Außerdem können Interessierte einen Gang durch den Stiftsbusch machen oder über den „Glaubensweg“ gehen – ein Pilgerweg mit Skulpturen von Lohne nach Wietmarschen. Gäste könnten zudem die Stifts- und Wallfahrtskirche besichtigen, Anmeldungen für Führungen unter Tel. 05925 – 397. In einem der früheren Stiftsgebäude gibt es ein Café.

Infos: https://www.frauenorte-niedersachsen.de/die-frauen/konfession/anna-von-voerden/