Mitra, Brustkreuz und Stab
Pater Joshy über seine Bischofsinsignien
Foto: Marcel Schawe/Frankfurt M.
Die Mitra
„Die Mitra ist ein Geschenk des Bistums Mainz. Sie ist bestickt mit silbernen und goldenen Linien, die sich kreuzen und auf den ersten Blick willkürlich platziert wirken – fast ein wenig chaotisch. Oft erscheint uns auch unser Leben wie ein einziges Chaos und uns fehlt der Durchblick. Wir stehen an Kreuzungen, an Scheidewegen, voller Fragen und Zweifel – welchen Weg soll ich einschlagen, wohin führt er mich? Hier lohnt es sich nun, genauer hinzusehen, denn bei näherer Betrachtung stellt man fest, dass die Mitra nicht von zufällig kreuz und quer verlaufenden Linien überzogen ist, sondern von Kreisen. Kreise haben keinen Anfang und kein Ende, sie stehen für Unendlichkeit. Unendlich ist auch Gott – ,er, der nie begonnen, er, der immer war, ewig ist und waltet, sein wird immerdar‘ heißt es im Sanctus von Franz Schubert. Und so zeigen die Kreise auf der Mitra: Wir dürfen als Christen darauf vertrauen, dass Gott mit seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen auch dann, wenn alles chaotisch und unübersichtlich scheint, an den großen und kleinen Scheidewegen unseres Lebens, wenn wir zweifeln und hadern, da ist und uns führt. In dieser Gewissheit können wir uns einlassen auf seine Wege und uns im Vertrauen führen lassen – per fidem ductus.“
Das Brustkreuz
„Das Brustkreuz ist ein in Silber gefasstes Holzkreuz, in dessen Mitte sich ein kleines Kreuz aus Gelbgold befindet. Es ist ein Geschenk der deutschen Provinz der Karmeliten, der Mutterprovinz der indischen Karmelitenprovinz St. Thomas, und wurde vom Bamberger Gold- und Silberschmied Andreas Schwarzl angefertigt. Mit der Verwendung von Holz konnte mein Wunsch nach einem schlichten und einfach gehaltenen Kreuz umgesetzt werden, das in Einklang steht mit meinem Selbstverständnis als Karmelit, andererseits aber auch den Erwartungen an die Insignien im Hinblick auf die Würde des Bischofsamts gerecht wird. Außerdem handelt es sich bei Holz um ein lebendiges Material, das für Leben und Wachstum steht. Meine Verwurzelung im Karmeliterorden kommt zum einen durch die Wahl eines dunklen Holzes zum Ausdruck, dessen Farbe mit dem Habit harmoniert, zum anderen auch durch das Karmeliterwappen, das in Gold auf der Rückseite des Kreuzes eingearbeitet ist. In Kombination mit dem Habit wird das Kreuz an einem Lederband getragen, mit der Bischofssoutane an einer Silberkette.“
Der Ring
„Das Design des bewusst schmal gehaltenen Rings ist auf das Brustkreuz abgestimmt und wurde ebenfalls von Andreas Schwarzl gefertigt. Der Ring ist ein Geschenk meiner Familie.“
Der Stab
„Der Bischofsstab wurde von Schreinermeister Ludwig Döbler aus meiner früheren Pfarrei Neckartal aus afrikanischer Wenge angefertigt. Wie beim Brustkreuz war mir wichtig, dass Material und Stil des Stabes schlicht sind. In die Krümme ist ein Delfin eingearbeitet, was zunächst vielleicht ungewöhnlich erscheinen mag. Ich mochte – diese persönliche Anmerkung sei mir erlaubt – Delfine schon als Kind, und das Unterrichtsbuch, das in meinem ersten Deutschkurs in Indien – dem ersten Schritt auf dem Weg, der mich nach Deutschland geführt hat – verwendet wurde, trug den Titel ,Delfin‘. Vor allem aber ist der Delfin ein frühchristliches Symbol, das für Christus, den Retter, steht, der die Menschen aus der Gefahr des Todes befreit und sicher an das jenseitige Ufer geleitet. Er gilt somit als Zeichen der Auferstehung und Hoffnung. Auf den dreieinigen Gott, auf sein Geleit und seine Führung darf ich mich verlassen. Darauf verweist mein Wahlspruch, und dieser Gedanke kommt durch den Delfin auch in meinem Bischofsstab zum Ausdruck. Am Übergang von Krümme zu Stab ist ein Würfel aus hellem Holz mit drei Sternen darauf angebracht. Die Sterne sind ein Verweis auf das Wappen des Karmeliterordens, dem ich angehöre und in dem ich spirituell verwurzelt bin.“