Barbara Colacchia bringt Menschen zu Sehnsuchtsorten

Pilgerexpertin für virtuelle Reisen

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Barbara Colacchia
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Foto: Christa Kaddar

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Medjugorje, Lourdes und Fátima – Barbara Colacchia kennt sich in vielen Wallfahrtsorten aus. Es fasziniert sie, wie Pilgerreisen das Leben verändern können.

Barbara Colacchia organisiert in Wiesbaden virtuelle Pilgerreisen – rein ehrenamtlich. Mit Filmen und Weihwasser bringt sie Menschen, die nicht mehr reisen können, zu ihren Sehnsuchtsorten. Diese erfahren dabei Nähe und Trost.

„Pilgern ist eine Auszeit vom Alltag, eine innere und eine äußere Reise“, sagt die ehrenamtliche Pilgerbegleiterin Barbara Colacchia. Sie engagiert sich ehrenamtlich in der Pfarrei St. Bonifatius in Wiesbaden und hatte 2022 die Idee, auch virtuelle Pilgerwege zu entwickeln. Ihre erste Reise ging nach Kevelaer am Niederrhein. Damals konzipierte sie in den Räumen des Altenzentrums Antoniusheim in Wiesbaden mehrere Stationen auf dem Pilgerweg. Bewohner und Bewohnerinnen konnten ihn in einer Stunde auch mit Rollstühlen, Rollatoren und Stöcken gehen.

Mit Filmen und Weihwasser bringt sie Menschen, die nicht mehr reisen können, zu ihren Sehnsuchtsorten. Foto: Christa Kaddar

Neben Barbara Colacchia begleiten die Pilgerinnen und Pilger bei den Rundgängen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialdienstes des Antoniusheims sowie Referenten der Pfarrei. Gemeinsam sprechen sie Gebete und singen Lieder. Die Räume sind entsprechend den Stationen auf dem Pilgerweg ausgestattet. „Ich habe kurze Filme gedreht und Fotos gemacht, um den Menschen den Pilgerweg nahezubringen“, sagt Colacchia. Dazu werden Kerzen entzündet und Blumen verteilt. Außerdem bringt sie von den Pilgerorten stets ortstypische Geschenke für die Teilnehmenden mit, Gebetskarten aus Kevelaer und mit Weihwasser gefüllte Statuetten der Madonna aus Lourdes. Der Pfarrer der Pfarrei erteilt am Ende den Pilgersegen.

Pilgerreisen oder -wanderungen bringen oft eine Veränderung mit sich, weiß die Ärztin. „Wenn man, zum Beispiel, tagelang unterwegs ist, merkt man plötzlich, wie wenig man eigentlich braucht. Dinge, die vorher wichtig erschienen, verlieren an Bedeutung, während einfache Begegnungen, Natur und Gespräche wertvoller werden“, sagt sie. Als Beispiel nennt Colacchia eine längere Wanderung in einer schwierigen Lebensphase. Anfangs kreisten ihre Gedanken ständig um Probleme und Entscheidungen. „Während des Gehens wurde vieles stiller. Die Einfachheit des Tages – gehen, atmen, schweigen, begegnen – hat mir gezeigt, wie heilsam Entschleunigung sein kann. Durch die täglichen Etappen, die körperliche Anstrengung und die vielen Stunden in der Natur entstand Klarheit“, sagt Colacchia. Am Ende habe sich nicht unbedingt die äußere Situation verändert – aber ihre Haltung dazu.

"Pilgern ist eine Auszeit vom Alltag, eine innere und eine äußere Reise"

Diese gute Erfahrung wünschte sie sich auch für Menschen, die nicht mehr reisen können. Oft äußerten viele ältere und bettlägerige Menschen den Wunsch, irgendwohin zu gehen und zu beten, vielleicht sogar in Begleitung, erklärt Colacchia. Am häufigsten würden Marienorte genannt. „Maria, als Mutter, ist eine Figur – auch eine symbolische – die vielen Menschen in jeder Lebensphase hilft. Daher hatte ich die Idee, Pilgerreisen nach Kevelaer, Lourdes oder Fátima für diejenigen anzubieten, die nicht persönlich dorthin reisen können“, sagt sie.

Die Ärztin hat die Erfahrung gemacht, dass auch diese virtuellen Pilgerreisen viel Positives bewirken können. Teilnehmende erzählen ihr, dass sie sich durch die virtuellen Pilgerwege wieder mit anderen verbunden und sich nicht mehr allein fühlen. Manche berichten von Erinnerungen an frühere Reisen oder Wallfahrten, die durch Bilder, Musik, Gebete oder Gespräche wieder lebendig werden. „Besonders berührend ist es, wenn Menschen anfangen, persönliche Geschichten zu teilen oder offen über Sorgen, Krankheit und Hoffnung zu sprechen. Oft entsteht trotz der virtuellen Form eine große Nähe und Trost in der Gruppe. Einige sagen am Ende, dass sie innerlich Ruhe gespürt haben oder sich nach langer Zeit wieder getragen fühlten“, sagt sie. Am 22. August wird Barbara Colacchia die Menschen aus dem Antoniusheim in Wiesbaden und aus der Umgebung virtuell nach Fátima einladen.

Mit dem Pilgern ist Colacchia von klein auf vertraut. „Schon als Kind bin ich mit meinen Eltern und der Familie jedes Jahr gepilgert“, erzählt sie. „Ich bin in Rom, der heiligen Stadt mit großer Pilgertradition, geboren und aufgewachsen und war außerdem jedes Jahr auch mit der Schule und der Pfarrei in Assisi und anderen Franziskaner-Pilgerorten.“ 2011 kam sie nach Deutschland und arbeitete zunächst als Ärztin in Nordrhein-Westfalen, bevor sie 2019 nach Wiesbaden wechselte. Seit Ende 2024 wohnt sie in Bad Ems. Sie fühlt sich aber immer noch der Pfarrei St. Bonifatius zugehörig und kommt so oft es geht nach Wiesbaden.

Ehrenamtliche Pilgerbegleiterin war sie schon in Italien. Als 18-jährige Studentin führte Colacchia Pilgerinnen und Pilger durch Rom, später nach Medjugorje, Lourdes und Fátima. Auch Pilgerreisen nach Santiago de Compostela und Jerusalem hat sie unternommen. „Als ich nach Nordrhein-Westfalen kam, war ich mehrmals im Jahr in Kevelaer.“ Zudem reiste sie noch öfter nach Rom, um dort Pilgergruppen zu begleiten. „Ich hatte in Italien schon früher Ausbildungskurse als Pilgerbegleiterin gemacht und habe zusätzlich die Qualifizierung zur Pilgerbegleitung im Bistum Limburg 2022/23 absolviert“, berichtet sie.

Sie selbst trägt eine Sehnsucht nach einem Ort in sich, den sie bisher noch nicht besucht hat: Częstochowa in Polen. „Schon als Kind habe ich immer gehört: ‚Wir müssen nach Częstochowa gehen!‘ Dort gibt es die wundersame Ikone der Schwarzen Madonna.“ Auch Papst Johannes Paul II., dem sie sich besonders verbunden fühlt, pilgerte immer wieder nach Częstochowa bevor er Papst wurde. Die Czarna Madonna ist eine byzantinische Ikone, die von Millionen Pilgerinnen und Pilgern aus aller Welt verehrt wird. Auch diese Reise, die sie gerne in Zukunft unternehmen möchte, könnte ihr Leben prägen. Die ehrenamtliche Pilgerführerin ist überzeugt: „Genau das macht Pilgern für viele Menschen so besonders: Man kommt oft als derselbe Mensch zurück und fühlt sich dennoch verändert.“

Christa Kaddar

Zur Sache

Der Pilgerführer „Pilgern + Wallfahren 2026“ vom Bistum Limburg kann unter Pilgerstelle@bistumlimburg.de bestellt werden. Unter pilgern.bistumlimburg.de gibt es eine digitale Übersicht. Die ökumenische Qualifizierung zur Pilgerbegleitung beginnt erneut im Herbst.