Anstoß 20/20
Schurlaub
Den Begriff haben meine kleinen Töchter erfunden. Es ist das, was sich seit ein paar Wochen Tag für Tag bei uns abspielt. Früh Schule am Küchentisch, nachmittags raus an die Luft mit Rollen unter den Füßen und Trampolinausflüge in die Luft.
Die Eltern versuchen sich dabei aufs Homeoffice zu konzentrieren, Telefone klingeln um die Wette und auch das Internet im Dorf ist auf Entschleunigungstrip.
Gott sei Dank gehts uns gut, keiner ist krank, das Gehalt kommt, die selbstgenähten bunten Gesichtsmasken, die uns geschenkt wurden, sehen schick aus. Kein Vergleich zur Situation in anderen Ländern, keine überfüllten Krankenstationen, Massenbeerdigungen und dramatische Entscheidungen, wer das Atemgerät bekommt.
Mit dieser konzentrierten gesellschaftlichen Meisterleistung der letzten Wochen können einige nicht leben. Sie wittern Verschwörungen, ziehen wütend vor Rathäuser, wissen alles besser als die anerkannten Virologen zusammen. Dass dazu auch Kardinäle gehören, ist mir vor nichtkatholischen Freunden schlicht peinlich.
Mich ärgert dabei nicht die freie Meinungsäußerung, das hält eine offene Gesellschaft aus. Mich ärgert die angriffslustige Lügenlust und besserwisserische Heuchelei, die das Klima vergiftet und wie das Corona-Virus um sich greift: rücksichtslos, rechthaberisch und destruktiv.
Keiner von denen hat im Krankenhaus mit Corona-Patienten gearbeitet, hat Menschen beim Sterben zusehen müssen. Da lässt es sich leicht davon reden, dass eine Grippe schlimmer sei und diffuse Mächte nach der Weltmacht greifen.