Diözesantag der Jungpfadfinder in Erfurt

Für alle Kinder offen

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Pfadfinder spielen Papier, Stein, Schere.
Nachweis

Fotos: Eckhard Pohl

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Viel Spaß hatten die Wölflinge und Jungpfadfinder der St. Georgs-Pfadfinder in Thüringen zu Beginn ihres Diözesantages in Erfurt beim Schnick-Schnack-Schnuck-Spiel.

Wölflinge und Jungpfadfinder trafen sich zu einem Diözesantag in Erfurt. Um vielen jungen Leuten gute Angebote machen zu können, werden mehr ehrenamtliche Leiter gebraucht, sagen die Diözesanvorsitzenden.

„Es ist schön, dass wir hier sind. Ich habe durch die Pfadfinder viele Freunde gefunden. Wir sind viel in der Natur. Das gefällt mir“, sagt Eva (11) aus Heiligenstadt. Ihre Freundin Martha (10), ebenfalls Heiligenstadt, fügt hinzu: „Wir treffen uns regelmäßig und sind eine schöne Gemeinschaft.“ Ähnliche Erfahrungen wie diese Jungpfadfinderinnen haben wohl viele der Mädchen und Jungen, die an diesem 16. September auf der Fuchsfarm am Steigerwald in Erfurt einen frohen Tag erleben. 84 Mädchen und Jungen und 19 erwachsene Leiter haben sich zum Diözesantag für Wölflinge und Jungpfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) im Bistum versammelt. Die Wölflinge (6 bis 10 Jahre alt) und die Jungpfadfinder (9 bis 13 Jahre) kommen aus allen sechs Stämmen (wie die Gruppen vor Ort genannt werden) im Bistum: aus Erfurt, Jena, Heiligenstadt, Niederorschel, Uder und Weimar.

Thema Strom: Pfadfinden elektrisiert

Der Diözesantag steht unter dem Motto „Hochspannend – Pfadfinden elektrisiert“. „Stellt euch euer letztes Lagerfeuer vor. Träumt, wie die Funken fliegen. ... Denkt auch an Wasser. Es kann so kühlend und angenehm sein. Ein Fluss kann Turbinen antreiben, die Strom erzeugen ... Denkt auch an die Sonne. Auch mit ihrer Energie läss sich Strom erzeugen ...  Für all das können wir dankbar sein, es sind Geschenke für uns Menschen. Und mit all dem müssen wir deshalb verantwortlich umgehen.“ So leitet Ivonne Richter (45), ehrenamtliche Leiterin aus Niederorschel, den Tag mit einer kleinen Fantasiereise und Impulsen ein.
Vom Ehrenamt lebe bei den Pfadfindern alles, betonen die beiden Diözesanvorsitzenden Dorothea Schümann (28) und Franz Klingebiel (38). „Interessierte Kinder haben wir genug“, sagt Schümann. Ganz im Gegenteil, es gebe sogar einen gewissen Trend bei den Eltern, ihre Kinder in derartige Angebote zu schicken. Da spiele etwa der Gedanke von Integration eine Rolle. Der neu entstandene Pfadfinderstamm in Jena, so Schümann, habe sich in kürzester Zeit zur größten Ortsgruppe im Bistum mit aktuell 80 Mitgliedern entwickelt. Außerdem würden die Kinder andere Kinder mitbringen. 

Dorothea Schümann und Franz Klingebiel
Dorothea Schümann und Franz Klingebiel sind die Vorsitzenden im Diözesanverband der St.-Georgs-Pfadfinder.


Zugleich sei es in Thüringen aber nicht so einfach, ehrenamtliche Leiter für die Stämme zu finden, um den Kindern regelmäßige Angebote wie Gruppenstunden, Fahrten und Lager machen zu können. „Im Idealfall gehen Leitende aus den Stämmen hervor“, sagt Schümann. Doch im entsprechenden Alter stünden natürlich erst einmal Ausbildung oder Studium im Vordergrund. Die Stämme in Erfurt und Jena würden etwas von Studenten aus Westdeutschland profitieren, die selbst Pfadfinder waren und sich am Studienort einbringen. „Kontinuität bringen aber Ehrenamtliche, die vor Ort zum Beispiel selbst Familie haben“, ergänzt Klingebiel, der selbst über die eigenen Kinder zu den Pfadfindern kam. „Wir hoffen, im Rahmen unseres Wachstumskonzeptes gemeinsam mit Pfadfinder-Partnerverbänden im nächsten Jahr Hauptamtliche einstellen zu können“, so Klingebiel. Mit deren Hilfe wolle man neue Stämme gründen und nachhaltige Leiterrunden aufbauen.
Inzwischen sind die Wölflinge und Jungpfadfinder auf der Fuchsfarm an sieben verschiedenen Ständen zu Workshops unterwegs. Überall geht es um das Thema Elektrizität. An einem Stand können die Kinder kleine Experimente machen, zum Beispiel probieren, wie durch elek-
trostatische  Aufladung eine Plastikplatte federleichte Flocken aus Schaumstoff anzieht. An einer anderen Station basteln Mädchen und Jungen Solargläser: Ein darauf angebrachtes kleines Solar-Panel liefert den Strom für eine Lampe im Glas. Wieder an einem anderen Stand können mit Hilfe von Solar-Panels in der Größe einer Streichholzschachtel kleine Motoren mit Propeller angetrieben werden.
Unter den Pfadfindern sind etliche Kinder, die nicht getauft sind. „Wir sind bewusst für alle Kinder und Jugendlichen offen“, sagt Schümann. Von den 40 Mitgliedern im Stamm in Erfurt seien die Hälfte keine Christen. Unter den Leitern sei die Situation ähnlich. Sie selbst, sagt Schümann, sei in Erfurt unter zehn ehrenamtlichen Leitern, unter denen noch zwei, drei evangelische Christen waren, die einzige Katholikin gewesen.

Begeisterung für den Glauben weitergeben

„Dennoch leben wir bei den Pfadfindern Christsein“, betont die Diözesan-Vorsitzende. „Wir halten Gemeinschaft, wir sind füreinander da und helfen uns gegenseitig. Ich denke, dass das urchristlich ist.“ Klingebiel sieht es ähnlich: „Ehrenamtliche sind Kirche und leben mit den Kindern Kirche. Ich versuche, den Mädchen und Jungen bei unseren Treffen meine eigene Begeisterung am Glauben weiterzugeben. Schließlich habe ich selbst bei meinem Pfadfinderversprechen das Wort gewählt: ,Gebt jedem Antwort, der euch nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt‘.“ Gerade das Versprechen der einzelnen Kinder und Jugendlichen in den verschiedenen Altersstufen sei ein prägender Aspekt für das christliche Profil in der DPSG, so Klingebiel.
Auch im Großen gestalten die DPSG-Pfadfinder Kirche mit. Im aktuellen Ringen des DPSG-Bundesverbandes mit der Bischofskonferenz über die Interventionsordnung zum Umgang mit sexuellem Missbrauch übersetze man diese Regelungen in die aktuelle Situation. Klingebiel: „Hier hakt es an der ein oder anderen Stelle hinsichtlich der Umsetzbarkeit in ehrenamtlichen Verbänden. Es geht um das gemeinsame Ziel, Betroffene sexuellen Missbrauchs zu schützen und Vorkehrungen zu treffen, dass sie gar nicht erst zu Betroffenen werden.“
 

Pfadfinder mit Solarpanelen
Mit Mini-Solar-Panels lässt sich genug Strom gewinnen, um einen kleinen Motor mit einer bunten Scheibe anzutreiben.

Für die Mitgliedschaft und einen solchen Diözesantag wie auf der Fuchsfarm zahlen die Elterrn kleine Beiträge, sagt Schümann. Vom Landesjugendring erhalte man für die Arbeit Zuschüsse und komme so finanziell über die Runden. „Sollte jedoch demnächst, wie diskutiert, der Kinder- und Jugendförderplan auf Bundesebene gekürzt werden, bekommen wir ein großes Problem.“
Später, am Nachmittag, erkunden die Wölflinge das gartenartige Gelände der Fuchsfarm und machen Spiele. Die Jungpfadfinder sind zu einer Wanderung mit Stationen im Steigerwald unterwegs. Am Ende steht dann eine gemeinsame Abschlussrunde auch mit Gebet und Segen.
Eva und Martha und die anderen Kinder haben als Pfadfinder wieder eine frohen Tag erlebt.

Mehr Infos: www.dpsg-thueringen.de

Eckhard Pohl