Konzerte 2026 der Dresdner Kapellknaben

Kirchenmusik berührt

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Chorleiter Christian J. Bonath und die Dresdner Kapellknaben
Nachweis

Foto: Dresdner Kapellknaben/Andreas Gäbler



Die Dresdner Kapellknaben singen auf hohem Niveau geistliche Musik und ziehen so auch Menschen an, die sonst nicht in die Kirche gehen. Die Höhepunkte in diesem Jahr.

Der erste große Konzerttermin in diesem Jahr liegt bereits hinter ihnen: das Gedenkkonzert an die Zerstörung Dresdens im Februar. Gabriel Faurés Requiem sangen die Dresdner Kapellknaben auch deshalb, weil Domkapellmeister Christian J. Bonath es wichtig findet, dass Katholiken sich eindeutig zum Gedenken an die Luftangriffe vor 81 Jahren positionieren. „Die Dresdner Kapellknaben waren direkt von den Folgen betroffen.“ Bonath erinnert daran, dass das Kapellknabeninstitut in der Schloßstraße komplett vernichtet und nicht wieder an der alten Stelle aufgebaut wurde – vor 70 Jahren zogen sie in die Wittenberger Straße. Auch die Hofkirche in unmittelbarer Nähe, die heutige Kathedrale, war stark zerstört. „Die erste Fassung Faurés ist ein Knabenchorstück und ein versöhnliches Reqiuem. Ich finde mich da als Christ wieder, weil es mir zeigt, es geht weiter.“ Es sei ein Ausblick auf das ewige Leben, so Bonath. 2025 – zum 80. Gedenken an die Luftangriffe auf Dresden – hatte der Chorleiter eine Erinnerung der Kapellknaben mit eigenem Konzert eingeführt.

Das ist nicht die einzige Neuerung, die Christian J. Bonath seit seinem Amtsantritt in Dresden 2022 eingeführt hat. Der Chor gibt mehr Konzerte – neben seiner Hauptaufgabe, der Musik im Gottesdienst. Viel Geduld wird in die solistische Ausbildung der über 70 Jungen- und Männerstimmen investiert, was der Qualität des Chores zugute kommt. Und das, obwohl dieser nur noch drei Mal in der Woche im Kapellknabeninstitut probt. Begleitet werden die jungen Stimmen bei vielen Konzerten von der Sächsischen Staatskapelle – das sei ein „Geschenk“, so Bonath. Einige Solisten der Kapellknaben sind inzwischen auf sächsischen Bühnen zu hören, etwa in „Die Zauberflöte“.

Mit der hohen Qualität hat sich der Chor ein neues Publikum erschlossen. „Kirchenmusik ist ein niedrigschwelliges Angebot, von dem sich viele berühren lassen“, sagt der Chorleiter. In einer Stadt wie Dresden, in der kaum noch jemand Bezug zur katholischen Liturgie hat, sei es ermutigend, bei Konzerten ein volles Gotteshaus zu erleben. Das gilt auch für die Gottesdienste, bei denen der Nachwuchschor oder der Kinderchor singen. Erst Anfang Februar wurden zwölf neue Sänger in den Chor aufgenommen – ein gutes Ergebnis der intensiven Nachwuchsarbeit. Dass im Kinderchor inzwischen 47 Mädchen in der Dresdner Kathedrale zu hören sind, ist ebenso ein Verdienst von Bonath. „Auch der Kinderchor ist Chefsache“, betont er. „Wir haben dadurch noch mehr junge und lebendige Gottesdienste.“

Die Ur-Urenkel von Carl Maria von Weber

Der Domkapellmeister ist ambitioniert – das verraten weitere musikalische Höhepunkte in diesem Jahr. Er lässt die Kapellknaben am 21. März das „Stabat mater“ von Giovanni Battista Pergolesi singen, bei dem die Solistenstimmen der Kapellknaben im Mittelpunkt stehen. Am Karfreitag erklingt die Johannespassion von Heinrich Schütz. Nach dem „Elias“, der im vergangenen Jahr für Begeisterung bei Sängern und Publikum gesorgt hat, steht am 7. November der „Paulus“ von Felix Mendelssohn Bartholdy auf dem Programm. Außerdem erinnert der Chor an Carl Maria von Weber, dessen Tod sich in diesem Jahr zum 200. Mal jährt und der als Hofkapellmeister auch verantwortlich für die Kirchenmusik an der Hofkirche war. Seine zwei Messen, die die Kapellknaben am Ostersonntag und am 1. Weihnachtsfeiertag aufführen, schrieb er für die Hofkirche und die Kapellknaben. Sie wurden hier uraufgeführt. „Mit großer Demut vor dem Meister kann ich sagen, dass die Kapellknaben heute die Ur-Urenkel von Weber sind“, sagt Bonath.

An ihre Geschichte erinnern die Kapellknaben auch beim 275. Jubiläum der Hofkirche am 28. Juni, bei dem sie vom einstigen Hofkapellmeister Johann Adolph Hasse das Te Deum singen. „Auch Hasse hat für die Hofkirche komponiert, deshalb funktioniert die Musik so gut in diesem Raum“, erläutert Bonath.

Ganz besonders ist ein Doppelkonzert am 13. Juni in Dresden und am 14. Juni in der Sankt Hedwigs-Kathedrale in Berlin: „So hat man die Johannespassion noch nie gehört“, kündigt Bonath an. Der biblischen Geschichte in Bachs Vertonung werden szenische Lesungen über die Märtyrer Alfred Delp und Helmuth James Graf von Moltke gegenübergestellt. Damit wolle er zeigen, dass Katholiken im Dritten Reich Widerstand geleistet haben. Bonath betont: „Wir haben neben dem kulturellen auch einen pädagogischen Auftrag.“

Ruth Weinhold-Heße

Am 18. April findet der Nachwuchstag der Dresdner Kapellknaben statt. Weitere Infos und Konzerttermine: www.kapellknaben.de