Eastplaining – Der Ostblog
Den „Osten“ erklären
Foto: Privat
Weronika Vogel (links) und Hanna Müller bei der Preisverleihung des Karl-Wilhelm-Fricke-Preises.
Als Weronika Vogel geboren wurde, war die Wiedervereinigung elf Jahre her. Trotzdem sagt die 24-jährige Görlitzerin, dass sie sich als ostdeutsch identifiziere: „Dass unsere Eltern in der DDR aufgewachsen sind, prägt bis heute.“ Diktaturen hätten einen stärkeren Einfluss auf Menschen als Demokratien. Ostdeutsche seien deshalb bis heute mehr von der Vergangenheit ihrer Heimat geprägt als Westdeutsche. „Das betrifft zum Beispiel das Misstrauen gegenüber Medien. Ich bin aber auch mit einer viel größeren Dankbarkeit für Reisefreiheit und freie Wahlen aufgewachsen“, sagt Weronika Vogel, die sich darüber hinaus auch als Mensch, Weltbürgerin, Europäerin – ihre Mutter kommt aus Polen, ihr Vater aus Mecklenburg –, musikalische Person und Katholikin verstehe. Angesprochen auf Rechtsextremisten, die ostdeutsche Parolen für ihre Ideologie verwenden, fährt sie kurz auf und betont: „Jede Identität kann missbraucht werden. Ich verstehe nicht, warum Medien ‚ostdeutsch‘ immer zuerst mit etwas Negativem verbinden.“
Aufgewachsen ist Weronika Vogel in Görlitz in einer katholischen Familie. Später studierte sie katholische Theologie, Mathematik und Wirtschaft in Erfurt. „Ich interessiere mich vor allem für Kirchengeschichte“, erklärt sie, stockt kurz und ergänzt dann lachend: „Vielleicht hätte ich einfach Geschichte studieren sollen.“ Auch die Vergangenheit ihrer Heimat beschäftigt Weronika Vogel. Seit 2023 betreibt sie mit Hanna Müller – ebenfalls einer Görlitzerin – den Blog „Eastplaining“ – der Name setzt sich aus den englischen Wörtern „East“ für „Osten“ und „explaining“ für „erklären“ zusammen. Die beiden möchten Vorurteile über Ostdeutschland korrigieren und Zusammenhänge mit der DDR-Geschichte einordnen. Im Zweiwochenrhythmus veröffentlichen sie Interviews, Analysen, Kommentare und Rezensionen.
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur fand diese Arbeit, die die beiden neben Studium, Beruf und Promotion leisten, preiswürdig. Sie hat Weronika Vogel und Hanna Müller den Nachwuchspreis des Karl-Wilhelm-Fricke-Preises verliehen. Die 3000 Euro Preisgeld sollen, so verriet Weronika Vogel der Katholischen Nachrichtenagentur, selbstverständlich in den Blog investiert werden, um auch in Zukunft über Ostdeutschland in Vergangenheit und Gegenwart aufzuklären.
Zum Blog: www.eastplaining.com