Erlebnisse und Tipps aus Rom

Römische Einblicke von Kaplan Mroß

Roma Giubileo 2025

Foto: kna/Paolo Ganosi/Romano Sicilliani

Im Blick auf das Heilige Jahr 2025 scheint die Innenstadt Roms eine einzige Baustelle zu sein.

Wer 2025 an den Pilgerreisen ostdeutscher Bistümer zum Heiligen Jahr teilnimmt, könnte auf Florian Mroß treffen. Der Priester aus dem Sorbenland verrät, wie er Rom erlebt und hat Tipps für Pilger parat.

Im Kolleg Santa Maria dell’ Anima nahe der Piazza Navona in der quirligen Altstadt von Rom wohnt Florian Mroß. Der Kaplan aus dem Bistum Dresden-Meißen gehört dort seit 2020 zu einer Gemeinschaft von 22 Priestern aus elf Nationen. Noch internationaler geht es an der Päpstlichen Universität Gregoriana zu, an der Florian Mroß gerade seine Doktorarbeit in Kirchenrecht schreibt, zu Fuß eine Viertelstunde vom Kolleg entfernt. „Die Vielfalt und Universalität der Kirche zu erleben, die in Rom zusammenkommt, beeindruckt mich immer wieder, sagt der 34-Jährige, „jede geistliche Gemeinschaft, jeder Ritus hat hier seinen Ort.“ Für deutschsprachige Pilger- und Besuchergruppen ist die eher unscheinbare Pilgerkirche der Anima ein solcher Ort. Als derzeit einziger Ostdeutscher am Kolleg begleitet Florian Mroß Gruppen aus seiner Heimatregion.

Als er vor vier Jahren für ein Lizentiatsstudium nach Rom kam, befand sich die Stadt gerade im Corona-Lockdown. „Es waren weder Pilger noch Touristen da, ins Studium hineinzufinden war schwierig, die ganze Stadt war sehr, sehr still“, erzählt er. Von der Rückkehr zur Normalität zwei Jahre später fühlte sich der junge Sorbe zunächst fast erschlagen. Inzwischen gehört auch für ihn das römische Chaos zur täglichen Routine. In Vorbereitung des Heiligen Jahres ist es hier noch etwas chaotischer als gewöhnlich. An allen Ecken und Enden wird gebaut. Auf vielen kleinen Plätzen werden die als „Sanpietrini“ bekannten Quader-Pflastersteine neu befestigt, Kirchen und Außenfassaden werden saniert, Schmuddelecken aufgehübscht, es entstehen Infostände, die Stadt nimmt einen neuen Anlauf, ihr Müllproblem in den Griff zu bekommen.

Versteckte Schätze

In all dem Trubel ist es für Florian Mroß wichtig, gelegentlich bewusst nach Stille zu suchen. Gerne fährt er dazu beispielsweise zu dem etwas außerhalb der Innenstadt gelegenen alten Kloster Tre Fontane. Es entstand dort, wo der Überlieferung nach der heilige Paulus enthauptet wurde. „Wenn ich die Kirche dort betrete, spüre ich die Stille Gottes“, sagt er.

Besuchern, die er durch Rom begleitet, möchte er solche spirituellen Erlebnisse eröffnen. Zugleich versucht er, ihnen die Faszination der antiken Sehenswürdigkeiten nahe zu bringen. Wenn es die Zeit erlaubt, geht er bei Führungen auch zu Stätten, die nicht jeder Tourist zu sehen bekommt – zu den Gräbern der Diakone Laurentius und Stephanus in der Kirche Sankt Laurentius vor den Mauern zum Beispiel. „Die Gräber der Apostel Petrus und Paulus sind ja längst nicht die einzigen Märtyrergräber in Rom“, erläutert er. An den touristischen Brennpunkten weist Florian Mroß gern auch auf selten erwähnte oder leicht zu übersehende Details hin – etwa auf die Kreuzesreliquien und das Schweißtuch der heiligen Veronika, die in großen Säulen des Petersdoms verborgen sind oder die Erde aus dem Garten Getsemane unter den Fundamenten einer Kapelle der Pilgerkirche Santa Croce in Gerusalemme.

Stefan Mroß im Café
Florian Mroß (rechts) mit Gästen aus seiner Heimat in einer römischen Caffè-Bar.

Wie man sich als Tourist outet

Die Pilger, die im kommenden Jahr an einer der Rom-Wallfahrten der Bistümer Görlitz, Dresden-Meißen und Erfurt teilnehmen, lässt er gern auch an den römischen Erkenntnissen teilhaben, die er in den letzten Jahren gewonnen hat. Im Umgang mit den Bettlern, die besonders vor Kirchen auf die Rombesucher warten, empfiehlt er, vor der Reise ein Budget festzulegen, das man für Bedürftige bereithält. „Ich bin selbst oft hin- und hergerissen: Ich möchte keine organisierten Bettelbanden unterstützen, aber auch nicht achtlos an Menschen vorübergehen, die Not leiden“, sagt er. Sein monatliches Budget, das den Bettlern zugedacht ist, hilft ihm, eine gute Balance zu halten. Es fühlt sich für ihn entlastend an, zumal er weiß, dass es in der Stadt verschiedene Hilfsangebote für Obdachlose und Bedürftige gibt – und wenn es aufgebraucht ist, dann ist eben Schluss bis zum nächsten Monat.

Über die Lebenskultur Roms sollte man seiner Ansicht nach wissen, dass sich das Leben hier zu einem guten Teil auf den Plätzen der Stadt abspielt. Schon vor dem – meistens eher späten – Arbeitsstart trinken die meisten Römer ihren Espresso in einer Bar, im Stehen. Nach einem „Espresso“ verlangen dabei allerdings nur Touristen, für die Einheimischen heißt der starke Heißtrunk schlichtweg „caffè“. Am späten Nachmittag treffen sich Familien häufig auf den öffentlichen Plätzen. Die Erwachsenen schauen ihren Kindern beim Spielen zu, unterhalten sich. Ab 17 Uhr breiten sich die Gerüche angeworfener Holzöfen aus. Die Pizzabäcker beginnen ihre Arbeit. Zwei Stunden später fangen dann allmählich auch Italiener an, Pizza zu essen, vorher sind die Touristen damit unter sich. Wie stolz die Italiener auf ihr Land, ihre Sprache, aber ganz besonders auch auf ihre Küche sind und wie sehr das Essen die Kultur prägt, ist Florian Mroß kürzlich bei einem Gespräch mit Erstkommunionkindern aufgefallen. Wo gleichaltrige Deutsche eher von ihren Freizeitaktivitäten erzählt hätten, ging es bei den kleinen Römern ausgiebig darum, dass die eigene Mama die beste Pasta zubereitet.

 

Dorothee Wanzek