„trotzdem da!“ in der Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen

Ausstellung: Kinder von verbotenen Beziehungen im NS-Regime

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Bild der Ausstellung trotzdem da in der Gedenkstätte Augustaschacht
Nachweis

Foto: Anton Kensbock

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„Trotzdem da!" ist noch bis 30. Juni in der Gedenkstätte Augustaschacht zu sehen.

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern oder Kriegsgefangenen waren während der Zeit des NS-Regimes verboten.
Dennoch gab es sie. Eine Ausstellung beleuchtet die Geschichten der Kinder aus diesen untersagten Beziehungen.

„Muss man wissen, woher man kommt, um zu wissen, wer man ist?“ Diese Frage steht auf einer Postkarte für Besucher der Wanderausstellung „trotzdem da!“ in der Gedenkstätte Augustaschacht bei Osnabrück. Eine Antwort gibt sie nicht. Doch wer durch die Ausstellung geht, versteht: Für einige Menschen ist die Frage nicht nur eine Übung in Philosophie, sondern die Frage ihres Lebens.

„Trotzdem da!“ dokumentiert die Geschichten von Kindern, die im Nationalsozialismus aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern oder Kriegsgefangenen hervorgegangen sind. Beziehungen, die das NS-Regime unter Strafe stellte, insbesondere die Frauen verfolgte, öffentlich denunzierte und demütigte. Die Kinder existierten in einer Unsichtbarkeit: unerwünscht vom NS-Regime, verschwiegen in den Familien, vergessen von der Nachkriegsgesellschaft. Die Wanderausstellung, die von der Gedenkstätte Sandbostel erarbeitet wurde, macht rund 20 Lebensgeschichten erstmals sichtbar.

Nach dem Krieg lebte Gabriele Lapp mit ihren Pflegeeltern in Süddeutschland. Als sie sechs Jahre alt war, erzählte ihr das Nachbarkind Marianne, dass ihre Eltern nicht ihre „richtigen“ Eltern seien. Sie erfuhr, dass Marianne ebenfalls ein Pflegekind ist – und darüber hinaus ihre Halbschwester. Sie hatten verschiedene französische Väter und dieselbe deutsche Mutter.

Bild einer Seniorin
Gabriele Lapp war auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter – und wurde bei einem Telefonat mit ihr enttäuscht. Foto: Michael Kohls

Auf der Suche nach den Eltern

1977 ging Lapp zur letzten bekannten Adresse ihres leiblichen Vaters, traute sich dann jedoch nicht zu klingeln. Ihre leibliche Mutter war nach Kriegsende in die Vereinigten Staaten gezogen. Bei einem Telefonat zwischen Gabriele Lapp und ihrer leiblichen Mutter 1996 zeigte diese keinerlei Interesse an ihrer Tochter und lehnte ein Treffen ab. Sie wollte ihrem zweiten Mann und den drei Kindern die wahre Geschichte erst auf dem Sterbebett offenbaren. Doch sie starb, ohne die Wahrheit zu erzählen. Gabriele Lapps Geschichte steht nicht allein, sondern für Hunderte, vielleicht Tausende ähnlicher Schicksale, von denen die meisten nie dokumentiert wurden – und zu denen erst seit 2010 geforscht wird.

Der Ort, an dem die Ausstellung Station macht, ist nicht zufällig gewählt. Die alte Pumpstation am Augustaschacht in Hasbergen war ein Arbeitserziehungslager der Gestapo. Hierher wurden Zwangsarbeiter gebracht, die sich widersetzt hatten – für acht Wochen schwerster Bestrafung. Viele überlebten die grausamen Haftbedingungen nicht – oder wurden so lange misshandelt, bis sie bedingungslos arbeiteten.

Auf den Stelen der Ausstellung sind großflächige Porträtfotos zu sehen, doch auf einer Stele ist ein Bild eines leeren Stuhls. Er steht für alle, die in der Ausstellung fehlen. Für die, deren Namen kein Archiv verzeichnet. Für die, die nie erfahren haben, wer ihr Vater oder ihre Mutter war. Die Forschung zu diesem Thema steht noch am Anfang. Wie viele Kinder in Deutschland aus solchen Beziehungen geboren wurden, ist unbekannt – die Dunkelziffer ist groß, die Quellen sind lückenhaft und das Thema wurde jahrzehntelang verdrängt.

Die Kinder aus verbotenen Beziehungen sind „trotzdem da!“ – trotz eines Systems, das ihre Existenz nicht wollte, trotz des Schweigens, das viele von ihnen ein Leben lang begleitete.

Anton Kensbock

Die Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen (Zur Hüggelschlucht 4) hat dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, sonntags von 11 bis 17 Uhr. Die Ausstellung läuft bis zum 30. Juni. Weitere Informationen und Anfahrtsbeschreibung zur Gedenkstätte Augustaschacht: www.augustaschacht.de. Mehr Infos zur Ausstellung „trotzdem da!“ unter www.trotzdemda.de