Schüler der Angelaschule produzieren eigene Podcasts

Den Dom neu hören

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zwei Schüler sitzen mit Kopfhörern vor einem Mikrofon
Nachweis

Foto: Anton Kensbock

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Aufnahme läuft: David Birk und Johanna Holtmeyer am Mikrofon.

Den Osnabrücker Dom kennt jeder. Oder glaubt es zumindest. In der AG „Geschichte für Fans“ beschäftigen sich sechs Achtklässler der Angelaschule intensiv mit dem Gotteshaus. Ziel sind eigenständig produzierte Podcasts.

Als die Schüler den Osnabrücker Dom betreten, werden die sechs Achtklässler plötzlich ganz still. Gespräche ebben ab, auch ihr unbeschwertes Lachen und die noch eben gemachten Scherze verfliegen in den Kirchenraum. Der Dom macht etwas mit ihnen, was nicht viele Orte können: ureigene Ruhe erzeugen.

Der Dom ist da, mitten in der Innenstadt. Seit 800 Jahren steht er dort und wird auch noch eine Weile bleiben. Er ist die Kathedrale des Bistums, wurde vielfach um- und wiederaufgebaut und nimmt einen zentralen Platz in der Stadt ein. Beim Wochenendbummel läuft man mit der Familie unzählige Male vorbei. Aber was steckt dahinter? Schüler David Birk kennt den Dom – vom Sehen. „Als spirituellen Ort habe ich ihn schon wahrgenommen“, sagt er – „aber eine tiefere Bedeutung war erst mal nicht dahinter.“ Das sollte sich ändern.

Eine Schülergruppe steht vor zwei Frauen im Osnabrücker Dom.
Dombaumeisterin Sara Pohlmann (l.) und Jessica Löscher führen die Schüler durch den Dom St. Petrus. Foto: Anton Kensbock

Organisiert von Geschichtslehrerin Reinhild Birmes und Museumspädagogin Jessica Löscher vom Diözesanmuseum kommt die Arbeitsgemeinschaft (AG) in Studientagen an Orte, „die man sonst nie sehen würde“, sagt Birk. In diesen Exkursionen sollen die Schüler verschiedene Aspekte des Doms erleben, um dann ein eigenes Podcastthema zu entwickeln und umzusetzen. Fünf Schülerinnen und ein Schüler – ausgewählt für ihr Geschichtsinteresse – tauchen ein in das, was sie persönlich am Dom fasziniert. Im Reliquienstollen, einem versteckten Gang unter dem Altar, können die Schüler die Mythen und Legenden erfahren, die sich noch immer um den Petrusdom ranken. Der Tunnel, so die Erzählung, soll bis zum Benediktinerinnenkloster am Hasetorwall gereicht haben – etwa einen halben Kilometer entfernt. Eine weitere Legende handelt vom Dombrand um das Jahr 1100: Weil die Domherren die Gebeine der beiden Patrone Crispin und Crispinian verloren haben, soll Gottes Zorn den Dom angezündet haben. Vermutlich ist diese Geschichte jedoch auf eine Verleumdungsaktion gegen die Domherren zurückzuführen. Auch waren die Schüler im Diözesanarchiv und konnten in Totenbüchern recherchieren und eine Vorstellung für die Zeit vor 100 Jahren erhalten. Noch heute sei das faszinierend, sagt Birk: An den Todesursachen lassen sich verschiedene Kriegsperioden ablesen.

Es ist nicht nur ein Gotteshaus

Johanna Holtmeyer findet ihren Zugang zum Dom unter dem Motto „Kirche als Klangraum“. „Wie die Orgel den Dom ausfüllt – das hat mich sehr beeindruckt“, sagt die Schülerin. Ihr Podcast-Thema steht fest. David Birk macht die Architektur des Doms neugierig, die ungleichen Türme und die Ausgrabungen unter dem Dom. Auch die Entstehung findet er spannend: „Wie hat man damals ohne Maschinen und exakte Pläne gebaut?“, fragt er sich. Museumspädagogin Jessica Löscher beobachtet den Arbeitsprozess. Zwar wirken die Schüler während der Studientage ruhig, fast zurückhaltend. Aber: „Was die alles aufnehmen können – wie ein Schwamm“, sagt sie beeindruckt.

Am Ende des Schuljahres im Juni sollen die Podcasts fertig sein. Mythen und Legenden, der Dom als Friedhof, die Geschichte seiner Erbauer – sechs Podcasts, sechs Perspektiven auf denselben Ort. Drei Minuten Inhalt, abrufbar mit dem Smartphone per QR-Code im Dom. Viel Inhalt auf wenig Zeit zu komprimieren, ist keine einfache Aufgabe. Aber Johanna Holtmeyer weiß inzwischen, warum es sich lohnt: „Ich kann jetzt meinen Eltern mehr darüber erzählen – weil ich weiß: Es ist nicht nur ein Gotteshaus.“ 

Den Osnabrücker Dom kennen viele vom Sehen. Diese sechs Achtklässler kennen ihn jetzt richtig.

Anton Kensbock