Gute Resonanz auf "Promovieren im Kloster" Ahmsen

Endlich Zeit für die Doktorarbeit

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Spaziergang im Garten
Nachweis

Fotos: Petra Diek-Münchow

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Eine grüne Oase für die Doktorarbeit: Promovierende schätzen die Ruhe und Umgebung im Jugendkloster Ahmsen. 

Eine Dissertation – das ist ein langer Weg, verbunden auch mit Stress und dem Gefühl, im Alltag viel zu wenig Zeit zu haben. Das Jugendkloster im emsländischen Ahmsen bietet Promovierenden Raum und Gemeinschaft dafür an: fünf Tage in Ruhe recherchieren, schreiben und sich mit anderen austauschen. Das kommt gut an.

Die Konzentration lässt sich im Franziskus-Saal des Jugendklosters in Ahmsen fast mit den Händen greifen. Hier wird überall richtig fleißig gearbeitet. Sechs Frauen und Männer sitzen stumm an ihren Schreibtischen – vertieft in ihre Laptops, Bücher, Mappen und Notizblöcke. Nur das leise Klicken der Tastaturen und zuweilen ein Umblättern ist zu hören. Hin und wieder steht jemand auf, holt sich eine Tasse Kaffee samt Keks aus dem Flur und gönnt sich dabei einen kurzen Blick in das idyllische Grün rund um das katholische Bildungs- und Begegnungshaus. Wie Marianne Rahner. „Das ist so ein großes Geschenk, hier sein zu dürfen“, sagt sie.

Blick in einen Saal
Zeit und Raum für die Dissertation im Jugendkloster, das kommt gut an.

Die 40-jährige Gesundheits- und Krankenpflegerin schreibt nach ihrem Studium der Gesundheits- und Pflegewissenschaften ihre Doktorarbeit zu Wissenschaftsstandards in der Pflegeausbildung. Wie 14 andere Frauen und Männer vorwiegend aus Nordwestdeutschland logiert sie für fünf Tage im Jugendkloster Ahmsen im nördlichen Emsland. Fünf Tage, um in aller Ruhe ungestört von Job und Haushaltsalltag im eigenen Tempo und mit eigenem Stundenplan zu recherchieren, zu forschen und zu schreiben.

Die Termine sind fast immer ausgebucht

Spirituelle Impulse in der hauseigenen Kapelle unter dem Dach morgens und abends rahmen die Tage ein. Und auch die drei Mahlzeiten und der Austausch nachmittags bei einer Tasse Kaffee gliedern die Woche. Ansonsten arbeitet jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer so, wie sie und er es in der aktuellen Situation gerade braucht und mag. Der eine startet manchmal schon vor dem Frühstück mit der Arbeit, die andere legt nach dem Abendessen noch eine kleine Nachtschicht ein.

„Promovieren im Kloster“ heißt das Angebot, das die Jugendbildungsstätte seit fünf Jahren in der Regel dreimal zwischen Januar und Dezember anbietet. Und das nach Worten von Teammitglied Lara Menke mit großem Erfolg. Fast immer sind die Termine mit 15 bis 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gut belegt und oft auch schnell ausgebucht. Zum Teil reisen die Gäste dafür sogar bis aus dem Süden Deutschlands ins Emsland – die meisten kommen, um ihre Doktorarbeit fortzusetzen, einige auch wegen ihrer Masterarbeit.

Manche stehen noch am Beginn, andere laufen in die Schlussphase ein. In mehreren Gruppenräumen sitzen sie tagsüber an Schreibtischen nebeneinander, das Essen nehmen sie mit anderen Klostergästen ein. „So müssen sie sich um nichts sorgen und können sich die Lernphasen ansonsten selber einteilen“, sagt Lara Menke. Das Haus bietet dazu kurze Besinnungen und einen Gottesdienst an, die Teilnahme ist freiwillig.

Die Idee zu dem Angebot stammt unter anderem von Timo Schürmann, der die Tage mit organisiert, begleitet und auch die spirituellen Impulse gestaltet. Aus eigener Erfahrung weiß der 33-jährige Emsländer, der jetzt in Münster lebt und arbeitet, welche Herausforderung eine Doktorarbeit darstellt – und hat deshalb das Projekt mitinitiiert. „Ich bin ja selbst noch dabei“, sagt der Sprachwissenschaftler. „Promovieren kann manchmal ein sehr einsames Geschäft sein“, weiß er zu berichten.  „Da tut es richtig gut, wenn man sich mal eine Woche herausziehen kann und einfach als Gruppe mit Gleichgesinnten in einer ähnlichen Lebensphase zusammenkommt und sich voll auf seine Arbeit einlassen kann.“ Einerseits mit viel Freiraum in einer klösterlich anmutenden Abgeschiedenheit, andererseits in den Pausen und abends mit einem Austausch untereinander, der persönlich und fachlich inspiriert. „Da ergeben sich dann auch methodische Gespräche, die eine andere Perspektive zeigen.“

Schon zum siebten Mal zu Gast in Ahmsen

Genau das schätzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie zum Beispiel Marianne Rahner und auch Ailina Claaßen. Die 33-Jährige untersucht in ihrer Promotion den Berufseinstieg von akademisiertem Pflegepersonal – und ist bereits zum siebten Mal bei „Promovieren im Kloster“ dabei. „Es muss mir also wohl gefallen hier“, sagt sie mit einem Schmunzeln und begründet auch gleich, wieso. Die zweifache Mutter weiß ähnlich wie Marianne Rahner, wie schwierig es ist, sich zwischen Job, Haushalt und Familie genügend Zeit für die Doktorarbeit zu nehmen. „Ehrlicherweise gibt es da nicht immer lange Phasen, in denen man sich voll konzentrieren kann. Das fällt dann manchmal im Alltag einfach hinten rüber.“

Daher empfinden beide Frauen die Tage in Ahmsen als „riesiges Geschenk“  und als „Privileg“, sich „einfach mal um nichts anderes kümmern zu müssen“. Sie genießen dabei auch den Kontakt zu den anderen Gästen, mit denen sie zwischendurch in wissenschaftlich fruchtbare Gespräche oder in einen entspannten Plausch abtauchen können. Und beide schwärmen geradezu vom Jugendkloster: von den „unfassbar freundlichen Menschen aus dem Team“, von der „wunderschönen Natur“ rundherum, von den Impulsen in der Kapelle zum Nachdenken und Anregen.

Ein Spaziergang, um den Kopf frei zu kriegen

„Man fühlt sich hier willkommen, weil man einfach sein darf“, sagt Rahner. Für sie hängt das mit dem christlichen Profil des Hauses zusammen – ein Grund auch, warum sich beide Frauen immer wieder für Ahmsen entscheiden. „Für mich gehört das dazu“, sagt Claaßen und nutzt daher gern den Tagesein- und -ausstieg sowie den Gottesdienst in der Kapelle. Gibt es einen Ort, den sie in Ahmsen besonders mögen? Da fällt beiden nicht der arbeitsame Franziskus-Saal ein, sondern der Seerosenteich gleich dahinter. Eine kleine Oase für einen kurzen Spaziergang, um den Kopf frei zu kriegen.

„Wollen wir frische Luft schnappen?“, fragt Marianne Rahner nicht nur Ailina Claaßen, sondern auch Timo Schürmann. Und dann klappen sie schnell ihre Bücher zu und marschieren raus ins Grüne.

Petra Diek-Münchow

Die Woche „Promovieren im Kloster“ kostet 415 Euro pro Person im Doppelzimmer, 506 Euro im Einzelzimmer. In den Kosten sind Unterkunft, Verpflegung und Seminargebühren enthalten. Die nächsten Termine sind Anfang Januar und im März 2026 geplant. Weitere Informationen und Anmeldungen unter Telefon 0 59 64/9 39 90; E-Mail: info@jugendkloster-ahmsen.de