Was uns diese Woche bewegt
Gespaltenes Verhältnis
„Schreib doch was über Frauen – so als Frau“, hieß es in dieser Woche, als wir nach einem Thema für diese Kolumne suchten. Okay, da wäre zum Beispiel der Weltgebetstag der Frauen: ökumenisch, mit langer Tradition, noch immer beliebt. Berichtet habe ich oft darüber, und ich finde die Idee dahinter gut – sie verbindet Menschen über Grenzen, Kontinente und Konfessionen hinweg miteinander. Besonders spannend finde ich Frauen aus den jeweiligen Schwerpunktländern mit ihrer Sicht auf Glauben und Kirche. Ich habe unter anderem Frauen aus Indonesien, von den Philippinen und aus Südkorea interviewt.
Aber es gibt ja in diesen Tagen noch mehr frauenbewegte Veranstaltungen. Den Internationalen Frauentag am 8. März zum Beispiel. Dazu habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Natürlich bin ich für Frauenrechte, die oft hart erkämpft werden müssen. Aber wer wie ich in der DDR aufgewachsen ist, erinnert sich mit Unbehagen an die staatlich verordnete Dankes- und Blumenrunde für die „werktätige Frau“.
Zwar galt in der DDR der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Doch in den überwiegend von Frauen besetzten Berufen, beispielsweise in der Pflege- oder Textilbranche, herrschte ein weitaus niedrigeres Lohnniveau als in „Männerberufen“. Die hochgelobte Gleichberechtigung der Frau hatte sich gesellschaftlich kaum durchgesetzt – das sollten Vertreterinnen der Partei Die Linke, die heute noch vom Sozialismus schwärmen, nicht vergessen.
Die höheren Sphären der Macht blieben Männern vorbehalten. So war niemals eine Frau Vollmitglied des Politbüros der SED, also des obersten Machtorgans der DDR. Für mehr Gleichstellung protestieren, statt sich nur mit Modenschauen, Parfüm und Geschenken verwöhnen zu lassen: Das hätten die DDR-Frauen tun sollen!
Heute kann ich mich mit dem Weltfrauentag durchaus anfreunden – mindestens genauso gut finde ich aber den Muttertag. Der wurde zu DDR-Zeiten als „westlich-reaktionär“ geschmäht. Wir Christen haben ihn erst recht gefeiert.