Lingener Pastor schreibt Buch über indisches Christentum

„Indien hat mich immer begleitet“

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Ein Mann mit Brille
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Foto: privat

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Pastor Ernst Pulsfort hat über viele Jahre eine enge Verbindung zu Indien.

Im Bistum Osnabrück arbeiten knapp 30 Priester und viele Ordensfrauen aus Indien. Was die Kirche in ihrer Heimat, die drittgrößte Christenheit Asiens, geprägt hat und ausmacht, ist sicher nicht überall bekannt. Der Lingener Pastor Ernst Pulsfort hat ein Buch darüber geschrieben.

In dem 200 Seiten starken Buch gibt Ernst Pulsfort, der seit fünf Jahren zum Seelsorgeteam der emsländischen Pfarreiengemeinschaft Lingen-Süd gehört, einen Überblick über das indische Christentum: angefangen beim Wirken des Apostels Thomas, wahrscheinlich im ersten Jahrhundert, bis in die Gegenwart hinein. Und das in vielen seiner Facetten. Die indische Christenheit zersplittert sich laut Pulsfort in 300 Kirchen und Gruppen mit zum Teil eigenen Riten. Und sie bildet je nach Region mit gut zwei bis fünf Prozent eine Minderheit in dem Land. Der Geistliche hat intensiv recherchiert, führt viele Daten und Zahlen auf – und will zugleich ein Buch vorlegen, „das für Interessierte einfach zu lesen ist“.

Kontakt beginnt schon in der Jugend

Denn vor allem will der 70-Jährige informieren über das indische Christentum. „Indien hat mich mein ganzes Leben lang immer begleitet.“ Das beginnt schon in der Jugendzeit, als er in der Lingener St.-Bonifatius-Gemeinde „klassisch katholisch“ aufwächst: mit Sonntagsgottesdiensten, Messdienereinsätzen und Gruppenleiterrunden. In der Jugendarbeit entsteht ein Kontakt zum Orden der „Helpers of Mary“ in Bombay, die Schwestern dort stehen Lepra-Kranken zur Seite. „Wir haben 1000 Mark gesammelt, und damit konnten wir die ihre kleine Klinik elektrifizieren.“

Aus dem Projekt wird ein prägender Kontakt für seine Biografie. Pulsfort studiert Philosophie und Theologie, wird 1981 zum Priester geweiht. Er arbeitet als Kaplan in Osnabrück und Nordhorn, als Pfarrer in Hilkenbrook und promoviert in Münster über christliche Gemeinschaften in Indien. Danach führt ihn sein Weg an die Universitäten nach Würzburg und Mannheim, von dort an die katholische Akademie und in eine Gemeinde in Berlin. 2020 kehrt er zurück ins Emsland nach Lingen.

Schon als Kaplan und später bei weiteren Stationen organisiert Pulsfort Spendenaktionen für die „Helpers of Mary“. „Das sind echt ganz starke Schwestern. Sie sind wie Familie für mich“, sagt er. Er hat sie bei vielen Aufenthalten in Indien schätzen gelernt. Bei einem Studienjahr als junger Priester, bei Spendenübergaben, bei Besuchen vor Ort. Dieses Engagement mündet Mitte der 1990er Jahre in die Gründung der Bartholomäus-Gesellschaft, der die Hilfe für den Orden auf eine feste finanzielle Basis stellen will. Heute gehören 1100 Mitglieder zu dem Verein, fast die Hälfte davon stammt aus dem Bistum Osnabrück. Bis heute ist Pulsfort erster Vorsitzender.

„Die Übergriffe auf Christen nehmen zu“

Durch die jahrzehntelange Beziehung zu Indien hat der Pastor auch die Kirche kennengelernt. Vor allem die Unterschiede zur römisch-katholischen Kirche hier. „Da gibt es in manchen Städten drei Bischöfe nebeneinander: der nach unserem Ritus, nach syro-malabarischem und syro-malankarischem Ritus.“ Material hat er also schon „in der Schublade“ und „schon mal einen Artikel darüber geschrieben“. Im vergangenen Jahr beschließt Pulsfort, ein Buch daraus zu machen.

Neben einem Glossar, Fotos und viel Geschichte erklärt er darin auch, vor welchen Problemen die Kirche in Indien steht. Das ist für ihn zum Beispiel ein ausgeprägter Klerikalismus – also eine Machtstellung von Bischöfen, Priestern und Ordensleuten. „Da könnte die Kirche von uns lernen, Laien stärker einzubeziehen.“ Zum Kastensystem, das häufig mit Diskriminierung verbunden ist, wünscht sich Pulsfort eine deutlichere Positionierung. Die größte Herausforderung aber ist für den Lingener Pastor der Hindu-Nationalismus in Indien. „Die Übergriffe auf Christen nehmen rapide zu.“

 

Petra Diek-Münchow

Das Buch heißt „Das indische Christentum in Geschichte und Gegenwart“ und kostet knapp 20 Euro. Es ist erschienen im Verlag Edition Virgines.