Jesus und die Superhelden

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Jesus in dem Comic "Second Coming"
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Foto: Second Coming © 2019 Mark Russell & Richard Pace/dt. Ausgabe Dantes Verlag

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Comics verhandeln Religiöses humorvoll und doch ernst.

Was Glaube und Gott in Comics zu suchen haben? Der Comic-Fan Burkhard Conrad sagt: eine Menge. Zeichnungen könnten christliche Themen und Werte manchmal besser transportieren als ein Text.

Comics sind nicht nur was für Kinder, es gibt sie auch für Erwachsene. Sie sind echte Kunst, echte Literatur, findet Burkhard Conrad. Er ist Leiter des Referats für Hochschule, Hochschulpastoral und Erwachsenenbildung im Erzbistum Hamburg. Und: großer Comic-Fan. Besonders gern liest er solche, die sich um Themen wie Glaube, Gott und Religion drehen. 

Schon als Kind liebte er Comics. Als er dann einmal Urlaub in Frankreich machte, stolperte er in einen Comicbuchladen und mittenrein ins Thema. Heraus fand er nie wieder: „Ich bin Anfang 50, lese seit 15 Jahren Comics. Seit diesem Urlaub in Frankreich.“ 

Doch was er liest, müsse unterhaltsam sein. Auch, wenn Gott, Glaube und Religion im Spiel sind. Conrad empfiehlt etwa „Glaub mir“, einen Comic von Jutta Pilgram, der in diesem Jahr erschienen ist. Er handelt von der Freundschaft zwischen zwei Mädchen aus Familien mit unterschiedlichen Religionen. Katholisch und muslimisch. Vereint darin, dass beide Familien den Glauben sehr konservativ leben. Die Protagonistinnen brechen aus dem engen, ideologischen Korsett ihrer Familien aus – ohne den Glauben dabei zu verlieren.

Jesus, der Mitbewohner mit Werten

Der Comic ist unterhaltsam, aber auch ernst und biografisch. Und kritisch. In einer Szene hat der Bruder des muslimischen Mädchens einen Freund. Als die Familie das herausfindet – Drama. Es klingt an, dass der Glaube das nicht erlaube. In einer anderen Szene fragt ein christliches Mädchen ein muslimisches, ob sie kein Kopftuch tragen müsse, und die Muslimin antwortet: „Ich muss gar nichts! Im Koran steht ja: Es gibt keinen Zwang im Glauben. Sure 2,256.“ 

Eine weitere Empfehlung Conrads: „Second Coming“ (Wiederkunft) von Mark Russel, Richard Pace, Leonard Kirk und Andy Troy aus dem Jahr 2019. Hier tritt Gott als konkrete Person auf. Er schickt Jesus zurück auf die Erde, ins 21. Jahrhundert. Der zieht bei Sun-star ein, einem Superhelden. Er wird sein Mitbewohner und begleitet ihn auf dessen Heldenreisen. Es ist eine absurd klingende Geschichte mit absurden Zwischenstopps: Jesus, wie er durch die moderne Welt schlendert und sich fragt, was aus dem Glauben an ihn geworden ist. Jesus, der vor einer Gay-Bar Proteste gegen Homosexuelle beobachtet und zu einem christlichen Demonstranten sagt, dass er nie gesagt habe, Homosexualität sei ein Problem. Oder: Jesus, wie er den Superhelden stoppen will, als er einem Gauner Gewalt androht. 

Der Comic verhandelt auf humorvolle und doch auch immer wieder ernste Art Werte des Christentums. Vor allem, sagt Conrad, gehe es „um die Frage, was der Auftrag von Jesus Christus eigentlich ist: Zu welchen Menschen kommt er, wen spricht er an?“ 

Gerade in Superhelden-Comics tauche das Religiöse immer wieder auf. Warum? „Weil die Superhelden klassischerweise immer wieder an ihre Grenzen stoßen, immer wieder austarieren müssen, wie sie ihre Supermacht sinnvoll einsetzen. Zum Wohle aller.“ Das sei ein Dauerkonflikt in den Comics. Dieser Konflikt erinnert Conrad an die Frage, ob auch Gott Grenzen hat, bei all dem Leid auf der Welt. Der Konflikt hat für ihn auch mit der Frage zu tun, wie man seinen Glauben leben soll. So sagt der Jesus in „Second Coming“ zum Beispiel, nachdem sich der Held vor allen Menschen profilieren will: „Denn die größte Versuchung von allen ist nicht, Böses zu tun, sondern der Wunsch, Gutes vor Zeugen zu tun.“  

Der Vorteil von Comics? Burkhard Conrad sagt: „Sie können Erzählungen anders aufgreifen. Gerade wenn es um Dinge geht, die sich innerlich abspielen – wie der Glaube –, können Bilder manchmal mehr aussagen, als es ein Prosatext kann.“

Lisa Discher

Zur Sache

Jutta Pilgram: Glaub mir. JaJa Verlag, 248 Seiten, 24 Euro 

Mark Russel/Richard Pace: Second Coming. Dantes Verlag. 180 Seiten, 22 Euro