Quartiersmanagerinnen in Frankfurt-Nied

Sie fördern den Zusammenhalt

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Quartiersmanagerinnen in Frankfurt-Nied
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Foto: Barbara Schmidt

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„Ich kann ja doch etwas bewirken“: Diese Erfahrung machen Menschen in ihrem Stadtteil, sagen Marja Glage (rechts) und Kerstin Holmberg.

Marja Glage arbeitet für die Caritas und ist Quartiersmanagerin in Frankfurt-Nied. Zusammen mit Sozialarbeiterin Kerstin Holmberg hilft sie den Menschen im Stadtteil – und stärkt so die Demokratie.

Marja Glage ist im Frankfurter Stadtteil Nied bekannt. Das ist fraglos eine Folge ihrer Arbeit. Sie ist Quartiersmanagerin beim dortigen Projekt „Soziale Stadt“. Seit dessen Start 2019 ist einiges passiert.

„Soziale Stadt“ ist ein Bundesprojekt. Es fördert den Städtebau und soll „städtebaulichen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Problemen vor Ort entgegenwirken“, heißt es in der entsprechenden Broschüre.

In Nied sei man damit auf offene Türen gestoßen, erzählt Marja Glage. Durch Projekte andernorts habe sich inzwischen herumgesprochen, dass „Soziale Stadt“ nicht bedeute, in einem sozialen Brennpunkt zu leben. Das Projekt zielt darauf ab, das Lebensumfeld aufzuwerten, sagt sie. „Dafür wünscht man sich so etwas wie einen Dirigenten.“ Glage, die bei der Caritas Frankfurt arbeitet, bringt aus ähnlichen Projekten in den Stadtteilen Sindlingen und Unterliederbach einiges an Erfahrung mit. Als Humangeografin beschäftigt sie sich mit dem Zusammenhang zwischen Menschen und ihrem Lebensraum.

„Die erste Aufgabe ist anfangs immer, sich bekannt zu machen“, sagt Glage. Dafür gelte es, „die wichtigsten Akteure im Stadtteil zu identifizieren und diese zügig kennenzulernen“. Mandatsträger zählt sie zu den Ansprechpersonen, genauso wie Vereinsvorsitzende oder Vertreter der örtlichen Kirchengemeinden.

"Menschen machen hier gern mit, weil sie sich einbringen können und sie gesehen werden."

Kommt der Punkt, an dem es heißt: „‚Ach, die Frau Glage, Sie sind das!‘, folgt der nächste Schritt, um sich im Stadtteil zu vernetzen. Dann geht es um den Bekanntheitsgrad in der breiten Bevölkerung“, sagt die Quartiersmanagerin. Gelegenheiten dazu schaffen Info-Stände etwa auf dem Supermarktparkplatz oder bei Veranstaltungen. Mittels „aktivierender Befragung“ sollen so erste Wünsche und Erwartungen an das Projekt ermittelt und Menschen zum Mitmachen angeregt werden. „Es gibt immer die, die irgendwo aktiv sind. Manche Menschen leben aber einfach nur hier.“

Auch ein Beirat wurde in Nied gebildet, der als „Mittler zwischen Bürgerschaft, Verwaltung und Politik“ fungiert. Glage hat bewusst darauf geachtet, dass die Beiratsmitglieder aus allen Quartieren im Stadtteil kommen und alle gemäß der Einwohnerzahl repräsentiert sind. Denn sie vertreten direkt die Bevölkerung Nieds. Im Beirat wurde in den ersten Projektjahren ein Entwicklungskonzept erarbeitet: „Sozialer Zusammenhalt Nied“ ist es überschrieben und benennt zahlreiche Maßnahmen und Projekte, die für mehr Lebensqualität, Inklusion und ein gutes Miteinander sorgen sollen.

Eine Menge davon ist inzwischen umgesetzt. Andere Maßnahmen, vor allem die baulichen mit längerem Vorlauf, stehen kurz bevor. Für Marja Glage, die aufgrund der gewachsenen Aufgaben jetzt noch von Sozialarbeiterin Kerstin Holmberg unterstützt wird, heißt diese Phase immer: Mit allen Akteuren im Gespräch sein, auch mal vermitteln, warum etwas nicht so schnell geht, wie gewünscht. Das fordere einen dauerhaft heraus. Dass „hinter den Ämtern auch Menschen stehen“, in diese Einsicht „sind wir zum Glück alle reingewachsen“, sagt Marja Glage mit einem Lächeln.

"Ich sehe meine Aufgabe nicht zuletzt darin, Lobbyist zu sein für Menschenwürde und ein gutes Miteinander."

Durch das Projekt werden nun Außengelände und Aufenthaltsflächen wie etwa Spielplätze attraktiver gestaltet oder neue Wohnformen, zum Beispiel Mehrgenerationenhäuser, umgesetzt. Daneben sind sehr viele soziale Projekte entstanden, berichtet die Quartiersmanagerin. Das reicht vom „Willkommenshäuschen“, an dem regelmäßig niedrigschwellig Beratungsangebote gemacht werden, über den Babytreff oder den Spaziergang für Ältere bis zum „Orientierungsmobil“ für junge Menschen.

Dass die „Soziale Stadt“ Menschen zusammenbringt und das Miteinander positiv verändert, gehört für Marja Glage zu den besonders schönen Effekten ihrer Arbeit. Menschen machten hier gern mit, „weil sie sich einbringen können, ihr Talent gefragt ist, sie gesehen und unterstützt werden“.

Wichtig ist Glage ein offener Diskurs, der nicht ausklammert, wenn einmal etwas nicht so gut läuft. Kerstin Holmberg ergänzt: „Menschen fühlen sich oft ohnmächtig angesichts der großen Themen im Land.“ Heruntergebrochen auf ihren Stadtteil machten sie jedoch die Erfahrung: „Ich kann ja doch etwas bewirken.“ Das stärkt die Akzeptanz der Demokratie, sind sich Glage und Holmberg einig. Marja Glage sieht ihre Aufgabe nicht zuletzt darin, „Lobbyist zu sein für Menschenwürde und ein gutes Miteinander“ – und will so auch in ihrer Arbeit als Christin erkannt werden.

Barbara Schmidt

Zur Sache

Das Bundesprojekt „Soziale Stadt“ will durchstädtebauliche Maßnahmen das Lebensumfeld von Menschen aufwerten. Beim Projekt in Nied hat sich die Stadt Frankfurt bei Bund und Land um die Mittel beworben. Der Caritasverband Frankfurt ist bei dem Projekt Partner der Stadt. Infos allgemein: staedtebaufoerderung.info