Tandemprojekt zur Demokratieförderung an Osnabrücker Schulen
Vielfalt sichtbar machen
Foto: Anja Sabel
Die Diversitätsbeauftragte der Stadt Osnabrück, Samira El-Filali, und Michael Schober, Beauftragter für interreligiösen Dialog im Bistum Osnabrück, haben das Tandemprojekt an Schulen entwickelt – und bilden selbst ein Tandem.
Der Schülerworkshop, der die Sinne für Demokratie schärfen soll, beginnt mit einem Ausflug in die Geometrie: Zeichne ein Viereck und teile es mit einer geraden Linie in zwei Dreiecke. So weit, so einfach. Aber dann: Zeichne ein weiteres Viereck und unterteile es mit einem einzigen geraden Strich in drei Dreiecke. Ratlose Gesichter. Die Aufgabe ist machbar – aber nur, wenn man sich von dem Gedanken löst, dass ein Viereck immer quadratisch sein muss. Seitenlängen, Winkel und Form können völlig unterschiedlich sein. Der Aha Effekt dieser Übung: Jeder von uns hat Schubladen, Vorurteile und Stereotypen im Kopf, wie etwas – oder jemand – auszusehen und zu sein hat. „Wir sind dann gleich mitten im Thema“, sagt Samira El-Filali.
Die Diversitätsbeauftragte der Stadt Osnabrück möchte die Vielfalt der Stadtgesellschaft sichtbar machen. Nach dem Motto: Osnabrück ist bunt, und jede Farbe darf leuchten. Gemeinsam mit Michael Schober, dem Beauftragten für interreligiösen Dialog im Bistum Osnabrück, hat sie ein Tandemprojekt zur Demokratieförderung entwickelt: Drei Tandems – jeweils zwei Personen – sind an Schulen unterwegs, in den Klassen 5 bis 13 sowie an berufsbildenden Schulen. In den interaktiven Workshops nehmen sie sich einiges vor: Vielfalt fördern – und somit die Demokratie – und über schwierige Themen wie Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus ins Gespräch kommen. Das Interesse ist groß, die Tandems sind bis Jahresende fast ausgebucht.
Wer nicht am Tisch sitzt, bestimmt nicht mit
„Gesellschaftliche Teilhabe ist uns wichtig. Demokratie können wir nur gestalten, wenn alle mit am Tisch sitzen. Wer nicht am Tisch sitzt, bestimmt nicht mit“, sagt Samira El-Filali. Und ergänzt: „Das Fundament unserer Workshops ist ähnlich. Wir versuchen, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem Kinder und Jugendliche eine Stimme haben, die gehört wird.“ Sie lernen außerdem Toleranz: dass es okay ist, anderer Meinung zu sein und dass es gilt, andere Meinungen auszuhalten.
Toleranz und Inklusion lassen sich nicht mit erhobenem Zeigefinger oder Moralstandpauken vermitteln. Stattdessen muss das Gehirn trainiert werden, denn wir neigen laut Neurowissenschaften von Geburt an dazu, andere Menschen in sogenannte In-Gruppen und Out-Gruppen einzuteilen. Am besten gelingt das Training, indem man sich in die Gefühls- und Gedankenwelt anderer hineinversetzt und Empathie empfindet. Samira El-Filali und Michael Schober setzen auf Perspektivwechsel.
Wie sieht es in der eigenen Klassengemeinschaft aus: Werden Mitschüler ausgegrenzt? Was kann ich als Einzelner tun? Und wie barrierefrei ist die Schule eigentlich? Sich darüber Gedanken zu machen, dazu regt das Tandemprojekt an. Bis Jahresende wird es finanziell gefördert von der Dr. Buhmann Stiftung Hannover und der abriporta Stiftung in München.
Die Initiatoren hoffen, dass ihr Projekt verlängert wird. „Die Schule ist ein Mikrokosmos der Gesellschaft. Was dort gelernt wird, ist eine Investition in die Gesellschaft von morgen“, sagt Michael Schober. Vielleicht sei die eigene Rolle in einer demokratischen Gesellschaft für so manchen Jugendlichen noch nicht greifbar, ergänzt Samira El-Filali, „aber wenn wir am Schubladendenken arbeiten und vermitteln, dass Vielfalt etwas ist, worauf wir stolz sein können, ist das ein guter präventiver Schritt gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, egal ob es um Rassismus geht oder Antisemitismus“.
In Kürze
Das Tandemprojekt zur Demokratieförderung „Auf dich kommt es an! Gemeinsam stark gegen Antisemitismus, Rassismus und für Diversität im Kontext Schule“ ist eine Kooperation der Stadt und des Bistums Osnabrück. Drei Tandems gestalten 20 dreistündige Workshops an Osnabrücker Schulen in den Jahrgangsstufen 5 bis 13. Das Projekt ist zunächst befristet bis Ende 2026.
Kontakt:
Samira El-Filali
Diversitätsbeauftragte der Stadt Osnabrück
E-Mail: el-filali@osnabrueck.de
Telefon 05 41/3 23 34 97
Michael Schober
Beauftragter für interreligiösen Dialog im Bistum Osnabrück
E-Mail: m.schober@bistum-os.de
Telefon 05 41/31 82 46