Talente sind mehr als Schulnoten

Wie der Start ins Berufsleben gelingt

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Berufsausbildung
Nachweis

Foto: Ptti Edu/Unsplash.com

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Für viele junge Menschen beginnt in diesen Tagen eine Berufsausbildung.

Der Schulabschluss ist bald geschafft, die Berufswahl steht bevor – für viele Jugendliche eine der herausforderndsten Phasen im Leben. Wie gelingt es, sich im Informations-Dschungel zu orientieren und Entscheidungen zu treffen? Carola Heumann weiß, worauf es ankommt. Sie war Lehrerin an der Osnabrücker Angelaschule und arbeitet seit vielen Jahren in einer eigenen SchülerCoaching-Praxis. Darüber hinaus bildet sie auch andere Lehrkräfte zu SchülerCoaches aus.

Angenommen, jemand steht kurz vor seinem Schulabschluss und weiß nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Was raten Sie ihm?

Was will ich mit meinem Leben anfangen? Das ist für Jugendliche eine sehr große Frage, die sie oft überfordert. Ich würde sie kleiner und zugleich persönlicher machen: Was interessiert dich im Moment? Womit möchtest du deine Zeit verbringen? Was ist dir wichtig? In welcher Umgebung könntest du dich entwickeln? Und welcher Schritt wäre geeignet, um mehr darüber herauszufinden? Niemand muss mit 16 wissen, was er bis zur Rente machen möchte.

Manche meinen das aber und setzen sich damit gewaltig unter Druck.

Genau. Einige Schülerinnen und Schüler kommen zu mir, weil sie das Gefühl haben, sie müssten jetzt entscheiden, wo sie die nächsten 40 bis 50 Jahre unterwegs sein werden. Aber so sind die Lebensläufe heute gar nicht mehr. Die Vorstellung von dem einen richtigen Weg erzeugt unnötigen Druck. Ausbildung und Beruf sind nichts, was ich einmalig für das gesamte Leben festlege, sondern der Beginn eines Entwicklungsweges. 

Wie nehmen Sie Jugendlichen diesen Druck?

Es kommt darauf an, sie so zu stärken, dass sie einen tragfähigen nächsten Schritt gehen können. Also zu schauen: Was macht dich aus? Was sind deine Stärken? In der Schule wird häufig die Frage vernachlässigt: Wer bin ich eigentlich? Wer sich diese Frage nicht stellt, weiß ja gar nicht, ob er selbst- oder fremdbestimmt an sein Ziel kommt. Ein Informationsdefizit über Ausbildungsberufe ist oft nur ein Teil des Problems. Vielmehr fehlt jungen Menschen ein persönlicher Orientierungsrahmen, mit dessen Hilfe sie diese Informationen für sich bewerten können. 

Carola Heumann
Carola Heumann aus Osnabrück berät Jugendliche in ihrer SchülerCoaching-Praxis. Foto: Anja Sabel

Wie finde ich heraus, was meine Talente sind?

Talente erkennt man nicht nur an Schulnoten. Sie zeigen sich auch darin, wofür jemand freiwillig Energie aufbringt, worin er sich vertieft und was ihm vergleichsweise leicht von der Hand geht. Wir schauen auf Stärken, Interessen, bevorzugte Tätigkeiten, Erfahrungen oder Rückmeldungen anderer. Der eine braucht klare Aufgaben und Sicherheit, die andere Gestaltungsspielraum und Abwechslung. Manche arbeiten besonders gut im Team, andere eher konzentriert und selbstständig. Manche möchten Verantwortung übernehmen, andere suchen ein ruhiges, verlässliches Arbeitsumfeld. Oft wissen junge Menschen viel mehr über sich, als sie zunächst glauben – sie haben diese einzelnen Hinweise nur noch nicht zu einem Bild zusammengefügt. 

Im Zeitalter von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Transformation der Arbeitswelt fragen sich auch viele: Bin ich dem gewachsen, was von mir verlangt wird?

Da muss man klären, welche Anforderungen tatsächlich bestehen und was der Jugendliche bereits mitbringt. Aber hier geht es nicht nur um eine Begabungsfrage. Es geht auch Selbstvertrauen und um die Fähigkeit, sich zu motivieren, Unterstützung anzunehmen und mit Schwierigkeiten umzugehen. Berufsorientierung darf nicht nur feststellen, was ein junger Mensch heute schon kann. Sie muss auch danach fragen, was er lernen und worin er wachsen kann.

Welche Rolle spielt das private Umfeld?

Eltern, Geschwister, Freundeskreis, Lehrkräfte und familiäre Berufstraditionen prägen, welche Möglichkeiten Jugendliche überhaupt wahrnehmen und was sie sich selbst zutrauen. Erwartungen können unterstützen, aber auch den Blick verengen. Eltern sollten von ihren Erfahrungen berichten, aber nicht ihre eigenen Wünsche zur Berufswahl des Kindes machen. Hilfreicher als „Das wäre doch etwas für dich“ ist häufig die Frage: „Was genau interessiert dich daran – und was brauchst du, um es herauszufinden?“

Wie hilfreich sind beispielsweise Berufspraktika?

Dazu rate ich immer. Sich auszuprobieren, Informationen und Lebenserfahrungen zu sammeln, sich auf das Bauchgefühl zu verlassen, ob das etwas für mich sein könnte, ist gut und richtig. 

Wie sieht für Sie eine gute Berufsorientierung aus?

Sie beginnt nicht mit der Frage: „Welcher Beruf passt zu meinen Noten?“, sondern mit der Frage: „Wer bin ich, was treibt mich an und unter welchen Bedingungen kann ich mit gut entwickeln?“ Danach werden passende Ausbildungs- und Bildungswege geprüft und konkrete Schritte vereinbart. Idealerweise sind eine gewisse Leichtigkeit, Zuversicht und Selbstvertrauen dann schon im Gepäck.

Anja Sabel

Hier gibt es weitere Informationen zum SchülerCoaching Osnabrück

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