Seit 25 Jahren ökumenische Teams im Emsland

Wie helfen Notfallseelsorger?

Image
Notfallseelsorger
Nachweis

Foto: privat

Caption

Pastoralreferent Michael Randelhoff ist Diözesanbeauftragter für die Notfallseelsorge im Bistum Osnabrück.

Michael Randelhoff ist Diözesanbeauftragter für die Notfallseelsorge im Bistum Osnabrück. Warum er sich für diese Aufgabe einsetzt und wie er sich selber vor den psychischen Belastungen schützt, erklärt er in einem Interview.

Warum engagieren Sie sich in der Notfallseelsorge und was bedeutet diese Arbeit für Sie persönlich?

Ich habe in jungen Jahren selber eine Ausbildung im Rettungsdienst gemacht und war dabei, wenn der Notarzt nur noch den Tod eines Patienten feststellen konnte. Dabei habe ich viele Situationen kennengelernt, die mir deutlich gemacht haben, dass es dann Begleiter an der Seite von Betroffenen braucht, die sensibel und einfühlsam die ersten Schritte im Chaos eines solchen Moments begleiten. Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger lassen sich in ihrem Tun unterbrechen von solchen Momenten und dem davon Betroffenen, die vielleicht nicht einmal mehr sagen können: „Komm zu uns, zögere nicht!“ (Apg 9,38)  

Welche Ausbildung und Qualifikationen braucht man, um als Notfallseelsorgerin – oder seelsorger  tätig zu sein?

Den Dienst der Notfallseelsorge übernehmen hauptberufliche pastorale Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter der Kirchen, die in kompakten Fortbildungen auf die Spezifika der Einsatzsituationen vorbereitet werden. Ehrenamtliche können durch Fort- und Weiterbildungen die erforderlichen Seelsorge-Qualifikationen als Voraussetzung für die Notfallseelsorge erwerben. Dabei geht es unter anderem um das Verstehen der menschlichen Krisenreaktionen, das Wissen, was Betroffene in der Akutsituation brauchen, die intensive Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen der Begleitung und die angemessene seelsorgliche Haltung.

In welchen Situationen werden Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger gerufen?

Sie begleiten Betroffene, Zeugen, Ersthelfer von krisenhaften Ereignissen: vom häuslichen Todesfall über schwere Verkehrs- und Arbeitsunfälle bis hin zu Gewalttaten. Sie begleiten Polizeibeamt:innen bei der Benachrichtigung Angehöriger über den Tod eines geliebten Menschen. Sie stehen an der Seite von Menschen, die ein Großschadensereignis erlebt haben oder betroffen gemacht hat.

Und wie können sie dann helfen? 

In einem Dreischritt geht es darum, die Betroffenen zu stabilisieren, ihnen Orientierung in einer chaotischen Situation zu ermöglichen und wieder die eigenen Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten zu aktivieren gegen alle Ohnmacht und Hilflosigkeit des Erlebten.  

Wie schützen Sie sich selbst vor den psychischen Belastungen, die diese Arbeit mit sich bringt?

Im Bereich der Einsatznachsorge gibt es die Rede von den sogenannten „Big Five“ der Verarbeitung herausfordernder Einsatzsituationen. Dazu gehören die eigene Sicherheit, sich zu beruhigen und zu entlasten, Selbstwirksamkeit und Kontrolle herzustellen, das soziale Netz zu nutzen und das Gefühl von Hoffnung zu stärken. Die gilt es auch als Notfallseelsorger zu nutzen.

Was heißt das ganz konkret?

Zum Beispiel nach einem Einsatz nach Hause in den eigenen sicheren Bereich zu kommen, ein Einsatzprotokoll zu schreiben, um die Eindrücke und Gedanken zu sortieren oder auch sportliche Betätigung wie etwa das Laufen, etwas Garten- oder Hausarbeit mit einem guten Ergebnis zu sehen, Menschen an meiner Seite zu wissen, die mir guttun wie meine Familie – und schließlich darauf zu vertrauen, dass ich nach meinen Möglichkeiten Betroffene gut begleitet habe und sie jetzt aus meiner Hand Gott anvertrauen und damit loslassen darf. 

 

Interview: Petra Diek-Münchow