Buchempfehlung
Wie kann man Kindern gut von Gott erzählen?
Foto: kna/Harald Oppitz
Nur mal kurz reden.
Gott ist beliebt in der Familie von Regina Laudage-Kleeberg. „Die Kinder stehen total auf Gott“, sagt sie. Sie erzählt, dass er im Alltag oft mit dabei ist, beim Essen oder wenn sie abends bei den Kindern auf der Bettkante sitzt und sagt: „Gott, wir wollen kurz mit dir über unseren Tag reden.“
Der Katholikin ist das, was sie selbst in ihrem Leben von Gott gehört und erfahren hat, so wichtig, dass sie es an ihre Kinder weitergeben will. Der christliche Glaube ist für sie elementar, viele kirchliche Traditionen sind es hingegen nicht mehr. Laudage-Kleeberg hat aufgehört, mit ihren Kindern in den Gottesdienst zu gehen, „weil ich mich so unter Druck gefühlt habe, mit ihnen leise zu sein“. Daran seien sie „krachend gescheitert“.
So geht es vielen Familien. Sie fühlen sich im Gottesdienst nicht willkommen oder finden vieles, was dort gesagt oder getan wird, unverständlich. Andererseits sind der Glauben und die Bibelgeschichten, die sie in ihrer Kindheit kennengelernt haben, ein Schatz, den sie weitergeben wollen. Für sie hat Regina Laudage-Kleeberg ihr Buch geschrieben. Die Religionswissenschaftlerin will „dazu beitragen, dass sich die Menschen in der Ressource Religion wieder wohlfühlen“ – ob sie in die Kirche gehen oder nicht. Das gehe am besten, sagt sie, wenn man direkt von Gott ausgeht, „dieser Kraft, dieser unglaublichen Idee eines Wesens, das mich wunderbar findet, so, wie ich bin, und meine Kinder auch“.
Man sollte sich zuerst über den eigenen Glauben klar werden
Sie schreibt von ihrem eigenen Gottesbild. Davon, dass Gott alle Menschen mit Talenten ausgestattet hat, die anderen nützen, dass Gott einen liebt und man nichts dafür tun muss, und dass dieses Wissen im Alltag eine Menge Freiheit schenkt. Davon, dass Gott für alle da ist, wie auch immer man zum Christentum, zur Taufe oder zur Kirche steht. Laudage-Kleeberg sagt: „Ich möchte erzählen, welches Potenzial Glauben eigentlich hat und wie viel Kraft er geben kann.“
Konkrete Tipps, wie man in bestimmten Situationen über Gott sprechen kann, gibt sie wenige. „Mein Buch soll keine religionspädagogische Handreichung sein. Davon gibt es schon sehr viele sehr gute“, sagt die Autorin. Das Buch liest sich als Aufforderung an Erwachsene, den eigenen Glauben kennenzulernen, um ihn dann für Kinder in Worte zu fassen. „Für deine Gespräche mit Kindern über Gott erscheint mir besonders wichtig, dass du dir ein paar Gedanken machst, ob und wie du dir dieses Wesen vorstellst“, schreibt Laudage-Kleeberg im zweiten Kapitel.
Sie erklärt grundlegendes christliches Glaubenswissen und übersetzt es in den Familienalltag: Liebt Gott auch die Geschwister oder die Eltern, wenn sie nervig sind? Liebt er auch einen selbst, wenn man gerade die Ursache für Ärger ist?
Später im Buch geht es um Auferstehung. Wie erklärt man, wo der Opa ist, wenn er gestorben ist, und dass das Leben nach dem Tod weitergeht? Anhand von Versöhnungsgesten mit Kindern – „ein total alltäglicher Akt“ – macht Laudage-Kleeberg deutlich, dass es Neuanfänge gibt und Gott alle Grenzen überschreiten kann, sogar die Grenze des Todes.
Wenn man das Buch liest, gewinnt man den Eindruck, dass Religion kein frommer Akt ist, keine Pflicht, etwas zu beten oder zu tun, sondern dass das Vertrauen auf Gott Menschen glücklich macht. Laudage-Kleeberg sagt: „Gott ist für mich eine Größe, die ich zwar nicht richtig umschreiben kann, von der ich aber geborgen bin, egal wie die Welt läuft, wie chaotisch oder schrecklich alles ist. Das ist eine wunderschöne Perspektive.“
Zur Sache
Regina Laudage-Kleeberg: Das Buch für alle, die mit Kindern über Gott sprechen wollen – aber nicht wissen, wie. Kösel, 208 Seiten, 20 Euro