Bitte nicht in den Mülleimer!
Wohin mit Omas Heiligen?
Foto: Thomas Osterfeld
Heiligenfiguren, Rosenkränze oder Kruzifixe - nicht jeder kann damit etwas anfangen. Das Diözesanmuseum bietet Erben und Angehörigen Beratung an.
Der Rosenkranz, das Kruzifix, die geliebte Heiligenfigur, die alte Bibel – wohin damit, wenn Eltern oder Großeltern sterben und die Angehörigen keinen Bezug mehr zu diesen religiösen Gegenständen haben? Sie zu verkaufen oder in den Müll zu werfen, fällt vielen Menschen schwer. Behalten wollen sie sie aber häufig auch nicht.
Da liegt oft der Gedanke nahe, sie an die Kirche zu geben. Hermann Queckenstedt, Leiter des Osnabrücker Diözesanmuseums, freut sich, dass es diese Ehrfurcht vor Gegenständen, die anderen viel bedeutet haben, noch gibt – „auch wenn man selbst nicht mehr religiös ist“. Er erzählt: „Manche Menschen kommen sogar auf die Idee, den Rosenkranz oder die kleine Madonna einfach in der Kirchenbank liegenzulassen. Dann rufen uns die Küster an und informieren uns.“
Für diese Hinweise ist Queckenstedt dankbar, liegt ihm doch eine würdige Weiterverwendung der religiösen Gegenstände am Herzen. Lieber wäre es ihm allerdings, die Angehörigen würden sich mit ihrem Fund direkt an das Museum wenden. Denn obwohl der künstlerische und kunsthistorische Wert dieser Figuren und Gegenstände oft gering ist, sieht er sich die Sachen gerne an. Ihm ist es wichtig, neben der hochwertigen Kunst auch die Volksfrömmigkeit im Bistum sowie Werke regionaler Künstler zu dokumentieren. Auch vermeintlich wertlose Madonnen und Jesusbildchen seien ein Zeichen dieser Frömmigkeit und in Zeiten starker religiöser Abbrüche wichtige Zeitzeugen, erklärt er und ergänzt: „Es geht auch um den unterschiedlichen Umgang der Generationen damit.“
Den Wert und die Bedeutung der Gegenstände erkenne man allerdings oft erst im Zusammenhang mit ihrer Geschichte. Das Problem: „Bei den anonymen Gaben fehlt uns diese Geschichte. Wir können sie nicht einordnen“, so Queckenstedt. Fragen wie: „Warum hat jemand diesen Gegenstand gekauft? Wie ist er in seinen Besitz gelangt? Wer hat ihn gefertigt und wo kommt er her?“ seien neben Wert und Schönheit ebenso wichtig für die Entscheidung, ob die Dinge im Museumsdepot des Bistums bleiben und dort dokumentiert werden oder nicht. „Oft ist der Kontext das Entscheidende, nicht das Ding selbst“, so der Museumsleiter.
Inzwischen gibt es im Depot einen ansehnlichen Bestand. Manchmal werde Dinge daraus in Ausstellungen gezeigt, der Großteil bleibt jedoch zu Dokumentationszwecken im Depot. Aber natürlich längst nicht alles, was angeboten wird, kann das Museum aufbewahren. Viele Dinge, erklärt Mitarbeiterin und Kunsthistorikerin Karina Dänekamp, seien religiöse Massenware, die nur exemplarisch gesammelt werden können. Und manchmal könne man, wie kürzlich geschehen, „plötzlich Figuren des Osnabrücker Künstlers Ludwig Nolde entgegennehmen“.
Wichtig für eine Abgabe religiöser Gegenstände ist, dass die Besitzer einen Schenkungsvertrag unterschreiben, damit das Museum frei in der Weiterverwendung der Gegenstände ist. Denn sind die Figuren und Bilder für das Depot nicht interessant, können sie sie manchmal dennoch weitervermittelt werden: „An Herz-Jesu-Statuen besteht zum Beispiel in Polen und Rumänien großes Interesse“, so Dänekamp. Und auch, wenn keine Verwendung gefunden wird, erhalten sie einen würdigen Ort für eine letzte Ruhe, zum Beispiel in den Gräbern der Domkapitulare auf dem Domherrenfriedhof in Osnabrück.
Kontakt zum Museum: Tel. 05 41/31 84 81, E-Mail: museum@bistum-os.de