Hessentag in Fulda

Zwischen Bratwurst und Segen

Image
Gottesdienst zum Hessentag vor dem Dom in Fulda
Nachweis

Foto: Bistum Fulda/Martin Engel

Caption

Gut besucht: 6000 Gläubige beim ökumenischen Gottesdienst vor dem Fuldaer Dom

Auf dem Hessentag in Fulda schaffen die Kirchen Räume für Begegnung und zeigen, was sie verbindet.

Nur wenige Hundert Meter trennen den lautesten und den leisesten Ort des Hessentags in Fulda. Schulter an Schulter schieben sich die Menschen durch die Innenstadt, Gläser klirren, es riecht nach Bratwurst. Ein paar Straßen weiter wehen zarte Harfenklänge aus der kleinen Severikirche. Ehrenamtliche mit roten T-Shirts bitten Besucherinnen und Besucher mit einem Lächeln durch die dicke Flügeltür. Im Inneren ist es kühl. Bunte Ohrensessel und Hocker aus Pappe füllen den kleinen Kirchraum. Jeder Platz ist besetzt, als zwei Ordensschwestern vor dem Altar die Saiten ihrer Harfen zupfen.

Erster gemeinsamer Auftritt

Die Severikirche als Ort der Ruhe gehört zum Angebot der katholischen und evangelischen Kirche auf dem Hessentag. Es ist der erste gemeinsame Auftritt der Kirchen auf dem Landesfest und steht unter dem Leitsatz „Im Herzen eins“. Dafür sind rund 170 Ehrenamtliche an vier Standorten und bei mehr als 100 Veranstaltungen unterwegs.

Ehrenamtliche beim Hessentag
Ehrenamtliche beim Hessentag
Foto: Lisa Konstantinidis

Pfarrerin Irina Vöge hat an diesem Tag eine besondere Aufgabe. Über den Dächern der Stadt segnet sie Menschen in einer Gondel des Riesenrades. Genau der richtige Ort dafür, sagt sie. „Wer hier einsteigt, schaut über ganz Fulda. Ein besonderer Moment, in dem Menschen Gefühle zeigen, offen sind und sagen, wofür sie sich Gottes Begleitung wünschen.“ Als besonders berührend empfindet Vöge aber auch eine multimediale Installation in der Stadtpfarrkirche Fulda. Hier inszeniert Darstellerin Debora Ochoa in verschiedenen Rollen eine moderne Version der biblischen Geschichte des barmherzigen Samariters.

Eine Performance, die viele Menschen positiv anspricht, sagt Fuldas Dechant und Stadtpfarrer Stefan Buß. Seine Kirche mitten in der Fußgängerzone ist auch nach der Samariter-Inszenierung voll. Durch das große Portal drängen Menschen, Smartphones richten sich auf das opulente Deckengewölbe mit seinen Fresken. Von der Empore dröhnt die Orgel. Man spürt sie durch die Schuhsohlen.

Bischof Michael Gerber und Bischöfin Beate Hofmann
Bischof Michael Gerber und Bischöfin Beate Hofmann beim ökumenischen Gottesdienst.
Foto: Bistum Fulda/Martin Engel

Dass beide Kirchen zum ersten Mal gemeinsam auf dem Hessentag auftreten, sei ein Zeichen, das gut ankommt, sagt Buß. Die mehr als 6000 Besucherinnen und Besucher des ökumenischen Gottesdienstes am Sonntag werden ihm recht geben. Auf dem Domplatz predigten Fuldas Bischof Michael Gerber und die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, gemeinsam im Dialog. Die Predigt orientierte sich am ökumenischen Hessentagsmotto „Im Herzen eins“. Gerber und Hofmann betonten, dass ökumenische Gemeinschaft vom Gespräch lebe, vom Aushalten von Unterschieden und von der Suche nach tragenden Gemeinsamkeiten. Gerber erklärte, die ökumenische Erfahrung der Kirchen sei eine Botschaft in einer polarisierten Zeit. Eine Gesellschaft benötige Debatten, Kritik und Streitkultur. Wichtig sei, dass Unterschiede nicht in Spaltung endeten.

Lisa Konstantinidis

Der Hessentag findet bis zum 21. Juni in Fulda statt. Die vier Standorte und das Programm der katholischen und evangelischen Kirche sind unter www.im-herzen-eins-info zu finden.