Schwerpunkt ehramtliches Engagement: Wort-Gottes-Feiern

Sie öffnet Räume fürs Gebet

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Eine Frau steht an einem Altar und breitet die Arme aus
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Katrin Kolkmeyer

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Sie leisten Großes: Ohne Ehrenamt wäre Kirche ärmer.

So viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich in der Kirche. Sie spielen die Orgel oder betreuen Kinder, säubern den Glockenturm oder leiten Wort-Gottes-Feiern. Ihr Einsatz ist unendlich wertvoll. Hier erzählen einige von ihnen, was sie antreibt.

Nadine Möllenbrock weiß, dass sie Lücken füllt. „Wenn es keine Not geben würde, würde es dieses Türchen nicht geben“, sagt sie. Damit ihre Gemeinde in Hollage im Osnabrücker Land trotz Priestermangels jeden Sonntag einen Gottesdienst anbieten kann, gibt es dort seit gut einem Jahr Wort-Gottes-Feiern. Sie sind das Türchen, von dem Möllenbrock spricht. Ein schmaler Spalt, der sich geöffnet hat und ermöglicht, dass auch in einer katholischen Kirche Frauen am Sonntag einem Gottesdienst vorstehen. 

Eine Frau steht vor einem Mikrofon und liest etwas vor
Nadine Möllenbrock leitet ehrenamtlich Wort-Gottes-Feiern ihre Gemeinde in Hollage, Foto: Katrin Kolkmeyer

Etwa einmal in zwei Monaten steht Möllenbrock statt des Priesters in einem hellen Gewand am Altar, begleitet von Messdienern sowie Kommunionhelferinnen und Kommunionhelfern. Die Motivation der 49-Jährigen: „Der Glaube ist ein Geschenk, das ich weitergeben möchte. Ich möchte den Raum öffnen, damit ein Gespräch mit Gott möglich ist.“ Gut acht Stunden braucht sie, um einen Gottesdienst vorzubereiten. Ein paar Wochen vorher liest sie die biblischen Texte, denkt darüber nach, entwickelt Kerngedanken. Dann sucht sie Lieder und Gebete heraus. Am Ende schreibt sie ihre Predigt. Neben ihrem Beruf als Ärztin in einem Krankenhaus. 

„Ich mache meinen Beruf gerne“, sagt sie. Aber er hat eben auch weniger schöne Seiten. Die 24-Stunden-Dienste etwa. Anders bei den Wort-Gottes-Feiern: „Ich kann das machen, muss es aber nicht. Ich mache etwas, das mir Spaß macht.“ Und sie sagt: „Durch die Vorbereitung habe ich selbst etwas davon. Ich setze mich mit dem auseinander, was mein Leben reicher macht.“ 

Ihr bisheriger Höhepunkt: An Heiligabend übernahm sie den Gottesdienst um 17 Uhr. Bis auf den letzten Platz war die Kirche gefüllt. Es herrschte eine andächtige, aber gelöste Stimmung mit viel Gesang, Weihrauch und einer mutmachenden Botschaft – von Notlösung keine Spur.

Ulrich Waschki

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