Ökumenischer Familienkreis in Erfurt
Ein Grund, am Sonntag gern früh aufzustehen
Foto: Sabrina Hotze
Beim neuen Familienkreis in Erfurt lernten sich kleine und große Menschen kennen, frühstückten gemeinsam, spielten miteinander und bastelten Laternen.
„Glaube, Freizeit, Helfen“ – unter diesem Motto gibt es seit Kurzem in Erfurt einen neuen ökumenischen Familienkreis für die Stadt. Ins Leben gerufen haben ihn Dörte-Maria und Michael Reddig. Ihre geistliche Heimat ist die St. Josef-Gemeinde. Doch dort wie auch anderswo vermissten sie eine Veranstaltung, ein Format, wo sich Menschen im Alter nach Ausbildung oder Studium und meist mit Kindern treffen können, um ihren Glauben zu leben und ihn an die nächste Generation weiterzugeben. „Erfurt ist eine Stadt mit zahlreichen Zu- und Wegzügen, viele Familien bleiben ein wenig heimatlos“, schildert Dörte-Maria Reddig ihren Antrieb. „Da haben mein Mann und ich gesagt, wir machen es. Wir schaffen eine Gemeinschaft für Menschen, die in einer ähnlichen Lebenslage sind. Wir haben die ersten drei Termine festgelegt und stadtweit beworben.“ Wer mitmache, könne Teil einer offenen, christlichen Gemeinschaft werden und andere Familien kennenlernen, seinen Glauben vertiefen und an Kinder lebendig weitergeben sowie sich für gemeinsame Freizeitaktivitäten und gelegentliche Unterstützung im Alltag vernetzen.
Anfang November ist die Premiere gewesen. 40 Teilnehmer versammelten sich am Sonntagmorgen – Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Los ging es mit einem Frühstück und gegenseitiger Vorstellung. Ausgeschnittene Schuhe mit den Vornamen symbolisierten: Wir alle sind auf dem Weg. Auf sogenannte Oasenzettel schrieben alle ihre Wünsche für den neuen Kreis. Dörte-Maria Reddig moderierte und verglich die Lebenswege der Familien mit der Wüstenwanderung Israels. Psalm 107 („Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, und seine Gnade währet ewig“) war dabei Inspiration und Wegweiser. Die Teilnehmer entwickelten viele gute Ideen und sammelten sie auf farbigen Oasenzetteln an einer Pinnwand – die Kinder bastelten unterdessen Laternen, Jugendliche spielten Tischtennis. Zusammen feierten alle den anschließenden Familiengottesdienst mit und stellten die Pinnwand der Gemeinde vor. Auf einem der „Was ich mir wünsche“-Zettel stand beispielsweise: „Der Familienkreis soll ein Anlass sein, zu welchem mein Kind gerne aufsteht und anschließend in der Welle mit in die Kirche gespült wird.“
Den Familienkreis ökumenisch anzulegen, sei von vornherein klar gewesen, sagt Reddig: „Viele Kinder, ich selbst auch, wachsen gemischt-konfessionell auf. Es ist außerdem sehr bereichernd, jede Konfession hat ihre Besonderheiten. Zudem finde ich es zeitgemäß“, erklärt sie. Die Religionslehrerin ist sich sicher: „Wird der Glauben allein erlebt, geht er verloren, gerade bei Kindern.“ Glauben weiterzugeben funktioniere ganz stark durch Gemeinschaft – diese Erkenntnis ist Reddig besonders wichtig.