Josefsherberge in Neuzelle

Eine Reihe von Fügungen

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Clemens Wunder vor der Mariengrotte in seinem Garten in Neuzelle
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Foto: Michael Burkner

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Clemens Wunder vor der Mariengrotte in seinem Garten in Neuzelle.

Die Herberge „Heiliger Josef“ steht mitten in Neuzelle für Besucher, Gläubige und Wallfahrer offen. Dass es sie überhaupt gibt, war von den Betreibern gar nicht geplant.

„Eigentlich hatten wir das gar nicht vor“, sagt Clemens Wunder. Viele gute Geschichten beginnen so – auch die Entstehung der Josefs-Herberge in Neuzelle. Denn eigentlich wollten sich Simone und Clemens Wunder – zwei katholische Ur-Neuzeller, wenige Jahre vor dem Ruhestand – verkleinern. „Aber der liebe Gott hatte mit uns etwas anderes vor.“

Gottes Plan für das Ehepaar begann im Januar 2019. Damals bot ihnen ein Verwandter ein Haus mitten in Neuzelle an – vier vermietete, aber sanierungsbedürftige Wohneinheiten und ein etwas verwilderter Garten. „Was machen wir jetzt?“ fragten sich die Wunders, eigentlich ja auf der Suche nach einer kleineren Bleibe. „Wenn das klappt, dann wird das Haus eine Herberge für das Zisterzienserkloster“, sagten sie sich und wussten, als sie die finanzierbare Kaufsumme sahen: „Da will jemand die Herberge!“

Nur wenige Monate später folgte die nächste – eigentlich unglückliche – Fügung: Der Mieter der Wohneinheit rechts unten stürzte und zog daraufhin ins betreute Wohnen. „Jetzt sollen wir die Herberge wirklich bauen“, dachte Clemens Wunder damals und machte sich mit Beginn der Corona-Pandemie an den Umbau der Wohnung. Seine Frau nahm parallel den Garten in Angriff.

Herbergspatron hat Tradition in Neuzelle

Im Februar 2021 war alles fertig und die Herberge bereit für die ersten Gäste – einzig ein Name fehlte noch. Nichts passte so recht, bis am 1. März wie gewohnt die katholische Monatszeitschrift „Der Fels“ ins Haus flatterte. Groß darauf abgebildet: der heilige Josef, im Josefsmonat März, im vom Papst ausgerufenen Josefsjahr 2021. „Da fiel es uns wie Schuppen von den Augen“, sagt Clemens Wunder. Die Herberge wurde nach dem Ziehvater Jesu benannt – dessen Verehrung hatte in Neuzelle mit den Josefsfreunden und einer Josefskapelle bereits Tradition.

Bald bekam der heilige Josef Gesellschaft von seiner Frau Maria: Im Garten entstand eine Mariengrotte. „Die Wand musste ich für die Statik der Scheune dahinter einziehen“, erklärt Clemens Wunder, als er vor der Madonna steht. „Meine Frau hat dann vorgeschlagen, hier eine Mariengrotte zu gestalten.“ Gesagt, getan, doch der Mariengrotte fehlte noch… eine Maria. Zwei Wochen nach den Stoßgebeten um eine Lourdes-Madonna kam Pater Alberich herüber, in den Händen die Madonna eines verstorbenen Priesters im nahen Polen. „Braucht ihr die für die Grotte?“, fragte er. „Wieder eine himmlische Fügung“, sind sich die Wunders sicher.

Seither würden die Herbergsgäste besonders den Garten mit der Grotte und die guten Gespräche genießen. „Man steht gleich auf einer Stufe in der Gemeinschaft des Glaubens und hat das Gefühl, sich zuvor schon gekannt zu haben. Unsere Herberge ist ein Segen für die Gäste,“ findet Familie Wunder. Viele Besucher kämen aus den westdeutschen Bundesländern und nicht wenige zeigten sich überrascht, wie lebendig das katholische Leben in Neuzelle schon immer war. Mancher Gast hatte aber auch einen weiteren Weg bis Neuzelle. „Der westlichste kam aus Texas, der östlichste aus Nagasaki in Japan“, berichtet Clemens Wunder stolz.

Bei aller Internationalität fühlt sich die Familie den Mönchen in direkter Nachbarschaft aber besonders verbunden. „Ich gehe jeden Tag in die Laudes, bis sie ihr eigenes Kloster gebaut haben“, sagt Clemens Wunder. Bei den vielen Fügungen, die zu seiner Herberge geführt haben, können die Zisterzienser die Unterstützung seines Gebets bei ihren eigenen Bauprojekten sicher gut gebrauchen.

Michael Burkner