QR-Codes auf Grabsteinen
Digitale Porträts auf dem Friedhof
Fotos: Andrea von Fournier
Bernhard Schenk an seinem Arbeitsplatz.
Dass von einem Erdenleben etwas bleibt, wenn es zu Ende gegangen ist, wünschen sich viele Menschen. Ein persönliches Porträt oder den Lebensweg auch auf dem Friedhof präsent machen – das ist die Idee von Bernhard Schenk (48) aus dem Brandenburgischen Dallgow: Ein QR-Code (aus Punkten zu einem Quadrat zusammengesetzter, elektronisch lesbarer Code, der zu einer Internetseite führt), wetterfest auf den Grabstein geklebt, kann dem interessierten Besucher auf dem Friedhof etwas vom Leben des Verstorbenen erzählen.
Was, wieviel und auf welche Weise berichtet wird, entscheiden der Betroffene selbst oder seine Hinterbliebenen. „In Amerika gibt es so etwas schon lange“, erklärt Bernhard Schenk. 20 Jahre hat der Katholik, der Kindheit und Jugend in der Eifel verlebte, bei verschiedenen Niederlassungen der Pax-Bank für Kirche und Caritas gearbeitet, zuletzt in Berlin. Umzüge, Familienzuwachs, Aufenthalt in den USA und Corona-Zeit samt Homeoffice-Erfahrung haben den Bankfachmann bestärkt, aus dem Büroalltag herauszutreten und etwas Neues auf eigene Faust zu probieren. Die Liebe zu Video und Internet packte ihn in New York. Nun kümmert er sich um seine beiden Töchter und führt parallel sein Unternehmen. Das gefällt ihm und passt gut in den Familienalltag, da seine Frau beruflich viel unterwegs ist.
Ein Todesfall in seiner Verwandtschaft gab ihm den Anstoß für die Grabsteinbotschaften. Dann bekam er den Auftrag einer Familie, in der unerwartet ein Kind gestorben war. Mit ihnen entwickelte er aus Fotos, unterlegt mit Musik und einem kleinen Video, in dem das Kind mit Ton noch einmal fröhlich zu sehen ist, ein Porträt des kurzen Lebensweges. Trost und Erinnerung für Eltern und Verwandte, die nun auf einem Friedhof diese sehr persönliche Nachricht finden können.
Dass es datenschutzrechtliche Bedenken gibt, verneint der Unternehmer. Aus den Informationen, Bildern oder Videos, die ihm zur Verfügung gestellt werden, baut er eine Präsentation und unterlegt sie mit passender Musik. Das Ergebnis legt er den Auftraggebern vor. „Man bespricht jedes Bild, jeden Ton und Änderungswünsche arbeite ich umgehend ein“, so Schenk. Bei Zufriedenheit gibt er die Produktion des QR-Codes in Auftrag, der auf ein fünf mal fünf Zentimeter großes Plättchen Durablack, einem wetterresistenten Material, aufgebracht ist. Die Angehörigen bekommen den selbstklebenden Code, die Internetadresse und einen eigenen Platz auf Bernhard Schenks gesichertem deutschen Server. Man könnte die Webadresse noch mit einem Passwort versehen. Doch das, so ist Schenk überzeugt, würde dem Anliegen, den Verstorbenen sichtbar zu machen, entgegen stehen, weil nur „Eingeweihte“ die Grabsteinbotschaft mittels Scanner auf dem Handy öffnen könnten.
Mehr im Internet: grabsteinbotschaft.de